Crypto-Affäre fordert personelle Konsequenzen in der Zuger Wirtschaft

Die Enthüllungen rund um die Steinhauser Crypto AG beschäftigen die Zuger Wirtschaft – und haben erste personelle Konsequenzen.

Christopher Gilb
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Ehemaliger Hauptsitz der Crypto AG in Steinhausen.

Ehemaliger Hauptsitz der Crypto AG in Steinhausen.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (Donnerstag, 13. Februar 2020)

Mittwoch, 18. September 2019: Wichtige Entscheidungsträger aus der Zuger Politik und Wirtschaft treffen sich an diesem Nachmittag im Theater Casino Zug. Es ist Zuger Innovationstag, gesprochen wird über künstliche Körperteile, intelligente Geräte und virtuelle Realitäten und ob der Konsument solchen Innovationen genügend vertrauen wird. Der Wirtschaftsstandort Zug will zeigen, dass er am Puls der Zeit ist. Veranstaltet wird dieser jährliche Anlass vom Technologieforum Zug, zu dessen rund 120 Mitgliedern die grossen Industrieunternehmen am Werkplatz Zug gehören wie Siemens, Roche Diagnostics und Metall Zug. Durch die Veranstaltung führte voller Begeisterung der Präsident des Vereins Giuliano Otth.

Giuliano Otth im Jahr 2012.

Giuliano Otth im Jahr 2012.

Bild: PD

Rund ein halbes Jahr später steht sein Name in den Schlagzeilen aus aller Welt. Seit 1991 war Otth nämlich bei der sich im Besitz von Geheimdiensten befindenden Steinhauser Crypto AG tätig. Von 2001 bis zur Aufspaltung im Jahr 2018 als CEO. Später wurde er CEO von einer der zwei Nachfolgefirmen, der Crypto Schweiz AG. Ob er wusste, wer die Eigentümer der Crypto AG waren, dazu wollte Otth letzte Woche gegenüber unserer Zeitung keine Stellung nehmen.

Crypto Valley ist nicht gleich Crypto AG

Erste Konsequenzen hat Otths Verbindung zur Crypto AG trotzdem. Wie das Technologieforum Zug auf Anfrage mitteilt, habe Otth sich aufgrund der aktuellen Untersuchungen entschieden, als Präsident zurückzutreten, um «seinen Fokus auf seine eigene Firma legen zu können». Der Vorstand werde zeitnah über eine interimistische Leitung des Vorstands befinden.

So greifbar wie dieser Entscheid beim Technologieforum ist derzeit wenig im Kanton Zug. Wenn man herausfinden will, was die Enthüllungen rund um die Crypto AG auslösen oder welche Konsequenzen sie haben, stösst man eher auf eine Mauer des Schweigens. Wie im Falle des Lokalpolitikers, der sonst alles andere als öffentlichkeitsscheu ist, und der neun Jahre lang als Softwareingenieur für die Crypto AG tätig war, aber nun auf keine Anfrage dazu reagiert.

Was lösen die Enthüllungen in Zug aus? Für ihn sei das klar eine isolierte Geschichte, sagt ein langjähriger Kenner der Zuger Politik und Wirtschaft. «Die Verschlüsselungsbranche ist keine typische Branche für Zug wie etwa die Rohstoffbranche.» Auch dass Zuger Politiker im Verwaltungsrat der Crypto AG sassen, findet er nicht aussergewöhnlich. «Wäre die Firma in einem anderen Kanton tätig gewesen, wäre die Chance gross gewesen, dass ein Politiker aus diesem Kanton im Verwaltungsrat sitzt.» Auch sei schade, dass nun teils die Crypto AG mit dem Crypto Valley vermischt würde. «Das hat gar nichts miteinander zu tun. Die Blockchain sorgt für Transparenz, indem Daten dezentral gespeichert werden. Die Crypto AG aber sollte Daten verschlüsseln.»

Crypto Valley, das ist die Bezeichnung für die Ansammlung von Blockchain-Firmen im Raum Zug. Der Name leitet sich ab von der Bezeichnung Kryptowährung, also der ersten bekannten Anwendung für die Blockchain-Technologie. «Leider führt die Ähnlichkeit des Namens dazu, dass falsche Rückschlüsse getroffen würden», bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Ralf Glabischnig, Gründungsmitglied der Crypto Valley Association und Investor in Blockchain-Start-ups. Er sei gerade in Dubai gewesen und selbst dort habe man ihn darauf angesprochen. «Den Unterschied kann man aber relativ einfach aufklären. Das Crypto Valley gibt es seit frühestens 2013, die Crypto AG wurde hingegen schon 1952 gegründet.» Noch schlimmer als die Verwechslung sei aber, dass der Ruf der Schweiz als vertrauenswürdiges Land in Mitleidenschaft gezogen worden sei. «Und genau das ist der Grund, warum viele Start-ups in die Schweiz kommen», so Glabischnig.

Das Departement Informatik und die Crypto

Im Departement Informatik der Hochschule Luzern in Rotkreuz können sich Studenten auch im Bereich Cybersecurity weiterbilden. Einer der Sponsoren des Departements war ausgerechnet die Crypto AG. Auf Anfrage schreibt der Direktor des Departements René Hüsler, dass es sich bei der Crypto AG um eine von 20 Unternehmens-Sponsoren für den Aufbau des Departements gehandelt habe. «Sie war allerdings kein Hauptsponsor.» Im eigentlichen Sinne habe es sich bei den Zuwendungen der Unternehmen überdies um Spenden gehandelt, denn an die Vergabe seien keine ‹Gegenleistungen› geknüpft gewesen. Zur Frage, wie das Departement zu zukünftigem Sponsoring mit den Nachfolgefirmen der Crypto AG steht, schreibt Hüsler: «Wie vermutlich viele andere Firmen und Organisationen, die mit der Crypto AG zusammengearbeitet haben, behalten wir die aktuelle Entwicklung im Auge und werden dann, auf neuen Erkenntnissen basierend, allfällige Entscheidungen treffen.»

Hüsler selbst war um die Jahrtausendwende während knapp dreier Jahre bei der Crypto AG als Entwicklungsleiter tätig. Zu dieser Zeit sei es um die Firma eher ruhig geworden. «Anfang der 90er-Jahre hatte es Spekulationen zu Besitzverhältnissen gegeben, die Richtung Siemens oder Motorola deuteten. Die Enthüllungen nun haben mich überrascht», so Hüsler.

Einen Reputationsschaden für die Cybersecurity-Branche in der Zentralschweiz durch die Enthüllungen erwartet er nur bedingt: «Die Crypto AG ist in einem eng definierten Anwendungsgebiet tätig gewesen – wenn es Reputationsschäden gibt, werden diese voraussichtlich vor allem jene Firmen betreffen, die ebenfalls im Hardwarebereich tätig sind. Ich denke nicht, dass der gesamte Bereich von Unternehmen und Ausbildungsstätten darunter leiden wird.» Cybersecurity sei ein sehr weites Feld, welches von ganz unterschiedlichen Akteuren behandelt werde. «Als Hochschule befassen wir uns mehrheitlich im Kontext Aus- und Weiterbildung mit dem Thema und bilden entsprechende Fachexperten und -expertinnen aus.»