CS: Die Grossbank tastet sich voran

Tiefrote Zahlen und ein Silberstreif am Horizont – das Geschäftsjahr 2016 der Credit Suisse bietet von allem etwas. Konzernchef Tidjane Thiam sieht die Grossbank stark durch Sonderkosten belastet und zeigt trotz allem Zuversicht.

Thorsten Fischer
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Konzernchef Tidjane Thiam (links) und Finanzchef David Mathers geben Details zum Geschäftsjahr 2016 bekannt. (Bild: Nick Soland/EQ (Zürich, 14. Februar 2017))

Konzernchef Tidjane Thiam (links) und Finanzchef David Mathers geben Details zum Geschäftsjahr 2016 bekannt. (Bild: Nick Soland/EQ (Zürich, 14. Februar 2017))

Thorsten Fischer

Auf den ersten Blick ähneln sich die Zahlen: Im abgelaufenen Jahr hat die Credit Suisse (CS) 2,44 Milliarden Franken Verlust geschrieben. Sie schliesst damit beinahe ans Vorjahr 2015 an, wo bereits ein Minus von 2,9 Milliarden Franken resultierte. CS-Konzernchef Tidjane Thiam, der angetreten ist, die Grossbank umzubauen, wertet 2016 dennoch anders als frühere Jahre. Denn die schlechte Nachricht kann zumindest teilweise als gute Nachricht interpretiert werden. 2016 wurde endlich eine Altlast aus dem US-Hypothekenstreit beseitigt.

Der mit dem US-Justizdepartement ausgehandelte Vergleich von Dezember 2016 besteht aus einem Bussgeld und einer Entschädigung für die Konsumenten, die über mehrere Jahre entrichtet wird. Die Gesamtbelastung liegt bei 5,3 Milliarden Dollar. Das drückt zwar das Geschäftsergebnis ins Minus, die Angelegenheit kann aber abgehakt werden.

Börsengang als eine der Möglichkeiten

Thiam wies am Dienstag vor den Medien dar­auf hin, dass man sich im «ersten kompletten Jahr der Umstrukturierung» befinde und weitere folgen werden. Konkret reicht der Strategieplan bis 2018. Mit dem Massnahmenpaket sollen Kosten gespart, die Organisation angepasst und die richtigen Märkte bearbeitet werden. Klappt alles, soll die CS wieder nachhaltig Gewinne generieren, und die Renditen für die Aktionäre sollen steigen. Eine besondere Bedeutung hat der Heimmarkt Schweiz. Daher zielten auch einige Fragen an der Bilanzmedienkonferenz darauf ab. Besonders auf den möglichen Teilbörsengang der inzwischen separat geführten Schweizer CS-Einheit.

Mit zusätzlichen, konkreten Angaben zu diesem Schritt, welcher der CS frisches Kapital bringen soll, hielt sich Thiam zurück. Stattdessen hob er nochmals hervor, weshalb das Schweizer CS-Geschäft bei Anlegern auf Wohlwollen stossen könnte. Die Schweiz sei «ein sehr attraktiver Markt in einem der reichsten Länder der Welt», sagte ­Thiam. Zugleich dämpfte er alte Befürchtungen, die CS verscherble mit diesem Schritt ihr wertvolles Tafelsilber an der Börse. «Wir bleiben in Kontrolle.» Dass der CS-Konzernchef keine Details zu den Börsenplänen lieferte, werteten manche Marktbeobachter auch als gutes Zeichen. Sprich: Die CS ist inzwischen nicht mehr so dringend auf neues Eigenkapital angewiesen und hat die ärgste Phase der Krise hinter sich gelassen. Die Zusammenarbeit des Konzerns mit seiner Schweizer Tochter könnte ausserdem durch neue Drittaktionäre aufwendiger werden, vermuten weitere Analysten. Thiam erwähnte gestern, man sehe sich neben dem Börsengang auch andere Möglichkeiten an.

Risiken weiter abgebaut

Lässt man beim Blick aufs Geschäftsjahr 2016 die Sonderbelastungen beiseite, zeigen sich durchaus Fortschritte im operativen Geschäft. Die CS führt Netto-Neugelder von 28,5 Milliarden Franken an, die verwalteten Vermögen stiegen um 8 Prozent auf 734 Milliarden Franken. In der Abwicklungseinheit SRU, in der die Altlasten versammelt sind, ­konnten die Risiken weiter abgebaut werden.

Kritisch kann man sehen, dass die CS trotz eines weiteren Verlustjahrs eine ­Dividende auszahlen will. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung 70 Rappen pro Aktie vor. Man kann es aber auch als Zeichen werten, dass die CS vom nachhaltigen Aufschwung überzeugt ist. Eine Dividende spiegle nicht nur ein Geschäftsjahr, sondern auch mittelfristige Erwartungen, sagte Thiam. Vertrauen in die jüngste Entwicklung des Konzerns haben offensichtlich auch die Anleger. Der Kurs der CS-Aktie legte gestern um 2,30 Prozent zu.