CS-Quartalsgewinn 38 Prozent tiefer als im Vorjahr – Management sieht die gelbe Karte

Ein Gewinnrückgang im dritten Quartal und vorsichtige Aussagen des Chefs zur Ausschüttungspolitik bewirken einen weiteren Kurseinbruch.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein.

Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein.

Bild: Severin Bigler (Zürich, 9. September 2020)

Die Credit Suisse muss im dritten Quartal einen scharfen Gewinneinbruch hinnehmen. Der Aktienkurs sackt auf dem ohnehin schon arg gedrückten Niveau weiter ab. Nebst dem wenig erbaulichen Zahlenkranz missfällt den Investoren, dass das Management in Sachen Ausschüttungspolitik betont vorsichtige Töne anschlägt. CEO Thomas Gottstein sagte auf einer Telefonkonferenz, die Credit Suisse sei heuer in puncto Ausschüttungen deutlich zurückhaltender als viele Konkurrenten.

2020 wird die Bank Dividenden von knapp 730 Millionen Franken zahlen. Zusätzlich hat sie in den ersten drei Monaten des Jahres Aktien im Wert von 325 Millionen Franken zurückgekauft. Damit erreicht die gesamte Gewinnrückführung 2020 ein Niveau von rund einer Milliarde Franken, was etwa einem Drittel des in den ersten neun Monaten erwirtschafteten Gewinns von gut drei Milliarden Franken entspricht. Bei der UBS erreichen die 2020 bereits realisierten und noch geplanten Gewinnrückführungen an die Aktionäre rund zwei Drittel des Gewinns in den ersten neun Monaten.

Die CS dürfte 2020 also weit unter ihrem Ziel einer Gewinnausschüttungsquote von «mindestens» 50 Prozent bleiben. Zwar will die Bank das im März ausgesetzte Aktienrückkaufprogramm im kommenden Jahr wieder aufnehmen und 1 Milliarde bis 1,5 Milliarden Franken an die Eigentümer zurückführen. Doch Gottstein sagte, dass die Kapitalrückkäufe je nach Situation auch wieder eingeschränkt werden könnten. Diese Flexibilität sei auch der Grund, weshalb die Bank für 2021 das Dividendenniveau nur um fünf Prozent auf 765 Millionen Franken zu erhöhen gedenke. Solche Aussagen kommen im aktuell angespannten Marktumfeld nicht gut an, obschon sie eigentlich nur vernünftig sind. Mit der sich aktuell wieder dramatisch beschleunigenden Verbreitung des Coronavirus hängt schliesslich über jeder Prognose ein grosses Fragezeichen, zumal über solchen, welche die Verteilung von erhofften Gewinnen betreffen. Nicht von ungefähr sehen sich die Banken in der derzeitigen Krise gezwungen, ihre Rückstellung für Kreditrisiken hochzufahren. Im Fall der CS nahmen diese von Januar bis Ende September um 958 Millionen Franken zu. Der Betrag entspricht dem Achtfachen eines vergleichbaren Durchschnittswertes der vergangenen zehn Jahre.

Suche nach Ersatz für Urs Rohner

Vor diesem düsteren Hintergrund hätten sich viele Investoren natürlich eine positive Überraschung gewünscht, umso mehr als eine solche in jüngster Zeit einigen Mitbewerbern tatsächlich gelungen war. Doch diese Hoffnung liess die CS unerfüllt. Statt eines Rekordquartals, mit dem vor zehn Tagen noch die UBS glänzen konnte, musste deren Rivalin für das dritte Quartal einen Rückgang des Gewinns um 38 Prozent auf 546 Millionen Franken vermelden.

Zwar versuchte das Management, den enttäuschenden Ausweis mit den branchenüblichen Bereinigungen in ein besseres Licht zu rücken. Doch die Investoren liessen sich davon nicht aufheitern. Die Aktien der Bank verloren im Tagesverlauf zeitweise mehr als sechs Prozent und notieren inzwischen wieder deutlich unter neun Franken. Die Kursperformance seit Jahresbeginn (-30 Prozent) ist eine deutliche Warnung an Gottstein und sein Führungsteam. Apropos Führung: Bis Ende Jahr will die CS die Kandidatin oder den Kandidaten nennen, den der Verwaltungsrat als Nachfolger für den im Frühjahr abtretenden Präsidenten Urs Rohner auserkoren hat. Seit Mittwoch ist endgültig klar: Er wird nicht Philipp Hildebrand heissen. Der Ex-Nationalbank-Chef bewirbt sich als OECD-Generalsekretär (Ausgabe von gestern).