CSS: «Wir lösen das Problem in Vaduz»

Der Krankenversicherer verliert mit seiner Expansion im deutschen Markt Millionen. CSS-Chef Georg Portmann nimmt Stellung: Bis Ende Jahr will er die defizitäre Tochterfirma mit Sitz in Vaduz sanieren.

Interview Dominik Buholzer
Drucken
Teilen
Georg Portmann leitet die CSS seit 2001. (Bild: pd)

Georg Portmann leitet die CSS seit 2001. (Bild: pd)

Georg Portmann, die CSS erleidet über eine Tochtergesellschaft in Vaduz mit dem Deutschland-Geschäft Millionenverluste. Die einen sprechen von 180 Millionen Franken, die anderen von 200 Millionen. Wie viele sind es nun wirklich?

Georg Portmann*: Es ist richtig, dass wir in den Aufbau eines Deutschland-Geschäfts investiert haben. Wie hoch die Summe ist, will ich weder bestätigen noch dementieren. Den Investitionen steht auch ein Wert gegenüber.

Weshalb nicht? Sie könnten ja jetzt Licht ins Dunkel bringen?

Portmann: Wir sind aufsichtsrechtlich nicht verpflichtet, Einzelabschlüsse zu publizieren. Von dieser Möglichkeit machen wir Gebrauch. Die Konkurrenz handhabt es gleich. Ich kann nur so viel sagen. Die CSS erzielte im Zeitraum zwischen 2006 und 2013 mit Zusatzversicherungen Überschüsse von 400 Millionen Franken trotz den Investitionen, die wir in Vaduz in dieser Zeitspanne getätigt haben. Wir sind also gut aufgestellt.

Trotzdem: Der Verlust, den die CSS in Deutschland mit dem Verkauf von Zahnversicherungen erlitt, muss Sie doch schmerzen.

Portmann: Wir hatten gehofft, dass wir in diesem Jahr Break-Even erreichen. Doch bereits 2012/13 merkten wir, dass wir dieses Ziel nicht erreichen. Deshalb haben wir Restrukturierungsmassnahmen in die Wege geleitet.

Und greifen die Massnahmen?

Portmann: Es ist noch zu früh, dass ich mich dazu abschliessend äussere. Heute irgendwelche Zahlen zu nennen, wäre reine Spekulation, und das ist nicht mein Ding. Wir haben mit dem Deutschland-Geschäft ein Problem, und das lösen wir jetzt.

Wieso engagiert sich die CSS überhaupt in Deutschland?

Portmann: Wir haben 2004/05 eine strategische Neuausrichtung vorgenommen. Dabei stellten wir fest, dass im Bereich der Zusatzversicherungen in der Schweiz ein Verdrängungswettbewerb sowie ein Margendruck herrschen. Wir haben aus diesem Grund die Situation in Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland unter die Lupe genommen.

Weshalb fiel die Wahl am Ende auf Deutschland?

Portmann: In Deutschland war damals gerade die Gesundheitsreform im Gang, die unter anderem den Abbau von Grundleistungen für Brillenträger und Zahnarztleistungen zur Folge hatte. Wir sahen darin die Chance, mit einfachen Produkten im deutschen Markt Fuss zu fassen.

Würden Sie rückblickend wieder den gleichen Entscheid fällen?

Portmann: Die Analyse des Marktes war richtig. Im Nachhinein würde ich es wahrscheinlich anders anpacken. Allerdings konnten wir nicht voraussehen, dass sich der Markt und auch die Rahmenbedingungen verschärfen und wir mit unseren Produkten Nachahmer auf den Plan rufen würden.

Sie haben Restrukturierungsmassnahmen in die Wege geleitet. Aber ein Verkauf der Tochtergesellschaft ist kein Thema?

Portmann: Wir haben die Produkte verbessert, das Management ausgewechselt und die Kosten gesenkt. Zudem prüfen wir Kooperationen, strategische Partnerschaften bis hin zu einer Beteiligung.

Wie gross sind denn die Chancen, dass es doch noch gut rauskommt für die CSS in Deutschland?

Portmann: Wir sind noch immer überzeugt, dass wir es schaffen können. Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Aber eine solche Restrukturierung machen Sie nicht von heute auf morgen. Für das laufende Jahr sind wir noch vorsichtig, aber für 2015 sind wir sehr zuversichtlich.

Sie haben das Management ausgewechselt. Ist das alte Team in einer anderen Funktion für die CSS tätig?

Portmann: Nein, wir haben uns definitiv von ihm getrennt. Meine Auffassung ist es, dass ein Kurswechsel nur mit einem neuen Management gelingen kann.

Nun mussten Sie auch den Personalbestand der CSS Vaduz halbieren. Wie sehr schmerzt Sie das?

Portmann: Dieser Entscheid fiel mir nicht leicht. Ich kannte einen Teil der Betroffenen gut. Aber ich glaube, wir haben den Prozess offen und ehrlich durchgezogen, waren den Betroffenen bei der Suche behilflich, haben einen entsprechenden Sozialplan gehabt.

Können Sie einen weiteren Personalabbau bei der CSS Vaduz ausschliessen?

Portmann: Wir haben wieder Boden unter den Füssen. Aber definitiv sagen lässt sich dies erst, wenn der Sanierungsprozess abgeschlossen ist. Ende Jahr sollte es so weit sein.

Wie ist sichergestellt, dass nicht die CSS-Versicherten in der Schweiz die Zeche bezahlen müssen?

Portmann: Es ist gewährleistet, dass solche Investitionen über Überschüsse aus dem Zusatzgeschäft finanziert werden. Die Grundversicherung ist ein isolierter Kreislauf. Da können wir keine Gelder für irgendwelche Investitionen rausnehmen. Das verbietet uns der Gesetzgeber. Wir haben in der Vergangenheit ja auch schon Geschäfte getätigt, beispielsweise die Übernahme der Intras. Die hat in den ersten Jahren auch Verluste erzielt, und heute ist sie für uns ein einträgliches Geschäft.

Es drohen also nicht höhere Prämien wegen der Verluste in Deutschland.

Portmann: Ich kann versichern, die Schweizer müssen nicht die Suppe auslöffeln. Auch wenn mit der CSS Vaduz nicht alles optimal gelaufen ist, die CSS als Ganzes steht sehr gut da. Wir konnten in den vergangenen Jahren 70 000 neue Kunden gewinnen.

Ist ein weiteres Auslandengagement bei der CSS derzeit ein Thema?

Portmann: So nicht, wir lösen jetzt zuerst die Probleme mit der CSS in Vaduz.

Prüft die CSS denn Übernahmen in der Schweiz?

Portmann: Das ist für uns immer ein Thema, aber dazu müssen wir zuerst einen Partner mit gleicher Gesinnung finden. Und ich sage es offen: Vor der Abstimmung über eine Einheitskasse im Herbst geht diesbezüglich sowieso nichts.

Ganz zum Schluss: Es steht bald die Prämienrunde an. Wie hoch werden bei der CSS die Prämien im kommenden Jahr steigen?

Portmann: Eine genaue Zahl kann ich Ihnen noch nicht sagen. Die Prämienerhöhung wird sich aber im langfristigen Mittel bewegen. Und hier sprechen wir bei der Grundversicherung von rund 5 Prozent. Bei der Zusatzversicherung wird es tendenziell nur eine moderate Erhöhung sein.

Zur Person

* Georg Portmann (59) ist seit 1987 bei der CSS-Versicherung tätig. Der studierte Betriebs­ökonom HWV ist seit 1995 Direktionsmitglied des grössten Schweizer Grundversicherers, seit dem 1. März 2001 ist er Direktionspräsident.