Internet-Sicherheit
Cyber-Krieger des Bundes hätten gegen China-Hacker keine Chance

Firmen geben ihre IT-Sicherheitsinformationen ungern dem Bund – denn die werden weitergegeben. Daran ändern auch die Internetsoldaten wenig, die mit dem neuen Konzept zur Sicherheitsverbesserung angeheuert wurden.

Matthias Niklowitz
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Die Cyber-Krieger sollen auch aktiv und gezielt Angreifer ausschalten können. (Symbolbild)

Die Cyber-Krieger sollen auch aktiv und gezielt Angreifer ausschalten können. (Symbolbild)

Keystone

Der Nachrichtendienst des Bundes hat ein Konzept zur Verbesserung der Internetsicherheit erstellt. Ein 16 Massnahmen umfassender Plan wurde Ende April vorgestellt. Er beinhaltet auch die Schaffung einer neuen Abteilung beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Sie trägt den Namen Cyber NDB.

«Die mit dem Aufbau verknüpften organisatorischen und administrativen Arbeiten sind bereits abgeschlossen und die Stellen besetzt», heisst es im Jahresbericht des Steuerungsausschusses zur Nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken, der letzte Woche veröffentlicht wurde.

Diese Cyberkrieger werden für die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung zuhanden des Bedrohungs- und Lagebildes verantwortlich sein und arbeiten eng mit der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) und der Koordinationsstelle zur Bekämpfung Internetkriminalität (Kobik) zusammen. Sie sollen auch aktiv und gezielt Angreifer ausschalten können.

Wirtschaft soll mitmachen

Die neuen Internetsoldaten sollen auch die Interessen der Wirtschaft besser berücksichtigen. Dazu soll der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse eine Vermittlerfunktion übernehmen. Über die Organisation der neuen Cyberkriegseinheit will Geheimdienstchef Markus Seiler laut «Blick online» heute orientieren.

«Dass der Bund sich entsprechend der Bedrohungslage organisiert, ist sinnvoll, wobei das sicher in Koordination mit den verschiedenen Stellen der Bundesverwaltung und der kantonalen Behörden passieren sollte», sagt Hannes Lubich, auf IT-Sicherheit spezialisierter Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Zudem müssten auch öffentlich-private Partnerschaften einbezogen werden, da sich viele Branchen bezüglich Cyber-Bedrohungen entsprechend abstimmen. «Natürlich könnte man bei Bedarf für spezialisierte Teilaufgaben kommerzielle Anbieter beiziehen», so Lubich weiter, aber da diese Abwehrmassnahmen zu den hoheitlichen Funktionen des Staates gehören, halte ich eine permanente oder grossflächige Auslagerung an Private für nicht angebracht.»

Tatsächlich arbeitet der Bund bereits jetzt im Bereich «Economic Crime Intelligence» mit ganz wenigen, spezialisierten schweizerischen Privatfirmen zusammen, denn der legale Einsatzraum endet an der Landesgrenze. Diese Grenzen existieren jedoch nicht im Internet.

Ob die Truppe in der Praxis überhaupt eine Chance hätte, ist offen. Experten machen grosse Fragezeichen. Denn einerseits sind Cyber-Kriminelle aus China derzeit sehr aktiv. Diese arbeiten in regelrechten Firmen und es sind Hunderte, die da arbeiten. Sicherstes Indiz für die Herkunft trotz verschleierter Absender: Ihre Arbeitszeiten beginnen dann, wenn in Peking der Morgen anbricht und an chinesischen Feiertagen ist es laut Experten relativ ruhig.

Geheimdienste tauschen Daten

Aber das kann täuschen – denn der US-Geheimdienst NSA arbeitet laut Experten ebenfalls verdeckt. «Wenn die mal im eigenen Firmensystem eingedrungen sind, hat man keine Chance», fasst ein Experte zusammen. «Dann kann man nur noch die Stecker am Computer ziehen.»

Und ob die Wirtschaft trotz der Integration von Economiesuisse wirklich mitmacht, ist laut Experten ebenfalls offen. «Firmen hatten in der Vergangenheit öfter mal schlechte Erfahrungen gemacht, weil Informationen, die sie dem Bund anvertraut hatten, zwischen den Geheimdiensten weitergegeben worden waren», so ein mit der Materie vertrauter Fachmann.

«Wenn die für die IT-Sicherheit befassten Personen von Firmen ein gravierendes IT-Sicherheitsproblem erkennen, tauschen sie sich am liebsten mit gleichrangigen Zuständigen in anderen Firmen aus», so der Fachmann. «Denn so erfahren sie am ehesten, wie sich das Problem lösen lässt.» Ohne dass der Geheimdienst die Daten weitergibt.