Dätwyler investiert 20 Millionen Franken in Schattdorf

Der Urner Industriezulieferer Dätwyler leidet zwar unter der Pandemie. Doch die Getränkesparte floriert. Nun kommt auch ein neuer Kunde hinzu.

Maurizio Minetti
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In Nespresso-Kapseln steckt nicht nur Kaffee, sondern auch Dätwyler-Know-how.

In Nespresso-Kapseln steckt nicht nur Kaffee, sondern auch Dätwyler-Know-how.

Corinne Glanzmann

Es ist noch nicht so lange her, dass sich der Industriezulieferer Dätwyler den Grosskunden Nespresso angeln konnte. Seit 2007 produzieren die Urner in Schattdorf Dichtungen für Nespresso-Kapseln, seit 2012 auch die Kapseln selbst. In den letzten Jahren florierte das Geschäft – davon profitiert Dätwyler jetzt.

Wie die am Dienstag veröffentlichten Halbjahreszahlen zeigen, leidet Dätwyler zwar wie viele andere Unternehmen unter der Coronakrise. Doch die Geschäftsbereiche Nahrungsmittel und Getränke sowie Gesundheitsindustrie konnten sich dem Negativtrend entziehen. Dätwyler stellt etwa Dichtungslösungen für Spritzen, Verschlüsse für Flaschenbehälter für Medikamente oder andere Komponenten für die Blutentnahme oder für Kartuschen her.

Investition von 20 Millionen Franken

Im Bereich Nahrungsmittel und Getränke bedient Dätwyler mit der Ausnahme eines weiteren kleineren Kunden nur den Branchenriesen Nespresso. Nun hat es Dätwyler aber geschafft, die Abhängigkeit von diesem Grosskunden zu reduzieren, denn ab Oktober beginnt in Schattdorf die Produktion von Komponenten für ein weiteres Unternehmen. Den Namen des Neukunden nennt Dätwyler noch nicht. Konzernchef Dirk Lambrecht verrät im Gespräch aber, dass es sich um ein Unternehmen aus dem Getränkesektor handelt.

Dätwyler-CEO Dirk Lambrecht.

Dätwyler-CEO Dirk Lambrecht.

PD

Dätwyler ist vor diesem Hintergrund denn auch zuversichtlich, dass das Umsatzwachstum in diesem Bereich hoch bleiben wird. Darum investiert das Unternehmen in den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten. Gleichzeitig will der börsenkotierte Konzern in Schattdorf die Kapazitäten auch für jene Branchen ausbauen, die aktuell noch unter der Coronakrise leiden. «Wir investieren dieses und nächstes Jahr in ein neues Kompetenzzentrum für Oberflächenbeschichtungen in Schattdorf», kündigt Lambrecht an. Insgesamt belaufen sich die geplanten Investitionen auf 20 Millionen Franken.

Derzeit leidet Dätwyler vor allem unter dem schwächelnden Automobilsektor. Das Unternehmen produziert in Schattdorf etwa Produkte für die Abgasnachbehandlung oder Bremsen. Für die Einheiten Mobilität, Öl und Gas sowie die generelle Industrie sieht sich Dätwyler gezwungen, die Kapazitäten und Kostenstrukturen weiter an die tiefere Nachfrage anzupassen. Entsprechend wurden in Schattdorf Mitarbeitende von der Auto- in die Getränkeabteilung transferiert. Ende Monat entscheidet sich, ob die Kurzarbeit weitergeführt wird.

Weltweit hat Dätwyler seit Mitte 2019 inklusive freiwilligen Austritten rund 700 Stellen gestrichen. In Uri sei die Zahl der Mitarbeitenden aber stabil, sagt Lambrecht. Der Konzern beschäftigt in der Fabrik in Schattdorf rund 580 Personen. Hinzu kommen im Heimkanton Uri die über 300 Angestellten von Dätwyler Cabling Solutions in Altdorf – eine eigenständige Schwesterfirma des Unternehmens. Zählt man unterstützende Funktionen am Hauptsitz in Altdorf hinzu, beschäftigen die Dätwyler-Firmen im Kanton Uri rund 900 Personen. Nach der Vorstellung von CEO Dirk Lambrecht soll diese Zahl stabil bleiben. Kündigungen ausgesprochen habe man in Schattdorf jedenfalls keine, sagt der 59-Jährige.

Wird Uri auch weiterhin von einer harten Restrukturierung verschont bleiben? Lambrecht mag das nicht versprechen. «Es hängt damit zusammen, wie schnell sich der Automobilsektor erholt», gibt er zu bedenken. Lambrecht zeigt sich für den Heimmarkt aber grundsätzlich zuversichtlich: «Ich sehe eine sehr gute Zukunft vor uns.»

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