Dätwyler und Bossard führen Kurzarbeit ein, Komax streicht Dividende

Zentralschweizer Industriebetriebe reagieren auf die Coronakrise. Valiant hält derweil an der Dividende fest.

Maurizio Minetti
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Blick in die Produktionshalle von Komax.

Blick in die Produktionshalle von Komax. 

Dominik Wunderli (Dierikon, 14. März 2019)

Gleich mehrere börsenkotierte Firmen aus der Zentralschweiz haben am Mittwoch Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit dem Coronavirus verkündet. Der Urner Kunststoffkomponentenhersteller Dätwyler passt seine Kapazitäten im Geschäftsbereich Mobility an. Der Bereich Mobility, der vor allem Dichtungen und Komponenten für die Automobilindustrie herstellt, habe unter einer rückläufigen Nachfrage und den Werksschliessungen mehrerer Kunden gelitten. Dies werde zu Kurzarbeit und vereinzelt zu temporären Werkschliessungen führen, heisst es aus Altdorf. Dätwyler gab bereits vor einigen Tagen bekannt, dass für «einen kleineren Teil der Angestellten» am Standort Schattdorf Kurzarbeit gilt.

Aufgrund der Unsicherheiten durch die Coronapandemie sei eine verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2020 zudem nicht mehr möglich, teilt Dätwyler weiter mit. Die wenig zyklischen und solide wachsenden Geschäftsbereiche Healthcare, Food & Beverage sowie der Onlinedistributor Reichelt verfügten derweil über hohe Auftragsbestände und Auslastungen, betont das Unternehmen. Diese drei Bereiche machen rund 60 Prozent des fortgeführten Geschäfts aus. Die Lieferkette zu den Kunden und Lieferanten sei aus heutiger Sicht gewährleistet.

Dätwyler verfüge zudem über eine hohe Liquidität von rund 200 Millionen Franken, eine ungenutzte Kreditlinien von 330 Millionen und sei gering verschuldet. Man sei daher in der Lage, strategische Wachstumsprojekte vorantreiben und gestärkt aus der Krise hervorgehen, heisst es.

Auch der Zuger Logistikspezialist Bossard führt bei 380 von insgesamt 500 Mitarbeitenden in der Schweiz Kurzarbeit ein. Betroffen sind 300 Personen am Standort Zug und 80 im zürcherischen Dietikon, wie Bossard auf Anfrage mitteilt. Den betroffenen Mitarbeitern werde der Lohn um maximal 4 Prozent gekürzt, heisst es. Um diesen Wert reduzieren sich auch der Verwaltungsrat und das Management die Bezüge. Der Bossard-Umsatz sank im ersten Quartal um 5,7 Prozent auf 218,9 Millionen Franken. Erst vor gut einer Woche hatte sich Bossard an die Öffentlichkeit gewandt und als Präventivmassnahme wegen der ungewissen Auswirkungen der Coronakrise die Halbierung der ursprünglich geplanten Dividende angekündigt.

Der Luzerner Kabelmaschinenhersteller Komax streicht die Dividende derweil komplett. «Da niemand weiss, wie lange die Coronakrise andauern und welche wirtschaftlichen Folgen sie haben wird, legt der Verwaltungsrat hohe Priorität auf eine weitsichtige Liquiditätsplanung», lässt sich Verwaltungsratspräsident Beat Kälin in einer Mitteilung zitieren. Das Aufsichtsgremium habe daher entschieden, auf die ursprünglich geplante Dividendenausschüttung von 1,80 Franken je Aktie zu verzichten. Man hoffe, dass die Aktionäre «Verständnis dafür haben, dass in dieser ausserordentlichen Situation die Liquiditätssicherung und damit der Erhalt von Handlungsspielraum zentral ist». Gleichzeitig habe Komax im ersten Quartal 2020 den Konsortialkredit auf 190 Millionen von 160 Millionen erhöht und verfüge grundsätzlich über ein solides finanzielles Fundament, hiess es. Wegen des nun neuen Antrags zur Gewinnverwendung wird die Generalversammlung vom 21. April auf den 11. Mai 2020 verschoben. Aktionäre können wegen der Massnahmen des Bundesrats gegen das Coronavirus nicht persönlich teilnehmen und ihr Stimm- und Wahlrecht ausschliesslich über den unabhängigen Stimmrechtsvertreter wahrnehmen.

Auch die Valiant mit Holdingsitz in Luzern führt die GV ohne Teilnehmer durch, die Regionalbankengruppe bekräftigt aber den bisherigen Dividendenvorschlag für 2019 und schlägt der Generalversammlung vom 13. Mai eine Ausschüttung von 5 Franken pro Aktie vor, teilt sie am Mittwoch mit.

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