Papiergrüsse
Dank Apps und Retro-Kult: Die Postkarte ist wieder im Trend

Trotz E-Mail, SMS und den sozialen Medien: Die Postkarte erlebt derzeit ein Revival.

Carla Stampfli
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Lange gehörte es einfach dazu: In den Ferien an den Kiosk zu gehen, einen Stapel Postkarten zu kaufen und Grüsse an die Daheimgebliebenen zu schicken. Eine Freude, die Karte aus dem Briefkasten zu nehmen, sie anzufassen, sie zu lesen. Genauso die Geburtstagsgrüsse aus der Ferne von guten Freunden, von Verwandten.

Post-Aktion in der Kritik

Während das Versenden einer Karte mit der App der Post gratis ist, gilt das nicht für die drei anderen Schweizer Anbieter: Bei Flyerline, Elco und ifolor variiert der Preis zwischen 2 Franken und 2.95 pro Versand. Wie begründet die Post die Gratis-Aktion? Gemäss Mediensprecherin Nathalie Dérobert Fellay will die Post mit der App den Kunden eine Alternative zu elektronischen Fotogrüssen bieten. Zudem sei sie ein Werbeinstrument, um die kostenpflichtige und gleichnamige Online-Plattform bekannt zu machen. Auch könnten Nutzer nur alle 24 Stunden gratis eine Karte versenden. Darüber hinaus sei die Gratis-Postkarte mit einem Werbetext versehen. «Wer mehrere Karten gleichzeitig mit kreativen Möglichkeiten schicken möchte, kann auf die kostenpflichtige Variante zurückgreifen», so Dérobert Fellay. Wie reagieren die drei anderen Anbieter auf die Gratis-Konkurrenz? Beim Online-Dienstleister ifolor will man das Angebot der Post nicht kommentieren. Doch ifolors Marketing-Leiter äusserte sich gegenüber der «Nordwestschweiz» vor einigen Monaten wie folgt: Ihm gebe die Kombination des Gratisversands mit dem Produkt, das ebenfalls gratis ist, zu denken. Und: «Die Post versucht mit der Gratispostkarte, ihr unter Druck stehendes Kerngeschäft zu forcieren.» Auch bei Elco will man sich zur Gratis-Aktion der Post nicht äussern. Die App des Papeteriehändlers aus Brugg AG wurde laut Firmenangaben seit Anfang 2014 mehrere tausend Male heruntergeladen, ebenso viele Karten wurden verschickt. Als die Post ihre App einige Monate nach Elco lanciert hat, sind die Bestellungen also nicht merklich zurückgegangen. Konkurrent Flyerline gibt sich weniger zugeknöpft: Man komme gut neben der Gratis-Konkurrenz vorbei, sagt Medienverantwortliche Stefanie Gross im Gespräch mit der «Nordwestschweiz». Die Online-Druckerei aus Altnau TG hat 2012 als erste eine Postkarten-App auf den Markt gebracht. (CES)

Damit ist nun Schluss. Laut Thomas Bähler, Geschäftsführer des Kartenverlegerverbands, konnte der Abwärtstrend gestoppt werden. Die Verkaufszahlen seien in den letzten Jahren «nur noch leicht rückgängig». «Die Postkarte erlebt ein Revival», sagt auch Nathalie Dérobert Fellay, Mediensprecherin der Schweizerischen Post. Abgeschrieben sind die Karten also noch lange nicht. Im Gegenteil.

Drei Millionen Karten verschickt

Wie Papiergrüsse in der digitalisierten Welt weiterhin bestehen können, zeigt die Hybridpostkarte der Post. Anhand einer App kann ein Benutzer ein selbstgeknipstes Foto mit einer Grussbotschaft beschriften, kurze Zeit später landet sie als physische Postkarte beim Empfänger im Briefkasten. Eine Karte pro Tag ist mit der «Postcard-Creator-App» gratis, ein mehrfacher Versand ist nur auf der gleichnamigen Internetseite möglich und kostenpflichtig. Seit der Lancierung im März 2014 wurden drei Millionen Stück verschickt, mehr als 300 000 Mal wurde die Software heruntergeladen.

Die App sowie die Tatsache, dass eine Postkarte greifbar sei und stärker als elektronische Grüsse wahrgenommen werde, unterstütze diesen Kartentrend, ist Dérobert Fellay überzeugt. Der Bundesbetrieb ist mit der Postkarten-App nicht alleine. Drei weitere Schweizer Anbieter gibt es auf dem Markt. Nicht alle erfreuen sich jedoch ob der Gratis-Konkurrenz (siehe separater Text unten).

Retro-Kultstatus bei den Jungen

Papiergrüsse könnten sich auch gut halten, weil die Anzahl der Verkaufspunkte, zum Beispiel Hotels, Kiosks, gewisse Lebensmittelgeschäfte und Tourismusbetriebe, mehr oder weniger stabil geblieben seien, sagt Thomas Bähler vom Kartenverlegerverband. «Eine Postkarte ist immer noch eine hochwertigere Botschaft als eine elektronische Nachricht.» Diese Tatsache würden erfreulicherweise auch Jüngere erkennen, bei denen die Karte sogar Retro-Kultstatus geniesse. Ein Blick in den Ferienreport 2014 von Kuoni bestätigt dies: Laut Reiseveranstalter würde fast jeder zweite 18- bis 29-Jährige eine Postkarte schreiben.

Weniger gut ist die Situation in Deutschland, wo sich der Rückgang stärker bemerkbar macht: Die Anzahl Postkarten ist zwischen 2009 und 2014 um über 20 Prozent von 270 auf 210 Millionen gesunken. Gemäss der Deutschen Post liegen die Gründe insbesondere bei den elektronischen Medien. Immer mehr Kunden würden per E-Mail, Messenger oder SMS kommunizieren. Dennoch wird dort vor allem noch im Sommer zum Schreibstift gegriffen: Alleine von Juni bis August 2014 hat die Deutsche Post 57 Millionen Stück befördert.

Die Vermutung liegt nahe, dass auch in der Schweiz mehr Papiergrüsse verschickt wurden. Konkret belegbar ist dies aber nicht: Bei der Schweizerischen Post wird eine Karte, im Gegensatz zu Deutschland, nicht als solche erfasst, sondern wie ein Brief.