Dank CO2-Massnahmen: Wie Swiss Krono in Menznau Millionen einnimmt 

Firmen, die CO2-Reduktionsprojekte umsetzen, werden finanziell belohnt. Der Menznauer Holzverarbeiter Swiss Krono hat CO2-Zertifikate im Wert von knapp 30 Millionen Franken erhalten. Doch die getätigten Investitionen sind höher. 

Maurizio Minetti
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Swiss-Krono-Chef Roger Braun vor einem Sternwender, mit dem Spanplatten abgekühlt werden. (Bild: Pius Amrein, Menznau, 26. September 2019)

Swiss-Krono-Chef Roger Braun vor einem Sternwender, mit dem Spanplatten abgekühlt werden. (Bild: Pius Amrein, Menznau, 26. September 2019)

Die Energiewende fordert einiges ab. Vor allem energieintensive Industrieunternehmen müssen ihren CO2-Ausstoss zum Teil markant verringern, damit die Schweiz ihre hochgesteckten Ziele erreichen kann. Allerdings bewegen sich nicht alle Unternehmen gleichermassen freiwillig in Richtung Energiewende. Um ihnen etwas Dampf zu machen, hat der Staat deshalb schon vor Jahren diverse Anreizsysteme geschaffen. So können sich Unternehmen von der CO2-Abgabe befreien lassen, wenn sie sich im Gegenzug zu einer Verminderung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichten.

Auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt (Bafu) ist die Liste dieser abgabebefreiten Unternehmen einsehbar. Das System funktioniert so: Unternehmen werden analysiert nach ihrem wirtschaftlich umsetzbaren Potenzial zur Verbesserung der Energieeffizienz. Auf dieser Basis wird eine Zielvereinbarung erstellt.

Setzen die Unternehmen die entsprechenden Massnahmen um und erreichen dadurch das Ziel in einem definierten Zeitraum, sind sie von der CO2-Abgabe auf Brennstoffe befreit. Tun sie darüber hinaus noch mehr, erhalten sie für diese Zielübererfüllung im Gegenzug CO2-Zertifikate, die sie verkaufen und so zu Geld machen können. Dies soll Anreize schaffen, auch in unwirtschaftliche Massnahmen zu investieren, die zu zusätzlichen CO2-Einsparungen führen. Einige Firmen erhalten auf diese Weise Millionenbeträge.

WWF kritisiert bestehende Praxis

Nun kritisierte kürzlich die Umweltschutzorganisation WWF in der «Sonntags-Zeitung», dass es einen zu grossen Spielraum bei der Festlegung der Emissionsziele gebe. Der Vorwurf lautet: Firmen können ein Ziel festlegen, das für sie einfach zu erreichen ist. Kritisiert wird ausserdem, dass der Bund höhere Zielwerte gewährt, wenn Unternehmen schon früher CO2-Reduktionsprojekte umgesetzt haben.

Wie die Bafu-Auflistung zeigt, ist die Differenz zwischen Zielwert und tatsächlichen Emissionen bei der Menznauer Swiss Krono AG am extremsten: Der Holzverarbeiter dürfte gemäss Zielvereinbarung in der laufenden Periode 2013 bis 2020 rund 373 000 Tonnen CO2 ausstossen. Effektiv hat Swiss Krono aber nur rund 2000 bis 7000 Tonnen pro Jahr emittiert. Darum hat Swiss Krono CO2-Zertifikate im Wert von knapp 30 Millionen Franken erhalten.

Roger Braun, Leiter der Swiss Krono AG und damit des Schweizer Standorts der Gruppe in Menznau, räumt im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass das Unternehmen vom Anreizsystem des Bafu profitiere: «Aber nur wegen der hohen Investitionsbereitschaft in klimafreundliche Prozesse und Technologien.» Die Vorgaben des Bundes seien streng. «Die anspruchsvollen CO2-Emissionsziele beruhen auf den effektiven Emissionswerten zum Ende der ersten Verpflichtungsperiode, die es bis 2020 um 15 Prozent zu reduzieren gilt. Nur wenn Swiss Krono den gesetzten Zielpfad einhält, werden die Vorleistungen aus den umfangreichen Investitionen, die Swiss Krono schon vor 2012 getätigt hat, für die Ausstellung von CO2-Zertifikaten berücksichtigt.»

Swiss Krono habe unter anderem im Jahr 2010 in Menznau eine Energiezentrale für Gebrauchtholz in Betrieb genommen, was Investitionen in eine zusätzliche Abluftreinigung und eine Logistikkette zur Annahme und Verarbeitung von Gebrauchtholz mit sich zog.

Nur schon diese Investitionen übertreffen die Erlöse aus den CO2-Zertifikaten bei weitem, heisst es aus Menznau. Dass Unternehmen belohnt werden, die schon früh Investitionen getätigt haben, findet Roger Braun richtig: «Wir haben bereits im Jahr 2000 – also lange bevor CO2-Emissionsziele überhaupt Thema waren – begonnen, eine Auslegeordnung über die Einsparmöglichkeiten zu machen und anschliessend in die Reduktion der CO2-Emissionen investiert.» Eine erste Zielvereinbarung habe man Ende 2006 unterzeichnet. Dafür wurde Swiss Krono von der CO2-Abgabe für die erste Verpflichtungsperiode von 2008 bis 2012 befreit.

Er entkräftet gleichwohl den Vorwurf übermässiger Einnahmen: «Die summierten Investitions- und Betriebskosten der von uns in den letzten zwanzig Jahren umgesetzten Massnahmen sind deutlich höher als die Erlöse aus den bisher ausgestellten Zertifikaten.» Ausserdem trage Swiss Krono bei der Umsetzung solcher Massnahmen das volle unternehmerische Risiko. «Ob Massnahmen die gewünschte Wirkung zeigen und sich entsprechende CO2-Zertifikate generieren lassen, kann oftmals nicht exakt vorhergesagt werden», so Braun.

Auch andere Betriebe haben mit dem System gute Erfahrungen gemacht

Wie die Bafu-Auflistung zeigt, profitieren neben Swiss Krono viele weitere Industriefirmen aus der Region von dem System. Sie argumentieren ähnlich wie Swiss Krono. So sagt Geschäftsleitungsmitglied Ernst Müller vom Wolhuser Geschenkpapierhersteller Stewo: «Wir haben dank dem System zwar Geld in Form von Zertifikaten bekommen, zuvor haben wir aber ein Vielfaches davon investiert.»

Urs Kunz, Inhaber der Frischfleisch AG in Sursee, sagt, das Programm sei sehr strikt begleitet und überwacht: «Keinesfalls gibt es einfach so Geld; die Reduktionen müssen anhand der Zahlen bewiesen sein und werden genau verifiziert und kontrolliert.» Seiner Meinung nach sei dies «ein wirklich gutes Mittel zur zusätzlichen Motivation, um Einsparungen zu orten und zu realisieren.»

Dem pflichtet Stefan Schulthess, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), bei. Die SGV habe für Massnahmen zur Treibstoffreduktion in der laufenden Periode mehrere Millionen Franken ausgegeben: «Damit konnte der Treibstoffverbrauch der Schiffsflotte in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent gesenkt werden.» Vom Bund gab es dafür Zertifikate im Wert von rund 250 000 Franken.