Güterterminal
Dank dem Güterterminal kam Gerlafingen zu neuer Ortsdurchfahrt

Dass der zusätzliche Lastwagenverkehr jetzt aber ausbleibt, bedauert dort kaum jemand.

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Kreisel

Kreisel

Schweiz am Sonntag

Von Andreas Toggweiler

Als der Bau des Güterterminals Cargodrome angekündigt wurde, ging ein Aufschrei durch Gerlafingen. Vorgesehen war, dass ein Grossteil des Schwerverkehrs vom Autobahnanschluss Kriegstetten zur Verladestation in Wiler durch die Gemeinde rollt. Bereits «gesegnet» durch die Lastwagen zum Stahlwerk und zur benachbarten Papierfabrik Biberist, wehrte sich die Bevölkerung massiv gegen zu erwartenden Mehrverkehr durch das Cargodrome.

Die über 100 Einsprecher erreichten eine Reduktion der geplanten Lastwagenfahrten und dass der Kanton bauliche Massnahmen ergreift. «Das Cargodrome war der Anlass, dass der Kanton überhaupt auf unsere Verkehrssituation aufmerksam wurde», blickt Gemeindepräsident Peter Jordi zurück, «denn wir hatten damals schon 1200 40-Tönner pro Tag.»

Heute ist beim Cargodrome der Ofen aus, bevor er recht angegangen ist. Aber Gerlafingen hat eine neue Ortsdurchfahrt und einen neuen Kreisel im Ortszentrum. Peter Jordi müsste heucheln, würde er das Scheitern des Cargodromes sehr bedauern. «Wir sind natürlich froh für jeden Lastwagen, der nicht durch unser Dorfzentrum fährt», sagt
Jordi.

Dass Gerlafingen jetzt unverdient von neuen Strassen profitiert, stellt er in Abrede. «Der Verkehr hat so oder so zugenommen. Inzwischen zählen wir 1400 Lastwagen.» Im Nachhinein gesehen, so räumt Jordi aber ein, wäre wohl das Cargodrome, selbst wenn es funktioniert hätte, für die Verkehrsprobleme von Gerlafingen «relativ unbedeutend» gewesen.

Nach wie vor ein Problem sei hingegen, dass wegen der Schwerverkehrsabgabe (weniger Kilometer) und dank GPS viele 40-Tönner durch Gerlafingen und Biberist von der A1 auf die A5 wechseln und nicht den Umweg über die Verzweigung Luterbach fahren, sagt Jordi weiter. Dieses lässt sich wohl nicht kurzfristig lösen, sondern nur im Rahmen des nun neu lancierten «Raumentwicklungskonzepts Wasseramt». Dieses sieht unter anderem die planerische Sicherstellung einer Ortskernumfahrung von Gerlafingen vor. Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik.

In Wiler, der Standortgemeinde des Cargodromes, hat dieses erwartungsgemäss wenig Spuren hinterlassen. «Der Lastwagenverkehr war bei uns weder vor noch nach der Eröffnung ein Problem, erklärt Gemeinderatspräsident Ueli Schwaller. Die Gemeinde habe auch keinerlei Gelder verloren, da das Cargodrome die Erschliessung inklusive Kreisel im Wilerwald selbst bezahlt habe. «Das einzige, was wir uns jetzt wünschen, ist, das keine Investitionsruine entsteht und das Gelände weiterhin genutzt wird», sagt Schwaller.