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«Das Argument höre ich seit 20 Jahren»

NachgfragtDer Berner Volkswirtschaftsprofessor Aymo Brunetti sieht die Projekte für Investitionsfonds skeptisch.

Aymo Brunetti, wie erklären Sie sich, dass zurzeit kaum eine Woche vergeht, ohne dass neue Vorschläge zur Gründung von Investitions- oder Staatsfonds auf den Tisch kommen?

Tiefe Zinsen stärken das Argument, dass es quasi gratis ist, zu investieren. Dabei wird übersehen, dass auch bei Nullzinsen zumindest die Kosten der Investition hereingespielt werden müssen. Irgendwie scheint auch die Idee mitzuspielen, dass bei staatlicher Beteiligung riskanter und damit ertragreicher investiert werden könne.

Gibt es Gründe, dass sich der Staat in solchen Vehikeln engagieren soll, etwa wenn es an Risikokapital fehlt?

Nein. Der Staat hat eine Aufgabe bei Investitionen in öffentliche Güter, aber sicher nicht bei normaler Investitionstätigkeit. Das unterscheidet eine Marktwirtschaft von einer Planwirtschaft. «Fehlendes» Risikokapital heisst einfach, dass eine Investition zu riskant im Verhältnis zum Gewinnpotenzial und deshalb privatwirtschaftlich nicht lohnend ist. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum die Allgemeinheit dieses Risiko tragen soll. Durch privates Risiko finanzierte Investitionen sind effizienter, weil die Kosten dann von dem getragen werden, der sein eigenes Geld einsetzt.

Viele Vorschläge haben die Devisenreserven oder die Gewinne der Nationalbank im Visier. Wäre eine Auslagerung nicht eine Möglichkeit, die Nationalbank von der Anlage dieser Gelder zu entlasten?

Alle diese Vorschläge sind meines Erachtens wenig sinnvoll. Sie sind schon bilanztechnisch nicht machbar, ausser die Nationalbank gäbe dem Fonds ein Darlehen in Höhe der Assets. Auch dann wäre ein Fonds doch noch mit der Nationalbank verbunden und ordnungspolitisch höchst problematischen politischen Einflussnahmen ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die Nationalbank aus geldpolitischen Gründen jederzeit Zugang zu den Assets haben muss. Generell sind viele dieser Vorschläge Versuche, die Schuldenbremse aus- zuhebeln.

Die Vorschläge für Investitionsfonds werden meist mit Hürden für Jungunternehmen begründet. Hat die Schweiz ein Start-up-Problem?

Das Argument vom angeblich fehlenden Start-up-Geld höre ich seit 20 Jahren, ohne dass ich je einen überzeugenden Beleg gesehen hätte. Wo ist hier das Marktversagen? Die Schweiz hat kein Problem mit Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Erhältlichkeit von Krediten und so weiter. Ausserdem sind die Zinsen ja rekordtief. (bpp)

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