az-Serie Teil 8
Das Bankgeschäft wird anspruchsvoller

Trotz ihrer Heterogenität müssten alle Institute für ein Ziel einstehen: die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes als Ganzes gemeinsam zu stärken, schreibt unser Autor.

Hanspeter Hess*
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Hanspeter Hess

Hanspeter Hess

Der Finanzplatz Schweiz hat – bedingt durch die Finanzkrise – einen Wandel vollzogen: Kundenseitig stehen stärker denn je Werte wie Sicherheit, Kontinuität und Vertrauen im Fokus. Die alleinige Orientierung an einer Rentabilitätsmaximierung ist – vorerst – in den Hintergrund getreten. Ehemals positiv belegte Attribute wie internationale Vernetzung und globales Handeln stossen mittlerweile auf Skepsis. So wurde vielen Kunden bei ihren eigenen Anlagen schmerzhaft bewusst, dass Chancen auch erhebliche Risiken beinhalten können. Darüber hinaus musste die Schweiz erfahren, dass sich aus grossen international vernetzen Instituten eine generelle Bedrohung für die gesamte Volkswirtschaft ergeben kann. Ausserdem geht mit dem Status als relativ kleines und vermögendes Land eine Erpressbarkeit einher, die internationale Geschäftstätigkeit heute in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Gesamthaft ist festzustellen, dass die Bankenbranche einen erheblichen Imageschaden erlitten hat!

Aus Sicht der Regulatoren ist daher ein erheblicher Handlungsbedarf evident geworden, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit des Finanzsystems besser zu gewährleisten. Verschiedene Regulierungsthemen wurden bereits in Angriff genommen und sind mit den Vorhaben der übrigen Wirtschaftsnationen zu harmonisieren, damit keine nachhaltige Wettbewerbsschwächung für den Finanzplatz Schweiz eintritt. Die Überwachungsbehörden werden inskünftig einen grösseren Einfluss auf die Geschäftspolitik der Banken geltend machen. Die Wichtigkeit der regulatorischen Eingriffe ist aus volkswirtschaftlicher Sicht unbestritten!

Den anspruchsvollen Zeiten zum Trotz sind die Kantonalbanken gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen und konnten ihre Marktposition weiter ausbauen. Ursächlich für diesen Vertrauensbeweis der Kunden ist ihr auf Sicherheit und Kontinuität ausgerichtetes Geschäftsmodell, in dem die Nähe zum Kunden, die Kenntnis ihrer Bedürfnisse sowie die Transparenz der getätigten Geschäfte einen besonders hohen Stellenwert geniessen. Darüber hinaus hat ihre solide Kapitalausstattung dazu beigetragen, ihre Stabilität weiter zu stärken. In diesem Sinn hat die primär inlandorientierte strategische Positionierung der Kantonalbanken eine klare Bestätigung erfahren.

Dennoch lässt sich nicht negieren, dass erhebliche Herausforderungen auf den Finanzplatz und damit auch auf die Kantonalbanken zukommen. Aufgrund der derzeitigen Entwicklungen ist absehbar, dass das Bankgeschäft als solches deutlich anspruchsvoller wird. Ein zentrales Anliegen der Kantonalbanken ist daher, nicht unverhältnismässig für die Versäumnisse anderer Marktteilnehmer zur Verantwortung gezogen zu werden. Die anstehenden Regulierungsmassnahmen müssen konsequent einer differenzierten Betrachtungsweise Rechnung tragen. Daher sind nur solche Bereiche verstärkt zu regulieren, bei denen für einzelne Banken oder Geschäftsfelder Handlungsbedarf besteht.

Als Folge der aktuellen Rahmenbedingungen lassen sich schon heute nachstehende Entwicklungstrends für das Schweizer Bankgeschäft identifizieren: 1. Die Konkurrenzsituation wird sich im Inland weiter verschärfen. Neue Marktteilnehmer wie auch die notwendige Neuausrichtung der Grossbanken werden schon bald zu einem spürbaren Verdrängungswettbewerb führen. 2. Gleichzeitig ist mit einer nachhaltigen Veränderung der Kundenbedürfnisse und des Kundenverhaltens zu rechnen. Sicherheit und Vertrauen werden über die Krise hinaus elementar bleiben. 3. Die emotionale Bindung der Kundschaft gewinnt gegenüber einer eher analytisch geprägten Renditeorientierung an Bedeutung. 4. Zudem führen die höheren Regulierungskosten unweigerlich dazu, das Effizienzpotenzial bestehender Prozesse zu überprüfen.

Bei dieser Betrachtung gilt es, einen zentralen Punkt im Auge zu behalten: Der Finanzplatz Schweiz lebt von der Vielfalt seiner Akteure hinsichtlich Grösse, Geschäftsmodell und Eigentümerstrukturen. Trotz ihrer Heterogenität müssen alle Institute für ein Ziel einstehen: die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes als Ganzes gemeinsam zu stärken.

*Hanspeter Hess ist Direktor des Verbandes Schweizerischer Kantonalbanken