Das Corona-Virus verbreitet sich in der Wirtschaft

Weltweit gaben am Montag die Börsen nach. In einer vernetzten Wirtschaft ist der Weg von Wuhan in die Schweiz kurz.

Niklaus Vontobel
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Eine Frau trägt vor der Börse in New York eine Gesichtsmaske.

Eine Frau trägt vor der Börse in New York eine Gesichtsmaske. 

Bild: Justin Lane / EPA (27. Januar 2020)

Den Aufwärtstrend an den Börsen schien nichts mehr aufhalten zu können. In der Schweiz war 2019 das beste Jahr seit 2005. Um 30 Prozent war der Swiss-Performance-Index nach oben gegangen. In den USA hatte der Dow-Jones-Index um 22 Prozent zugelegt. Die Euphorie war gross. Sie hielt nicht lang.

Der Boom ist zunächst einmal gestoppt. Am Montag gaben die Börsen nach: in der Schweiz und in den USA, in Südkorea und in Japan, in Deutschland und in Frankreich. In China und Hongkong waren die Börsen wegen des chinesischen Neujahrsfestes zu. Sonst hätten die Kursverlaufe ähnlich ausgesehen. Der Höhenflug an den Börsen wurde gestoppt vom Corona-Virus. Dieses ging aus von einer hierzulande kaum bekannten chinesischen Stadt, die gleichwohl bestens vernetzt ist mit der Weltwirtschaft.

Wuhan ist das Zuhause von mittlerweile 500 Fabriken. Damit kommt der Millionenstadt eine wichtige Stellung zu unter jenen chinesischen Städten, die die Nachrichtenagentur Bloomberg aufgenommen hat in ihre Datenbank über Wertschöpfungsketten. Wuhan schafft es unter rund 2000 chinesischen Städten auf Rang 13.

So reagierten die Börsen weltweit

Börse Veränderung
Schweiz, SMI -1.8 Prozent
Deutschland, Dax -2.5 Prozent
Grossbritannien, FTSE -2.3 Prozent
Europa, Stoxx 600 -2.3 Prozent
Japan, Topix -1.6 Prozent
Frankreich, CAC -2.6 Prozent
Amerika, Dow Jones -1.4 Prozent

Eine Fabrik in Wuhan hat etwa der US-Getränkehersteller PepsiCo oder der deutsche Megakonzern Siemens. Die bedeutende Position von Wuhan ist der Hintergrund zu Nachrichten, wonach nun globale Weltkonzerne ihre Mitarbeiter abziehen müssen. Dazu gehört etwa PSA, der französische Hersteller der Peugeot-Autos. Die japanischen Autokonzerne Nissan und Honda evakuieren Mitarbeiter mit gemieteten Jets.

Flucht in den sicheren Hafen, Exporte leiden

Infolge der geografischen Ausbreitung des Virus müssen weitere Konzerne reagieren. Wie Bloomberg nachzeichnet, hat McDonalds in fünf Städten in der Region seine Restaurants geschlossen. Walt Disney kündigte die Schliessung seines Themenparks in Schanghai an. Die amerikanische Kaffeekette Starbucks kann ebenfalls einige Verkaufsstellen nicht öffnen.

So verbreitet sich das Virus in der Wirtschaft. In der Schweiz trifft es vor allem die Luxusgüterhersteller Swatch Group und Richemont. Durch die Reisebeschränkungen, die Chinas Regierung verhängt hat, wird das Shoppen von Luxusgütern behindert. Swatch und Richemont zählten am Montag zu den grössten Verlierern. Zugleich werden Schweizer Exporte teurer. Der Schweizer Franken wurde stärker. Ein Euro kostete am Montag weniger als 1.07 Franken.