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Was ist unser Geld wert? Was uns der Big-Mac über die Kaufkraftparität verrät

Die Aufwertung zum Euro sei langfristig nicht zu bremsen, konstatiert die Credit Suisse. Der Trend radiert immer mehr exportorientierte Unternehmen aus.
Daniel Zulauf
Der Big-Mac-Index schätzt die Kaufkraft eines Landes. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone, Regensdorf, 21. August 2007)

Der Big-Mac-Index schätzt die Kaufkraft eines Landes. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone, Regensdorf, 21. August 2007)

Der letzte grosse Wechselkursschock in der Schweiz bleibt unvergessen. Als die Nationalbank im Januar 2015 bekannt gab, die Eurountergrenze von 1.20 Franken nicht weiter zu verteidigen, vergingen nur wenige Sekunden, bis die helvetische Valuta auf Parität zum Euro notierte. Das Ereignis ist Stoff für die Geschichtsbücher, doch es war nur ein Vorspiel auf das, was bald zur Normalität werden könnte.

Ein Euro für einen Franken, für den Credit-Suisse-Ökonomen Claude Maurer liegt ein solches Austauschverhältnis in nicht mehr allzu grosser Ferne. Seinen Berechnungen zufolge liegt der «faire Wert» des Frankens im Verhältnis zur Gemeinschaftswährung schon heute nur noch 9 Prozent über dem aktuellen Wechselkurs. Und das Modell sagt voraus, dass dieser faire Wert binnen fünf Jahren dort angelangt ist, wo der Wechselkurs bereits heute steht (1.12 Franken).

Eineinhalbmal so viel Big-Mac

Maurers Berechnung basiert auf einem erweiterten Kaufkraftparitätsmodell. Die Kaufkraftparität unterstellt, dass Preisunterschiede zwischen Ländern über den Wechselkurs ausgeglichen werden. Ein Beispiel: Der Big-Mac kostet in der Schweiz 6.50 Franken und in einem Euroland 4.05 Euro. Beim aktuellen Wechselkurs kann sich ein Schweizer ausserhalb des Landes also fast eineinhalb Big-Macs leisten - und umgekehrt. Nach dem Big-Mac-Index der britischen Zeitschrift «Economist» ist der Franken konkret 43 Prozent überbewertet. Die Kaufkraftparität wäre bei einem Eurokurs von 1.60 Franken gegeben. Das Beispiel zeigt: die Kaufkraftparität ist ein theoretisches Konstrukt, das sich mit der Realität im Hier und Jetzt nur selten und wenn, dann eher zufällig deckt. Nützlich ist das Modell trotzdem. Es hilft im alltäglichen Auf und Ab der Devisenmärkte den Blick für die fundamentalen Treiber des Wechselkurses zu schärfen.

Der wichtigste Treiber ist die Inflation. In der Eurozone steigen die Preise seit Jahren stärker als in der Schweiz. Dadurch entsteht ein permanenter Aufwertungsdruck auf den Franken. Hinzu kommt, dass die Schweizer Wirtschaft viel mehr produziert, als im Inland konsumiert werden kann. Der Leistungsbilanzüberschuss, den die Credit Suisse für das laufende Jahr auf 50 Milliarden Franken schätzt, generiert ebenfalls eine dauerhafte und kräftige Nachfrage nach Franken und trägt somit ebenfalls viel zur fundamentalen Aufwertung des Frankens bei. Gemessen am fairen Wert hat sich der Franken zum Euro seit 2002 um 20 Prozent verteuert, wie Maurer berechnet hat. Ursächlich dafür sind die genannten fundamentalen Kräfte.

Dass diese Frankengeissel die hiesige Wirtschaft nicht zum Stillstand gebracht hat, mag erstaunen. Schliesslich bedeutet die Aufwertung eine ständige Verschlechterung der Wettbewerbsposition. Doch so günstig wie das Bild für die Gesamtwirtschaft aussieht, ist es bei einer näheren Betrachtung der einzelnen Industriezweige bei weitem nicht. Um die branchenbezogene Wirkung der Wechselkursentwicklung zu berücksichtigen, hat Maurer sein Fair-Value-Modell um die Preisentwicklung (Produzentenpreise) in den einzelnen Wirtschaftszweigen ergänzt. Daraus lässt sich erkennen, dass die Überbewertung des Frankens für die meisten Industriezweige deutlich stärker ist als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. So ist der Franken beim aktuellen Wechselkurs gemessen am Fair-Value-Euro-Frankenkurs für die Textil-, Druck- und Kunststoffindustrie um bis zu 40 Prozent überbewertet. In der Elektro-, Papier-, Maschinen-, Metallprodukte- und Lebensmittelindustrie beträgt die Überbewertung bis zu 20 Prozent, während für die Pharma-, Chemie- und Metallindustrie nur eine leichte oder gar keine Überbewertung festgestellt wird.

Verständliche Währungspolitik der SNB

Nur die letztgenannten Branchen spüren den Franken im Europageschäft also kaum als Wettbewerbsnachteil. Für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz reicht es nicht aus, wenn sich nur einige Vorzeigebranchen wie die Pharmaindustrie gegen die Aufwertungstendenz immunisieren können. Umso weniger, als diese Branchen nur einen relativ geringen Anteil an der Gesamtbeschäftigung haben.

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, weshalb die SNB den Wechselkurs scharf im Auge behält. Kaum verhindern kann das Noteninstitut allerdings, dass der Franken die Spezialisierung der Wirtschaft immer weiter vorantreibt. Die zunehmende Spezialisierung ist allerdings auch ein Risiko. Hat ein Land seine Spezialisierungsgewinne einmal ausgeschöpft und wird zu einem Wechsel gezwungen, kann dies sehr teuer werden. Länder wie Grossbritannien oder Belgien, die unter anderem den Wegzug der europäischen Stahlindustrie verkraften mussten, können bis heute ein Lied davon singen.

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