Zuger Fonds will 50 Millionen Franken in Start-ups investieren

Erfolgreiche Start-up-Gründer bauen Fonds auf, um neue Gründergenerationen zu fördern. In Zug geht jetzt ein neuer Fonds an den Start.

Christopher Gilb
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Wollen mit ihrem Zuger Fonds Start-ups unterstützen: Daniel Andres (links) und Teddy Amberg.

Wollen mit ihrem Zuger Fonds Start-ups unterstützen: Daniel Andres (links) und Teddy Amberg.

Bild: Eveline Beerkircher

Teddy Amberg und Daniel Andres sind erst 38 Jahre jung, aber schon alte Hasen im Geschäft. Als Unternehmer haben sie Firmen gegründet und mitaufgebaut. So etwa das Schweizer Fintech-Start-up CreditGate24 – die mittlerweile grösste Schweizer Plattform für Kreditvergaben zwischen Privatpersonen.

Mit ihrer Firma Spicehaus Partners mit Sitz in Zug investieren die beiden nun selber in Start-ups. Schon zuvor waren sie an einigen der grössten Exits beteiligt: Movu (gekauft von Bâloise) und Bexio (gekauft von Mobiliar). «Das lief immer Deal für Deal», sagt Daniel Andres. «Wir sahen etwas Spannendes und gingen dann unser Netzwerk an.» Doch gebe es bei diesem Vorgehen viele Unsicherheiten. Es gab immer viele Fragen zu klären: «Wer macht mit, wie viel Geld kommt zusammen und vor allem bis wann.»

Zwischen Startkapital und Wachstumsphase

Die beiden haben deshalb jetzt den Spicehaus Swiss Venture Fonds lanciert, der aktuell mit einem zweistelligen Millionenbetrag bestückt ist. Ziel sei eine Fondsgrösse von 50 Millionen Franken. Bereits seien einige Start-ups in der näheren Auswahl, Investitionen seien aber noch keine getätigt worden, sagt Daniel Andres. Investiert werden soll in Schweizer Technologie-Start-ups, die im Bereich Digitalisierung in den Sektoren Banken und Versicherungen, Immobilien, Personalwesen sowie Aus- und Weiterbildung aktiv sind.

«Vieles, was in diesen Sektoren heute noch von Hand gemacht wird, wird morgen digitalisiert», so Andres. So sei es heute noch undenkbar, in den Banken auf Excel-Tabellen zu verzichten und die Kommunikation zwischen Verwaltung und Mietern finde oft noch nicht per App statt. «Für Schweizer Start-ups», so Andres, «sei es häufig am Anfang einfach, bei Freunden und Familienmitgliedern erstes Startkapital zu sammeln. Und sobald eine Firma hohe Umsätze erziele und stark wachse, würden ausländische Investoren oder Grosskonzerne für weitere Finanzierungsrunden bereitstehen. «Dazwischen besteht jedoch eine Lücke, die wir mit unserem Fonds schliessen wollen.» Die Start-ups, die der Fonds unterstütze, hätten also ein funktionierendes Produkt und ein Team, müssten nun aber Wachstum generieren. Da helfe der Fonds.

Investitionen 
in Start-ups

Die Bezeichnung Venture-Capital-Fonds kann mit Risiko-/(Chancen-)Kapital übersetzt werden. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine Investmentform, bei der für Investoren ein gewisses Risiko besteht, ihr Geld ganz oder zu grossen Teilen zu verlieren. Mit einer Investition in einen Venture-Capital-Fonds kann jedoch aufgrund der Diversifikation das Risiko deutlich reduziert werden. Venture Capital stellt kein Kredit dar, sondern ist eine Form der «Entwicklungshilfe» für eine Geschäftsidee oder ein fortgeschrittenes Projekt. Zur Finanzierung werden Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Finanzierungsinstrumente eingesetzt. Venture Capital im engeren Sinne ist eine Form von Private Equity; es wird an meist junge, innovative und nicht börsenkotierte Firmen mit Entwicklungs- und Wachstumspotenzial vergeben. (cg)

Mehr Jungfirmen, mehr Kapital

Derzeit entstehen in der Schweiz viele solche Fonds. So ist kürzlich in Zürich der Wingman Ventures Fonds mit 60 Millionen Franken lanciert worden. Auch dieser wird von erfolgreichen Unternehmern wie Pascal Mathis (Get­yourguide) und Lukas Weder (Eat.ch) geführt. Dritter im Bunde ist Alex Stöckl von der Restaurantgruppe Gärtnerei. Eine der massgeblichen finanziellen Kräfte hinter Wingman Ventures ist der Schweizer Industrielle Michael Pieper. Zu den Investoren gehört unter anderem auch Roland Brack, Gründer des gleichnamigen Onlinehändlers mit Logistiksitz in Willisau. Die Schweiz habe trotz führender Hochschulen und ausgezeichneter Ingenieurausbildung erst wenige «Unicorns» hervorgebracht, sagte Pascal Mathis kürzlich der «Handelszeitung»: «Das wollen wir ändern.»

«Unicorns» oder Einhörner sind Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar oder Franken. Daniel Andres von Spicehaus sieht sich nicht als «Einhorn-Jäger», wenn aber der Zuger Fonds dabei helfen könne, ein weiteres hervorzubringen, sei das sicher nicht schlecht, so Andres. Spicehaus-Investoren sind vor allem Family Offices. «Viele Unternehmer finden es toll, heimische Start-ups zu unterstützen», sagt Andres. Auch weil deren Gründer oft schon erfahren seien und nicht aus einem finanziellen Notstand handeln würden.

Dass Investitionen in Schweizer Start-ups zunehmen, beobachtet auch Stefan Kyora, Chefredaktor der in Luzern ansässigen Plattform Startupticker.ch. «Es ist deutlich mehr Geld vorhanden als vor zehn Jahren», sagt er. Zudem entwickle sich eine Art Ökosystem. «Erfolgreiche Gründer der ersten Generation haben ihre Start-ups verkauft und unterstützen jetzt mit Know-how und Geld die aktuelle Gründergeneration.» Kyora gibt aber zu bedenken, dass es heute auch viel mehr Start-ups als früher gebe. «Wir haben zirka 300 Neugründungen pro Jahr.» Entsprechend sei auch der Konkurrenzkampf grösser. An Geld zu kommen, sei für die einzelnen Start-ups nicht unbedingt leichter geworden. Auch seien die ganz grossen Töpfe bei den Venture-Fonds noch nicht dabei. «Pensionskassen stehen beispielsweise häufig noch abseits. Das wäre dann der nächste Schritt.»

Schneider-Ammanns Fonds für Pensionskassen

Weit grösser als die eingangs beschriebenen Venture-Fonds ist der Swiss Entrepreneurs Fund, hinter dem die Swiss Entrepreneurs Foundation steht, die auf eine Initiative von alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann zurückgeht. Stifterinnen sind unter anderem die Mobiliar und die Grossbanken UBS und Credit Suisse. In diesen Fonds investieren nun vorwiegend Pensionskassen. Der Fonds tätigt unter anderem Direktinvestitionen in der Wachstumsphase mit einem Finanzbedarf zwischen 5 bis 20 Millionen Franken. Seit dem Start der Investitionsphase im September seien zwei Investments in andere Fonds (Fund of Funds) und zwei Direktinvestitionen getätigt worden, heisst es auf Nachfrage. Eine davon in die Firma Skycell mit Sitz in Zug. Noch in diesem Jahr werde dann eine Fondsgrösse von mindestens 250 Millionen Franken erreicht. Zielgrösse ist ein Kapital von 500 Millionen Franken.

Nebst dem Fonds hat die Stiftung aber auch ein Wachstumsprogramm lanciert. 50 erfahrene Experten und Unternehmer unterstützen ausgewählte Firmen dabei, schnell zu wachsen und auf die internationalen Märkte zu expandieren.