Das Gericht, das Nestlé den Appetit verdirbt

Nach einem Urteil der niederländischen Justiz zu einem Markenstreit reagiert der Schweizer Nahrungsmittelriese

Benjamin Weinmann, Genf
Drucken
Teilen

Die Sache ist zwar fleischlos, aber Wunden lecken muss Nestlé trotzdem. Der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern hat vor dem Den Haager Bezirksgericht einen Rechtsstreit verloren. Dabei geht es um die Namensrechte seines «Incredible Burgers», dessen Rezeptur ohne Fleisch auskommt, aber dennoch wie Fleisch schmecken soll.

Das Problem aus Sicht des Gerichts: Nestlé habe den Namen seiner Fleisch-Alternative mit Absicht so getauft, dass der Name an jenen des US-Konzerns «Impossible Foods» mit seinem «Impossible Burger» erinnere. Die Kunden würden so verwirrt und es könne zu einer Verwechslung für sie kommen. Komme hinzu, dass für den US-Konkurrenten der Markteintritt in Europa damit erschwert würde.

«Impossible Foods» wurde vor acht Jahren gegründet und verkauft seine veganen Fleisch-­Alternativen unter ­anderem in der US-Fast-Food-Kette Burger King.

Aus «incredible» wird bald «sensational»

Laut Medienberichten hat das niederländische Gericht gegen Nestlé eine einstweilige Verfügung ausgesprochen. Demnach hat der Konzern nun vier Wochen Zeit, um seine pflanzlichen Burger aus dem Verkauf zu ziehen.

Das schmeckt den Waadtländern hingegen nicht: «Wir sind der Ansicht, dass jeder in der Lage sein sollte, beschreibende Begriffe wie ‹incredible› zu verwenden, um die Eigenschaften eines Produkts anzupreisen», sagt eine Nestlé-Sprecherin zum Urteil. Man werde den Weisungen des Gerichts folgen, aber gleichzeitig Berufung einlegen. Allerdings hat Nestlé bereits umdisponiert: So solle demnächst eine neue Version des Burgers lanciert werden. Dieser ist und heisst dann nicht mehr «incredible», also unglaublich, sondern «sensational» – sensationell. Auch für alle anderen Produkte der veganen Linie werde dieser Name künftig in der EU und in der Schweiz angewandt.

Veganer Speck und Käse: Nichts ist unmöglich

Nestlé-Chef Mark Schneider hat die veganen Fleisch-Alternativen mit seiner Marke «Garden Gourmet» zum grossen Wachstumsmarkt auserkoren. Zu den Burgern, die in Tschechien produziert werden, gesellen sich auch vegane Käsescheiben und Speckstreifen, mit denen Nestlé Fast-Food-Ketten und Supermarkt-Kunden überzeugen will. McDonald’s gehört mittlerweile bereits zu den Kunden.