Das Geschäft mit Feuerwerk gerät unter Druck – Luzerner Hersteller kontert die Kritik

Die Migros zieht sich langsam aus dem Feuerwerkverkauf zurück. Darunter leidet der Produzent Bugano. Andere Händler wie Coop, Aldi, Lidl und Landi halten daran fest.

Maurizio Minetti
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Toni Bussmann, Inhaber des Feuerwerkherstellers Bugano, im Showroom in Neudorf.

Toni Bussmann, Inhaber des Feuerwerkherstellers Bugano, im Showroom in Neudorf.

Manuela Jans-Koch (30. Dezember 2019)

Wenn am 1. Januar das Neujahrsfeuerwerk den Himmel über dem Luzerner Seebecken erleuchtet, wird es eine Premiere geben. Zum ersten Mal wird der von fünf Hotels durchgeführte «Neujahrszauber» klimaneutral sein. Um den CO2-Ausstoss des Feuerwerks zu kompensieren, benutzen die Organisatoren die Plattform Myclimate. Diese berechnet CO2-Emissionen und wandelt sie in Spenden für Klimaprojekte um.

Ob sich damit Kritiker besänftigen lassen, bleibt dahingestellt. Denn seit geraumer Zeit stehen Feuerwerke auf der Abschussliste: Zu laut für Mensch und Tier, schädlich für die Umwelt und überhaupt zu gefährlich, lauten die gängigen Vorwürfe.

Bugano-Belegschaft ist halbiert worden

Toni Bussmann kann diese Kritik nicht verstehen. Der 70-Jährige ist Inhaber des Feuerwerkherstellers Bugano mit Sitz in Neudorf bei Beromünster. Er beliefert auch den «Neujahrszauber» mit Feuerwerk. Die Kritik kontert Bussmann so: «Wer Feuerwerk wegen Klimabedenken abschaffen will, schiesst mit Kanonen auf Spatzen. Innerhalb von zwei Stunden sind die Schadstoffbelastungen in der Luft abgebaut, da gibt es viel Schlimmeres für die Umwelt.» Bussmann betont, dass Bugano viel unternommen habe, um die Produktion zu optimieren. So wurden unter anderem in den Produktionshallen alle Ölheizungen durch Erdsondenheizungen ersetzt. Viel mehr machen könne er aus klimatechnischer Sicht nicht: «Es ist nun mal so, dass wir Naturstoffe wie Holzkohle, Schwefel und Salpeter brauchen, um Feuerwerk zu produzieren – es gibt keine Alternative.»

Schon vor dem 1. August dieses Jahres war Bussmann mit Widerstand konfrontiert. Hart getroffen hat Bugano der Entscheid der Migros, sich aus dem Handel mit Feuerwerk zurückzuziehen. Ein Migros-Sprecher bestätigt auf Anfrage, dass bis auf vereinzelte Filialen der Genossenschaft Wallis «keine Genossenschaft zu Silvester Feuerwerk verkauft».

Ob dieser Entscheid auch für den kommenden 1. August gilt, ist noch unklar. Migros Luzern, Migros Aare, Migros Ostschweiz, Migros Basel und Migros Zürich verzichten auf jeden Fall auch künftig auf einen Feuerwerkverkauf. Die restlichen Genossenschaften werden nächstes Jahr über das weitere Vorgehen entscheiden. «Mit dem Verkaufsverzicht möchten wir einen Teil zur Entlastung von Mensch, Tier und Umwelt beitragen», sagt dazu ein Sprecher der Migros Luzern. Man verzichte auf einen gewissen Umsatz, habe jedoch «sehr viele positive Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden auf den Verkaufsstopp», so der Migros-Luzern-Sprecher.

«Die Migros war bislang unser grösster Kunde», sagt Bussmann. Der Rückzug habe innerhalb eines Jahres zu einem «spürbaren Umsatzrückgang» beim 1987 gegründeten Unternehmen geführt. Die Belegschaft sei von ursprünglich fast 40 Personen mittlerweile auf 20 geschrumpft. Der nach eigenen Angaben grösste Schweizer Feuerwerkhersteller denkt aber nicht daran, das Geschäft aufzugeben: «Ich kann ja nicht plötzlich anfangen, Schokolade zu produzieren», sagt Bussmann.

Mit ihrem Entscheid ist die Migros nicht alleine. Otto’s aus Sursee verkauft bereits seit über 20 Jahren kein Feuerwerk mehr. Auch Denner und Volg verzichten seit gut einem Jahrzehnt dar­auf. Die Baumarktkette Obi Schweiz schreibt auf Anfrage unserer Zeitung, man verkaufe dieses Jahr kein Feuerwerk.

Nachfrage in der Schweiz bleibt stabil

Trotzdem ist der Feuerwerkverbrauch in der Schweiz in den letzten Jahren «sehr stabil geblieben», wie Urs Corradini sagt. Er ist Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk. «Lediglich im Trockenjahr 2018 gab es einen dramatischen Einbruch, da die grosse Trockenheit und die damit verbundenen Feuer- und Feuerwerkverbote in den meisten Kantonen der Schweiz dazu geführt haben, dass am 1. August praktisch kein Feuerwerk verkauft und verwendet wurde.» In der Schweiz werden jährlich rund 1700 Tonnen pyrotechnische Gegenstände oder Feuerwerkkörper verbraucht. Rund zwei Drittel dieser Menge entfallen auf den 1. August und rund ein Drittel auf Silvester.

Wie Bussmann sagt auch Corradini, Feuerwerk sei keine relevante Quelle für CO2 und somit auch kein Klimakiller. «Was kurzfristig zu mehr Umweltbelastungen führt – vor allem bei Grossfeuerwerken – ist der Feinstaub. Hier kann es beim Abbrennen von Feuerwerk zu kurzfristigen und örtlichen Spitzen kommen, die sich aber wieder sehr schnell abbauen», sagt Corradini. «Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten solche Orte meiden.»

Coop, Aldi, Lidl und Landi verkaufen weiterhin

Von einer stabilen Nachfrage berichtet auch der Detailhändler Coop, der weiterhin Feuerwerk verkauft. «Als Vollsortimenter bieten wir unseren Kundinnen und Kunden die Wahlfreiheit», sagt eine Sprecherin. Umweltüberlegungen würden bei Coop aber grundsätzlich eine wichtige Rolle spielen. So hat sich Coop das Ziel gesetzt, bis 2023 CO2-­neutral zu sein.

Auch andere grosse Handelsketten wie Aldi oder die zum Agrarkonzern Fenaco gehörenden Landi-Läden verkaufen weiterhin Feuerwerk. «Mit den Verkaufszahlen unserer Feuerwerkartikel sind wir zufrieden. Das Bedürfnis unserer Kundinnen und Kunden, an Neujahr Feuerwerk zu verwenden, ist nach wie vor gross», sagt zum Beispiel der Aldi-Sprecher. Lidl verkauft Feuerwerk nur in der Deutschschweiz und nur in einigen Filialen.

Daneben gibt es zahlreiche kleinere Direktverkäufer, die weiterhin gute Geschäfte machen. Einer von ihnen ist der Surseer Feuerwerk-Handel.ch. Geschäftsführer Elias Hodel räumt zwar ein, dass der Umsatz leicht rückläufig ist. «Ob dies jedoch dem Hintergrund Tierschutz und Klimadebatte zuzuschreiben ist, können wir nicht sagen.» Er verweist auch auf das verdichtete Bauen, das dazu führe, dass die Zahl der Zündplätze abnehme. Grundsätzlich, sagt Hodel, sähen viele Leute Feuerwerk nach wie vor als Ausdruck von Lebensfreude: «Die Menschen geniessen die schönen Bouquets im Nachthimmel.»

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