Energieverbrauch
Das iPhone frisst mehr Strom als ein Kühlschrank

Ein iPhone verbraucht im Jahr zehn Prozent mehr Elektrizität als ein Kühlschrank. Das behauptet jetzt eine Studie. Der Autor sieht deswegen bereits Konsequenzen für die Umwelt. Zur Elektrizitätsgewinnung werde man auf Kohle zurückgreifen müssen.

John Dyer
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So steht es in einer Studie von Mark Mills unter dem Titel «Die Cloud beginnt mit Kohle». Mills bezieht sich auf die sogenannte Datenwolke, in der Internetnutzer extern auf fremden Servern ihre Daten speichern. Mills geht davon aus, dass der Welt aufgrund des immer weiter wachsenden Energiebedarfs der modernen Kommunikationsmittel gar nichts anderes übrig bleiben wird, als zur Elektrizitätsgewinnung auf die allseits verfügbare und billige Kohle zurückzugreifen.

«Die Dominanz der Kohle rührt aus der Bedeutung her, die Kosten niedrig zu halten, während man immer grössere Mengen an Energie für die wachsenden Wirtschaften bereitstellen muss, wie die IEA (Internationale Energie-Agentur) kürzlich feststellte, und aus dem Fehlen kosteneffizienter Alternativen im Ausmass, das die Welt braucht», schreibt Mills, der auch am Manhattan-Institut in New York mitarbeitet. Seine Veröffentlichungen werden meist als marktradikal angesehen. Kritiker sehen die Studie von Mills als Auftragsarbeit des Nationalen Bergbauverbandes und des Verbandes Amerikanischer Zusammenschluss für Elektrizität aus sauberer Kohle.

Dennoch gibt die Studie eine Menge Anlass zum Nachdenken. Rund 40 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs werden laut Internationaler Energie-Agentur aus Kohle gewonnen. «Die Informationswirtschaft ist wie ein Blauwal. Der Energieverbrauch ist zumeist nicht sichtbar», schreibt Mills. Als Beispiel nimmt er einen herkömmlichen mittleren Kühlschrank. Der verbrauche rund 322 Kilowattstunden an Strom pro Jahr. Und sein Besitzer ist sich dessen bewusst. Nicht bewusst sei den meisten, dass ihr iPhone rund 361 Kilowattstunden jährlich verbraucht.

1500 Terawatt-Stunden

Das weltweit miteinander verbundene Netz von Servern, Smartphones und anderen Apparaten, das seine Daten in der «Cloud» abspeichere, verbraucht laut der Mills-Studie im Jahr rund 1500 Terawatt-Stunden an Elektrizität. Das sind zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs oder so viel wie die Industriestaaten Deutschland und Japan produzieren. Die zehn Prozent heute entsprechen der gesamten Elektrizitätsproduktion des Jahres 1985.

Der Energieverbrauch der modernen Kommunikation stelle den Umweltschützern auch eine Reihe moralischer Fragen, schreibt Mills. So sei die Herstellung einer DVD, das Brennen eines Films darauf und der Versand an einen Nutzer energieeffizienter als denselben Film über «streaming» aus dem Netz anzusehen. Zusammengerechnet eine Woche Video-Streaming verbrauche so viel Strom wie zwei Kühlschränke im Jahr.

Die Energieeffizienz der meisten elektronischen Apparate habe sich seit 2005 nicht mehr verbessert. Die Technikentwickler müssten sich deshalb künftig wohl zwischen verlängerter Batteriedauer und schnelleren Smartphones entscheiden. Mills verweist auch darauf, dass Server, Mobiltelefone und Computer ständig eingeschaltet seien, was entsprechend Energie aus dem Stromnetz absauge.

Übertriebene Zahlen?

Katie Fehrenbacher, Redakteurin beim Online-Magazin «GigaOM», hat in einer Art Erwiderung Mills Aussagen über den Stromverbrauch des Telekommunikationsnetzes als übertrieben bezeichnet. Er habe bei seiner Befürwortung der Kohleverstromung die Elektrizitätsgewinnung aus Erdgas und die Bemühungen der Industrie um Senkung des Stromverbrauchs der Geräte ausser Acht gelassen.

Auch sei er nicht auf den Klimawandel und die Umweltverschmutzung durch Kohleverstromung eingegangen. Viele Internet-Firmen nutzten auch längst sauberen Strom aus erneuerbaren Quellen. So werden die Serverzentren von Apple auf diese Weise mit Strom versorgt. Und auch Google beziehe seinen Strom zu mehr als einem Drittel aus erneuerbaren Quellen.

Mills hält sich weniger mit Einzelbeispielen auf, sondern sieht das Gesamtbild. Der weltweite Internet-Verkehr in einer Stunde werde bald grösser sein als das gesamte Volumen im Jahr 2000, schreibt er. Die Zahl der Cloud-Nutzer werde von rund 43 Millionen im Jahr 2008 auf fast eine Milliarde im kommenden Jahr wachsen. All das benötige Elektrizität. Und nur eine Quelle kann die liefern, meint Mills: die Kohle.