Konjunktur
Das «Lädele» hält die Schweizer Wirtschaft weiter auf Kurs

«Wir spüren eine deutliche Konsumlust. Im ersten Halbjahr konnten wir die Stammkundenbasis gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 925000 Mitglieder steigern», sagt Thomas Herbert, CEO der Modegruppe Schild. Er ist nicht der einzige.

Franz Schaible
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«Die Kauflust nimmt immer dann sprunghaft zu, wenn neue Produkte auf den Markt kommen», erklärt Andrea Bergmann, Sprecherin der Unterhaltungselektronikkette Interdiscount. «Wir konnten im laufenden Jahr wesentlich mehr Kunden bedienen. Der Umsatz ist in einem rückläufigen Gesamtmarkt um 0,7 Prozent gestiegen», meldet Sylvie Merlo, Sprecherin der Möbel-Pfister-Gruppe.

Die Kurzumfrage an der Verkaufsfront bestätigt den generellen Befund der Konjunkturexperten. Der private Konsum – er liefert rund 60 Prozent an das Bruttoinlandprodukt – wächst stabil und bleibt eine wichtige Stütze der Schweizer Wirtschaft; im laufenden wie im kommenden Jahr. Schild-Chef Herbert beobachtet denn auch bei den Konsumenten «kein Engerschnallen des Gürtels». Er erwartet auch für 2013 eine positive Umsatzentwicklung. Etwas vorsichtiger gibt sich Sylvie Merlo von Pfister, wenn sie von «leicht positiven Indikatoren» spricht. Sie hebt aber hervor, dass das erwähnte Umsatzplus in den ersten sechs Monaten trotz Preisnachlässen erzielt worden sei. Für Interdiscount bleibt der Privatkonsum robust. Allerdings mache die gegenwärtige Wirtschaftslage «die Kunden preissensibler».

Diese Aussagen kontrastieren mit dem gestern publizierten Konsumindikator der UBS für den Monat August. Er fiel nämlich deutlich von 1,48 auf 1,03 Punkte zurück. Der Vorlaufindikator versucht, jeweils mit einem Vorlauf von drei Monaten die Entwicklung des Privatkonsums in der Schweiz anzuzeigen (siehe Kasten).

Kein Alarm, sondern...

Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz, will den Absturz nicht dramatisieren. Schliesslich signalisiere der Indikator immer noch ein Wachstum und keinen Rückgang des Privatkonsums. «Es wäre gefährlich, vom Indikatorverlauf im August auf einen rückläufigen Konsumtrend zu schliessen.» Dazu müsse man die Entwicklung in den kommenden Monaten abwarten. Deshalb sieht Kalt auch keinen Widerspruch zu den doch optimistischen Prognosen für den Privatkonsum. So rechnet die UBS selbst aktuell für 2012 mit einem Wachstum des Privatkonsums von 2,3 Prozent und für 2013 mit 1,7 Prozent.

...erst ein Warnschuss

Kalt spricht vielmehr von «einem Warnschuss, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen». Die Verunsicherung wegen der wirtschaftlichen Entwicklung im Umfeld der Schweiz, namentlich die Krise im Euroland, nehme zu. Falls sich beispielsweise die Exportwirtschaft weiterhin schwertue, schlage das früher oder später auf den Arbeitsmarkt durch und letztlich auf den Konsum. Bislang entfalte der Arbeitsmarkt eine grosse Sogwirkung für ausländische Arbeitskräfte. «Die starke Zuwanderung wirkt wie ein Puffer vor einem Einbruch des Privatkonsums.» Deshalb sei entscheidend, wie sich der Zustrom aus dem Ausland entwickle. «Trotz des rückläufigen Konsumindikators dürfte der Privatkonsum aber weiterhin robust wachsen und eine wichtige Stütze der Konjunktur darstellen», hält Daniel Kalt als Fazit fest.

Detailhandel gut unterwegs

Ein Blick zurück zeigt, dass auf die Binnenwirtschaft Verlass ist. Selbst im Krisenjahr 2009 wurden in der Schweiz 1,9 Prozent mehr Güter und Dienstleistungen konsumiert als im Vorjahr. In den Folgejahren waren es 1,6 und 1,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2012 rund 2,5 Prozent mehr. Auch die realen Detailhandelsumsätze zeigen keinen Konsumeinbruch an. Letztmals waren sie in der Krise 2002/03 rückläufig, seither sind sie stetig gewachsen. Im ersten Halbjahr 2012 gar um 4,1 Prozent.