Sattes Plus
Das sind die Profiteure des warmen Winters

Milde Temperaturen bescheren nicht nur den Schifffahrtsgesellschaften Traumzahlen. Auch andere Branchen wie der Gartenbau und die Velomechaniker freuen sich.

Sabina Galbiati und Thomas Schlittler
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Das sind die Profiteure des milden Wetters
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 Der Gartenbau hat mehr zu tun
 Beim Baumarkt OBI heisst es: «Die Zahlen von Gartenhartwaren und Balkonpflanzen zeigen eine gute Entwicklung»
 Die Velomechaniker haben mehr zu tun, weil die Leute ihre Fahrräder nicht wie sonst den ganzen Winter in der Garage verstauen, sondern benutzen und verschleissen.

Das sind die Profiteure des milden Wetters

zvg

Fand der Frühling 2013 kaum statt, so ist es in diesem Jahr der Winter, der fast verloren ging. Für die Skiliftbetreiber hat das Umsatzeinbussen zur Folge. Anderen Branchen beschert das milde Wetter dagegen Traumzahlen. Zu den grossen Gewinnern zählen die Schifffahrtsgesellschaften. So verzeichnet die Flotte des Vierwaldstättersees ein sattes Passagier-Plus von 35 Prozent.

Zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 machten knapp 128 000 Personen eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee; in der gleichen Periode 2014 waren es rund 173 000. Die Schiffe des Zürichsees lockten seit dem ersten Januar bis zum letzten Sonntag 93 000 Gäste auf den See. Das sind 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2013. Auch auf dem Genfersee verzeichnet man zwischen November und Februar ein Plus von immerhin 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die übliche Nebelsuppe blieb aus

Die Schifffahrtsgesellschaften profitieren jedoch nicht nur von warmen Temperaturen, sondern auch von einer klaren Sicht. «In der Region des Vierwaldstättersees hat es viele nebelfreie Tage gegeben», sagt Werner Lüönd von der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee. Conny Hürlimann, Marketingleiterin der Zürichsee Schifffahrtgesellschaft, sieht in den Zahlen einen allgemeinen Trend: «Zwar steigen unsere Passagierzahlen mit dem guten Winterwetter, aber die Winterschifffahrt ist bei den Leuten immer beliebter.»

Die Gäste würden die Ruhe und die Attraktivität einer winterlichen Fahrt mit dem Schiff schätzen, sagt sie. Entsprechend hat beispielsweise die Vierwaldstättersee Schifffahrtsgesellschaft ihr Winterangebot aufgerüstet. «Die kulinarischen Themenfahrten um die Weihnachtszeit haben ebenfalls einen Teil zu den guten Zahlen beigetragen», sagt Lüönd.

«Deutlich besser gestartet»

Eine andere Freizeitbranche, die vom frühlingshaften Winter profitiert, ist der Gartenbau. Bei der Wyss Samen und Pflanzen AG, die in der Deutschschweiz sieben Filialen hat, setzte das Geschäft wesentlich früher ein als im vergangenen Jahr. «Wir sind dank des frühen Frühlings in all unseren Filialen deutlich besser gestartet als letztes Jahr», sagt Hans Walter Müller, Bereichsleiter Detailhandel des Unternehmens. 2013 habe der Frühling kaum stattgefunden. «Dieses Jahr deckten sich die Leute bereits in der letzten Februarwoche mit Gartengeräten und Frühlingsblumen ein.»

So früh seien in durchschnittlichen Jahren nur die beiden Basler Filialen in Muttenz und Oberwil dran. «Dort steigen die Temperaturen etwas früher im Vergleich zu den anderen Standorten, wie Bern, Aarau, Zuchwil oder Volketswil.» Für konkrete Zahlen sei es allerdings noch zu früh.

Auch beim Baumarkt OBI, der in der Schweiz von der Migros geführt wird, heisst es, «die Zahlen von Gartenhartwaren und Balkonpflanzen zeigen eine gute Entwicklung». Und bei Coop Bau und Hobby seien derzeit die typischen Frühlingsboten Primeli und Vergissmeinnicht gefragt sowie Gartenzubehör oder kleine Treibhäuser.

Velomechaniker flicken mehr

Auch die Velomechaniker profitieren vom milden Winterwetter. Sie haben mehr zu tun, weil die Leute ihre Fahrräder nicht wie sonst den ganzen Winter in der Garage verstauen, sondern benutzen und verschleissen. «Die Werkstätten waren zwar auch in diesem Winter nicht voll ausgelastet, aber wir hatten mehr Aufträge als in früheren Jahren», sagt Jürg Minder, Vizepräsident des Branchenverbands 2rad Schweiz.