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Topgehälter bei Schweizer Konzernen:
Das UBS-Dilemma hat System

Für den Milliarden-Prozess in Frankreich zahlen einmal mehr die Aktionäre. Aber welchen Beitrag leisten die Manager? Die Debatte um die Rechtmässigkeit von Millionengehältern in den Chefetagen wird neu entfacht.
Daniel Zulauf
Trotz Rekordbusse: Sergio Ermottis Lohn bleibt wohl üppig. (Bild: Qilai Shen/Bloomberg, Schanghai, 8. Januar 2018)

Trotz Rekordbusse: Sergio Ermottis Lohn bleibt wohl üppig. (Bild: Qilai Shen/Bloomberg, Schanghai, 8. Januar 2018)

Den Reingewinn auf 4,9 Milliarden verfünffacht, mehr Dividende, ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm und die üblichen Millionengehälter für das Management und den Verwaltungsrat: Die UBS hatte das Drehbuch längst geschrieben, als Christine Mée, die vorsitzende Richterin am Tribunal de Grande Instance in Paris, am Mittwoch vergangener Woche das spektakuläre Verdikt des Gerichtes bekannt gegeben hatte.

3,7 Milliarden Euro Busse zuzüglich Schadenersatz von 800 Millionen Euro, soviel soll die Schweizer Grossbank zahlen, weil sie sich schuldig gemacht habe, Steuerpflichtige in der Umgehung des Fiskus anzuleiten. Zwar handelt es sich bei dem Schuldspruch um ein erstinstanzliches Urteil, das die Bank noch zweimal anfechten kann. Doch die vom Gericht geforderten Straf- und Wiedergutmachungszahlungen sind ein Fakt, der das Drehbuch zur Makulatur werden lässt, mit dem die UBS-Führung am 2. Mai vor die Aktionäre treten wollte.

Nur Roche-Chef Schwan verdient mehr als Ermotti

Die zum Jahresende ausgewiesenen Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Auflagen belaufen sich gerade mal auf 2,4 Milliarden Franken. Das ist bei weitem nicht genug, um die Prozessrisiken in Frankreich abzubilden. Den zusätzlichen Rückstellungsbedarf wird die Bank also nicht weiter ignorieren können und sie wird möglicherweise noch zu Lasten des alten Geschäftsjahres einen Milliardenbetrag zur Seite legen müssen. Das ist der Hintergrund, weshalb die UBS die auf Freitag terminierte Veröffentlichung ihres Geschäftsberichtes um zwei Wochen verschoben hat.

Der Verwaltungsrat steckt im altbekannten Dilemma: Wer soll für den Schaden bezahlen? Die Aktionäre haben ihre Rechnung bereits präsentiert erhalten. Der Aktienkurs, der am 22. Januar, nach Vorlage des Jahresergebnisses, noch bei 13 Franken gestanden hatte, notiert inzwischen 2 Prozent tiefer. An der Börse hat die UBS damit eine Milliarde an Wert verloren. Zur Wochenmitte hatte der Verlust sogar über 5 Milliarden Franken betragen. Für gravierende Fehlleistungen müsste eigentlich der oberste Chef geradestehen. Doch Sergio Ermotti wurde erst im November 2011 zum CEO ernannt. Die vom Pariser Gericht untersuchten Steuerbetrugsfälle beziehen sich aber auf die Zeit von 2004 bis Ende 2011. Bleibt der Tessiner unbehelligt, ginge er wohl auch 2018 als Topverdiener in die Statistik ein. 2017 hatte er 14,2 Millionen Franken erhalten – nur Roche-Chef Severin Schwan bekam noch ein paar Hunderttausend Franken mehr. Die UBS im Elend und Ermotti auf dem Podest – zehn Jahre nach der Staatsrettung, kann sich die UBS die Aussendung eines solchen Signals kaum leisten.

Aber wer sollte den Kopf denn sonst hinhalten? Auch Präsident Axel Weber stand 2017 mit seinen Honoraren und Tantiemen im Gesamtbetrag von über 6 Millionen Franken auf dem Podest der höchstbezahlten Verwaltungsräte im Land. Doch auch er kam erst nach der Steueraffäre. Vielleicht wäre Chefjurist Markus Diethelm ein Kandidat für die Opferrolle. Oder sollten vielleicht Oswald Grübel und Kaspar Villiger zur Verantwortung gezogen werden, die sich zu einem Zeitpunkt vor den UBS-Karren spannen liessen, als sich alle anderen profilierten Persönlichkeiten vor diesem Job drückten? Und überhaupt, wie sollte diese Verantwortung rückwirkend eingefordert werden?

Der frühere UBS-Chef Peter Wuffli, der das Schlamassel im amerikanischen Hypotheken-Geschäft wesentlich mitverantwortet hatte, liess sich ein Jahr später zwar dazu bewegen, auf einen Lohnanteil von 12 Millionen Franken zu verzichten, der im arbeitsrechtlich zugestanden hätte. Auch seine damaligen Mitstreiter Stephan Haeringer und Marco Suter taten es ihm gleich. Doch geöffnet hatte das Portemonnaie nur Marcel Ospel, der einen Teil seiner in den Jahren 2003 bis 2007 in bar bezogenen Löhne und Boni im Wert von 38 Millionen Franken zurückgezahlt hat.

Auch Industriechefs langen zu

Eine unmittelbar im Anschluss an die UBS-Krise im Aktienrecht verankerte Bestimmung, nach der Gesellschaften ihre Leitungsorgane bei offensichtlichen Fehlleistungen gerichtlich zu Rückerstattungszahlungen verpflichten können, blieb wirkungslos. Auch die Anpassungen im Zug der Abzocker-Initiative vor sechs Jahren zeigten kaum Ergebnisse. Zwar kennen inzwischen viele Banken und Versicherungen in ihren Vergütungsreglementen Rückforderungs- oder sogenannte «Claw-Back»-Klauseln. Doch Vincent Kaufmann, der als Direktor der Genfer Anlagestiftung Ethos Jahr für Jahr Hunderte von Geschäftsberichten sichten lässt, kann nach eigener Aussage keinen einzigen Fall nennen, in dem eine solche Rückforderungsklausel relevante Wirkung entfaltet hat.

Dass die Cheflöhne in gewissen Branchen trotz Wettbewerb und ausgebauten Aktionärsrechten ein eigentümliches Eigenleben führen, zeigt sich im Finanzsektor besonders deutlich. Bemerkenswerte Auswüchse lassen sich freilich auch im mittelständischen Industriebereich feststellen. Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume liess sich 2018 eine Lohnerhöhung um 30 Prozent auf sage und schreibe 5,8 Millionen Franken gewähren, wobei diese immerhin im Einklang mit einer Gewinnsteigerung um 35 Prozent steht. Doch im Vergleich zu den 3,5 Millionen Franken von Georg-Fischer-Chef Yves Serra, der trotz Gewinnsteigerung (+11 Prozent) eine Lohneinbusse (-8 Prozent) hinnehmen musste, obschon er ein im längerfristigen Vergleich weit erfolgreicheres und inzwischen auch grösseres Unternehmen als Sulzer führt, lässt die Kompensation von Poux-Guillaume in einem merkwürdigen Licht erscheinen. Während das Thema der Managerlöhne in den Medien zuletzt weniger Schlagzeilen machte als in früheren Jahren bleibt es im Investorenkreis hochaktuell. Allianz Global Investors gab diese Woche seine Bilanz der letztjährigen GV-Saison bekannt. AGI nahm an weltweit 8535 Generalversammlungen teil und dort hat er im Durchschnitt jeden zweiten Vergütungsantrag abgelehnt. In der Schweiz betrug die Ablehnungsquote 32 Prozent.

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