Das vorläufige Ende des Krypto-Booms: In Zug wurden letztes Jahr weniger Firmen gegründet

Die Zahl der Firmengründungen in der Zentralschweiz hat 2019 leicht abgenommen. Am deutlichsten war der Rückgang im Kanton Zug.

Christopher Gilb
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In Zug wurden weniger Firmen gegründet.

In Zug wurden weniger Firmen gegründet.

Stefan Kaiser

«Die Schweizer Gründungsszene entwickelt sich enorm», lautet die Kernaussage einer soeben veröffentlichten Analyse des Instituts für Jungunternehmen (IFJ). Dieser zufolge erweist sich 2019 als gründungsstärkstes Jahr seit Existenz des Schweizer Handelsregisters. Insgesamt wurden 44 482 Firmen neu eingetragen, das ist eine Steigerung von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2018. Zum gleichen Fazit kommt eine Erhebung der Firmengründungsplattform Startups.ch. Neue Firmen würden im Rekordtakt gegründet.

Während die meisten Regionen entsprechend 2019 mehr Firmengründungen als im Vorjahr verzeichnen, weist jedoch die Zentralschweiz einen Rückgang bei den Gründungen von 2 Prozent auf (siehe Tabelle). Auslöser ist ausgerechnet der Kanton Zug. Während der international beliebte Wirtschaftsstandort in den Vorjahren noch mit einem Zuwachs von 16 beziehungsweise 20 Prozent glänzen konnte, ging die Zahl der Neugründungen letztes Jahr um 9 Prozent zurück. Ein deutlicher Rückgang ist auch in Obwalden zu verzeichnen, aufgrund der insgesamt geringen Anzahl Neugründungen dort ist dieser aber auf numerische Schwankungen zurückzuführen.

Krise der Kryptofirmen als Hauptgrund

Für Michele Blasucci, CEO von Startups.ch, ist der Rückgang der Gründungen in Zug Ausdruck davon, «dass die Goldgräberstimmung bei den Kryptowährungen vorbei ist». «Die internationale Szene hat gedacht, die Schweiz ist federführend in diesem Bereich und es wurden diverse Stiftungen im Crypto Valley Zug gegründet.» Doch dann habe es erste Negativbeispiele wie das Aus der Firma Envion gegeben, zudem habe sich schnell gezeigt, dass auch die Schweiz de facto nicht weiter als andere Länder sei, und die rechtlichen Anforderungen an Kryptowährungen noch nicht geklärt seien. «Mit Startups.ch nehmen wir auch Treuhandaufgaben war», so Blasucci. Und bei Kunden aus dem Kryptobereich würde teils viel Geld brachliegen, da diese wegen der unklaren Entwicklung nicht wüssten, was sie damit machen sollen. Das vorläufige Ende des Booms bekäme vor allem Zug zu spüren.

Auch Simon May vom IFJ sieht die Abflachung des Krypto-Booms als Hauptgrund für den Rückgang bei den Neueintragungen in Zug. Er sieht aber auch weitere Gründe. So sei Zug international ausgerichtet und bekäme somit auch Unsicherheiten in der Weltwirtschaft schneller zu spüren. «Zudem haben sich auch in anderen ­Regionen, beispielsweise im Waadtland rund um Hochschulen, Start-up-Cluster im Technologiebereich weiterentwickelt. Es muss im Bereich Blockchain nicht mehr nur Zug sein.» Und gerade die Steuern würden bei Neugründungen am Anfang nicht die wichtigste Rolle spielen. May rät aber dazu, die Zahlen nicht überzuinterpretieren. «Denn betrachtet man, wie viele Firmen pro Tausend Einwohner gegründet werden, liegt Zug mit 19,08 schweizweit auf Platz 2 und auch die Zentralschweiz als Region liegt mit 7,59 schweizweit auf dieser guten Position.»

Auch die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (CVP) sieht keinen Grund zur Sorge. «Ausserhalb der Neueintragungen von Firmen aus dem Blockchain-Bereich weisen wir eine sehr stabile und positive Entwicklung auf.» Im Kanton Zug habe man erwartet, dass nach dem Boom eine Normalisierung eintrete. Was die Zukunft des Crypto Valley betrifft, bleibt sie zuversichtlich. «Wenn ich mich mit Exponenten aus dem Kryptobereich unterhalte, sehen diese weiterhin grosse Chancen für ihre Branche.» Es sei wichtig, Verständnis für diese Technologie zu haben, und «nicht abzublocken». Aber natürlich müsse auch ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen entwickelt werden, gibt sie zu bedenken.