Haarentfernung
Das wachsende Geschäft: «Wir haben alles, vom Sportstar bis zum Nationalrat»

Die Haarentfernung per Wachs und Laser boomt – auch wegen Männern. Neue Ketten expandieren rasant.

Benjamin Weinmann
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Glatte Haut liegt im Trend – bei Frauen und immer mehr bei Männern.Thinkstock

Glatte Haut liegt im Trend – bei Frauen und immer mehr bei Männern.Thinkstock

Getty Images/Wavebreak Media

Während in Hipster-Kreisen seit längerem die volle Haarpracht zelebriert wird, gibt es auch eine gegenläufige Bewegung zu «Natur pur». So posieren auf Instagram und Co. Teenie-Idole wie Kylie Jenner mit ihren perfekt durchtrainierten Körpern. Und: Ihre Haut ist stets glatt. Härchen? Fehlanzeige. Haarfrei gehört bei vielen Menschen zum Körperkult – und hat sich zu einem lukrativen Markt entwickelt. In Zürich öffnete dieser Tage die zweite Filiale der deutschen Haarweg-Kette «Wax in the City». Das Konzept: ohne Voranmeldung rein, Wachs aufs Haar und ratz! – glatt wieder raus.

Netz an Coiffeur-Läden wird grösser

In den vergangenen Jahren ist es in der Coiffeur-Branche zu einem regelrechten Boom gekommen. Gab es im Jahr 2011 erst 9800 Betriebe, so sind es per Ende 2016 über 11 300. Dies zeigen neue Zahlen der paritätischen Kommission für das schweizerische Coiffeurgewerbe. Die Branche zählt mittlerweile mehr als 10 100 Angestellte gegenüber 9000 im Jahr 2011 – ein Plus von 12 Prozent. Der Trend geht Richtung kleinere Geschäfte mit Personal ohne formale Coiffeur-Ausbildung, wie die Geschäftsstelle der paritätischen Kommission auf Anfrage festhält. (BWE)

«Wax in the City» bezeichnet sich mit seinen 20 Standorten in fünf Ländern als «stärkste Waxing-Marke in Europa». In der Schweiz wolle man weiter ausbauen, sagt Sprecherin Nana Nkrumah. Mittelfristig sehe man bis zu zehn Filialen, das Wachstumspotenzial sei gross, vor allem in den grösseren Städten. «Unser Umsatzplus ist zweistellig.»

Mit ein Grund für den Boom sei die männliche Kundschaft: «15 Prozent unserer Kunden sind inzwischen Männer», sagt Nkrumah. Am gefragtesten seien Waxings im Bereich Rücken, Schulter, Bauch und Brust. Auf dem Vormarsch sei zudem der «Brazilian Hollywood Man» für 75 Franken, bei dem jeweils alle Haare im Intimbereich entfernt werden. Bei den Frauen seien Achsel-, Bein- und ebenfalls Intimwaxings besonders gefragt.

Manche mögens glatt

Ein Blick auf die Importstatistik bestätigt den Trend. 2016 wurden rund 4500 Tonnen an Haarentfernungsmitteln im Wert von 43 Millionen Franken importiert. Darin enthalten sind laut Zollverwaltung auch «andere zubereitete Riech-, Körperpflege- oder Schönheitsmittel». Vor fünf Jahren waren es 50 Prozent weniger. Nebst «Wax in the City» sind es vor allem unabhängige Kosmetikstudios, die ihr bisheriges Angebot an Make-up, Manicuren und Pedicuren um das Haare-Rupfen erweitern.

Der Soziologe Johannes Krause von der Universität Düsseldorf sagt, die Enthaarung bestimmter Körperregionen sei ein Ausdruck davon, gewissen Schönheitsidealen zu entsprechen, die sich über die Jahre hinweg ändern. «Bei jüngeren Menschen ist die Körperrasur selbstverständlicher als bei den vorherigen Generationen.» Dabei gebe es durchaus einen Zusammenhang mit dem entsprechenden Medienkonsum. Umgekehrt könne der bewusste Verzicht auf die Rasur der Beine als ein Protest gegen die patriarchalen Ansprüche der Gesellschaft gewertet werden.

Von Sportstar bis Nationalrat

Gefragt ist vermehrt die dauerhafte Haarentfernung per Laser, da beim Waxing die Haare nach einigen Wochen wieder spriessen. Diesen Trend hat Dafina Pisgin erkannt. Die Schweizer Jungunternehmerin war bis vor einem Jahr Angestellte in der Dentalbranche, machte sich dann selbstständig und eröffnete ihre erste «Venus Beauty»-Filiale. Inzwischen sind es bereits vier; in Winterthur, Zürich, St. Gallen und Luzern. Mindestens zwei weitere folgen noch dieses Jahr.

«Die Nachfrage ist enorm», sagt Pisgin. Gehe es so weiter, rechne sie mittelfristig mit mehr als 20 Filialen. Die Expansion unternimmt sie in Eigenregie mit ihrem Mann und grösstenteils mit eigenem Kapital. «Wir sind ständig am Investieren», sagt Pisgin. Dieses Jahr sollte die erste Umsatzmillion erreicht werden. Die Kundschaft von Venus Beauty sei divers. «Auch wir sehen, dass zunehmend Männer glatte Haut bei sich bevorzugen», sagt Pisgin. Der Männer-Anteil betrage bereits 20 Prozent. «Wir haben alles, von Teenagerinnen bis hin zu Senioren, vom Sportstar bis zum Nationalrat. Bei der Schönheit sparen viele Menschen zuletzt.» Allerdings kämen viele Frauen auch aus Leidensdruck, weil sie unter starker Gesichtsbehaarung leiden würden. Oder Menschen, die nach dem Rasieren oder Wachsen mit Ausschlägen und verwachsenen Haaren zu kämpfen hätten.

Dumpingpreise

Bei der dauerhaften Haarentfernung – in der Branche auch Super Hair Removal genannt – sind mehrere Laser-Behandlungen nötig. Die Anfangsinvestitionen sind allerdings beträchtlich: Ein so genannter SHR-Diodenlaser kostet je nach Modell bis zu 30 000 Franken. Da die Kundschaft nach Ende der Behandlung verloren geht und es gilt, das Gerät zu amortisieren, ist das Lasering teurer als das Waxing.

Laut Susan Meier, Vorstandsmitglied des Schweizer Fachverbands für Kosmetik, hat die Zunahme an spezialisierten Filialen gleichzeitig zu einem stärkeren Wettbewerb geführt. Die Rede ist von Dumpingpreisen. Auch Venus Beauty operiert mit aggressiven Preisen, was in der Branche für Aufregung sorgt. Eine einmalige Beinbehandlung für Frauen kostet 89 Franken, bei der Konkurrenz oft drei oder gar viermal mehr. Die Preise seien dank ihren effizienten Angestellten möglich, denen sie einen Mindestlohn von 3800 Franken bezahle, sagt Inhaberin Pisgin.