Das WEF kommt auf den Bürgenstock und nach Luzern

Vom 18. bis 21. Mai wird die ganze Welt auf den Raum Bürgenstock-Luzern blicken. Die Organisatoren des World Economic Forum haben sich statt für Lugano für die Zentralschweiz als Treffpunkt der Mächtigen entschieden. Die Nidwaldner und Luzerner Regierungen freuen sich.

Philipp Unterschütz
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Im Mai 2021 treffen sich die Mächtigen der Welt im Bürgenstock-Resort und in Luzern.

Im Mai 2021 treffen sich die Mächtigen der Welt im Bürgenstock-Resort und in Luzern.

Bild: PD

Das Jahrestreffen 2021 des Weltwirtschaftsforums (WEF) findet in reduzierter Form vom 18. bis 21. Mai auf dem Bürgenstock und in Luzern statt. Das haben die Organisatoren am Mittwochnachmittag bekanntgegeben und damit gleichzeitig Lugano eine Absage erteilt. Das WEF Annual Meeting 2021 steht unter dem Motto «The Great Reset in the Post-Covid-19-Era».

Wie die Nidwaldner Regierung in einer Mitteilung schreibt, hätten die Verantwortlichen des WEF den Kanton Nidwalden in einem Schreiben um Unterstützung bei der Vorbereitung des Anlasses angefragt. «Der Regierungsrat ist gerne bereit, Hand zu bieten und einen Beitrag zur erfolgreichen Durchführung zu leisten», heisst es in der Mitteilung. Warum man sich für die Zentralschweiz anstatt Lugano entschieden habe, sei nicht mitgeteilt worden, sagt der Nidwaldner Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger auf Anfrage. «Wir sind erfreut über den Entscheid des WEF, diesen für die Gesellschaft wichtigen Anlass in unserer Region durchzuführen», hält Filliger fest.

Zauberstadt, Zaubersee, Zauberberge

Auch die Luzerner Regierung gibt in einer Mitteilung ihrer Freude Ausdruck. Das WEF sei im Scheinwerferlicht der internationalen Medien und eine riesige Chance für die Tourismusdestination. «Wenn Davos das Etikett Zauberberg trägt – dann ist Luzern die Zauberstadt am Zaubersee in den Zauberbergen. Dieser Reputationseffekt ist unbezahlbar, nicht nur für den gehobenen Tourismus, sondern für die gesamte Destination», lässt sich der Luzerner Regierungspräsident Reto Wyss zitieren.

«Aus volkswirtschaftlicher Sicht erhoffen wir uns einen willkommenen Nebeneffekt», ergänzt Othmar Filliger. Einerseits würden bereits die WEF-Teilnehmer und -Gäste Wertschöpfung vor Ort generieren, andererseits dürfte sich das internationale Scheinwerferlicht mittel- und langfristig positiv auswirken. «Mit der Durchführung des WEF vor der Haustüre erhalten wir einen enormen Werbeeffekt, der über den Bürgenstock hinaus auf die ganze Tourismusregion Ausstrahlung haben wird», so Filliger weiter.

Der Kongress- und Veranstaltungssektor, der von der Coronakrise besonders stark gebeutelt sei, profitiere direkt von diesem Anlass, ist Reto Wyss überzeugt. Zudem liege das Gästesegment des WEF im gehobenen Bereich. «Die Veranstaltung entspricht damit dem Ziel, den Luzerner Tourismus qualitativ weiterzuentwickeln. Dieses Ziel – die Ausrichtung auf einen hochwertigen und nachhaltigen Tourismus – wurde im Zusammenhang mit der Coronakrise von Politik- und Tourismuskreisen nachdrücklich formuliert.»

Kosten oder Einschränkungen für Bevölkerung noch völlig offen

Wie jedes Jahr wird auch diesmal die Frage nach der Sicherheit für die Teilnehmenden und die Öffentlichkeit eine wichtige Rolle spielen. Viel kann Othmar Filliger dazu nicht sagen, auch nicht zu den Kosten, die zu erwarten seien: «Wir stehen erst ganz am Anfang.» Erste Abklärungen diesbezüglich seien aber bereits im Gang. Auch zur Frage, welche Einschränkungen auf die Bevölkerung zukämen, könne man noch nichts sagen.

Der Luzerner Regierungsrat will eine Projektorganisation mit kantonalen und städtischen Behördenvertretern, Tourismus- und Wirtschaftsleuten einsetzen und die behördenseitige Planung in Zusammenarbeit mit dem Kanton Nidwalden, dem Bürgenstock-Resort und dem WEF zügig an die Hand nehmen, heisst es in der Mitteilung der Luzerner Regierung. «Das wird eine Herausforderung, gleichzeitig freuen wir uns auf eine intensive Zusammenarbeit mit allen involvierten Partnern», so der Nidwaldner Landammann Othmar Filliger. Auch die Erarbeitung eines Kostenteilers werde zu den Aufgaben gehören.

Thema und zugleich Risikofaktor

Corona wird also das Thema des Meetings sein und zugleich wohl dessen grösster Risikofaktor. Bereits jetzt werden schliesslich Anlässe wie die Fasnacht im nächsten Jahr abgesagt. Eine Deadline zum Entscheid über die Durchführung gebe es zurzeit nicht, sagt Othmar Filliger. «Das Treffen mit führenden Persönlichkeiten aus der ganzen Welt findet unter der Voraussetzung statt, dass die Gesundheit und Sicherheit der Teilnehmer gewährleistet werden können», heisst es in der Mitteilung der Nidwaldner Regierung.

Begeistert über den Entscheid der WEF-Verantwortlichen zeigt sich natürlich auch das Bürgenstock-Resort. «Das WEF-Jahrestreffen auf dem Bürgenberg ist ein Ritterschlag für das Bürgenstock-Resort, den Kanton Nidwalden, die Stadt Luzern sowie die Region Vierwaldstättersee als besondere Konferenz- und Marketingdestination», sagt Robert P. Herr, General Manager des Bürgenstock-Resorts.

Ende August wurde bekannt, dass das WEF 2021 wegen der Coronapandemie vom Winter auf den Frühsommer verschoben werden und nicht in Davos stattfinden soll. Zur Diskussion standen Lugano oder der Bürgenstock und Luzern. Das WEF war letztmals vor 18 Jahren verschoben worden. Wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und angekündigter Demonstrationen von Globalisierungsgegnern fand es erstmals nach 30 Jahren nicht in Davos statt, sondern in New York.

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