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Kolumne

WEF-Studie: Das Zeitalter der Angst wirkt lähmend

Die nachrückende Generation hat andere Werte als ihre Vorgänger. Das stellt auch Arbeitgeber vor neuen Herausforderungen.
Maurice Pedergnana
Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

Am Weltwirtschaftsforum in Davos werden immer wieder interessante Studien veröffentlicht. Eine fand ich diesmal besonders spannend, weil sie beleuchtet, wer am meisten Verlustängste hat. So wurde weltweit jüngeren Erwachsenen die Frage gestellt, ob man glaube, am Ende des Lebens besser oder schlechter als die Eltern-Generation gelebt zu haben.

In den westlichen Industrienationen war das Ergebnis einigermassen ausgeglichen. Es ist heute für 25-Jährige nicht mehr selbstverständlich, einen besseren Lebensstandard als die Eltern zu erreichen. Im westlichen «Zeitalter der Angst» zeichnet sich zudem ab, dass die nachrückende Generation der materiellen Wohlstandsvermehrung nicht mehr alles unterordnet. Es zählen Werte und Selbstachtung, wenn möglich sogar Selbstverwirklichung.

Das stellt auch Arbeitgeber vor neue Herausforderungen. Der Lohn bleibt gewiss eine Komponente, aber noch wichtiger ist, ein Jobprofil zu haben, in dem vor allem die Stärken zum Tragen kommen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Arbeitskraft sich am Morgen als energiegeladener Mensch in sein Tätigkeitsgebiet stürzt und am Abend voller innerer Zufriedenheit nach Hause geht. Zu Hause zeichnet sich allmählich ein weiterer Wandel ab, weil junge Erwachsene nicht mehr im selben Ausmass wie früher eigentumsfokussiert sind. Kinder wollen spürbar weniger das Einfamilienhaus und die Ferienwohnung der Eltern übernehmen. Sie fühlen sich in einer Mietwohnung wohl und sind hinsichtlich des Orts, wo Ferien verbracht werden, und der Räume, wo einer Erwerbsarbeit nachgegangen wird, viel ­flexibler geworden.

Die Jungen sind insgesamt nicht nur besser gebildet als früher, sondern sie sind auch politisch weniger eingenommen. Sie wollen ihre erworbenen Fähigkeiten einsetzen und lassen sich immer weniger von offensichtlicher Korruption und leeren Versprechungen an der Nase herumführen.

Wenn die politische Klasse ein Land beinahe hoffnungslos zugrunde richtet, wie das in Griechenland geschehen war, ziehen die Jungen und Qualifizierten ins stabilere Ausland. Rund 360000 Griechen sind in den letzten zehn Jahren ausgewandert – darunter viele Ärzte, Krankenpfleger und Ingenieure.

Interessant ist, dass in den zwei global herausragenden asiatischen Volkswirtschaften China und Indien die einleitende Frage mit viel mehr Zuversicht beantwortet wurde. Rund neun von zehn sind sich ziemlich sicher, dass ihr Wohlstand jenen der Eltern übertreffen wird. Das macht eine Gesellschaft hoffnungsvoll und zukunftsgerichtet. Der Status quo wird als Grundlage verstanden, sozusagen als Sprungbrett, und nicht als etwas, das es gegen jede Veränderung zu verteidigen gilt.

Was bei uns oftmals lähmend wirkt, wird in asiatischen Ländern mit umgekehrten Vorzeichen betrachtet. Da werden Innovationen mit Freude und spielerischer Leichtigkeit aufgegriffen, auch von Erwachsenen. Sie werden als Zwischenschritte der steten Verbesserung verstanden und beschleunigen damit gewiss die positive Wirtschaftsdynamik.

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