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Weltbank-Kritiker soll Weltbank-Chef werden

David Malpass soll neuer Präsident der Weltbank werden. Die wahrscheinliche Beförderung verdankt er in erster Linie seiner Loyalität zum US-Präsidenten.
Renzo Ruf, Washington
David Malpass, momentan Chefdiplomat des US-Finanzministeriums.Bild: Mark Lennihan/AP

David Malpass, momentan Chefdiplomat des US-Finanzministeriums.
Bild: Mark Lennihan/AP

Ivanka Trump war angeblich im Gespräch, die glamouröse Tochter des Präsidenten. Auch soll sich die ehemalige Pepsi-Konzernchefin Indra Nooyi, geboren in Indien, im Rennen um den Posten des Weltbank-Präsidenten befunden haben, sagen gut informierte Quellen in der amerikanischen Hauptstadt. Doch am heutigen Mittwoch wird das Weisse Haus höchstwahrscheinlich die Hoffnungen zerstören, dass Präsident Trump den Anfang Monat zurückgetretenen Jim Yong Kim mit einer Quereinsteigerin ersetzt. Stattdessen berichteten die Hauptstadtmedien am Montag übereinstimmend, dass Trump den 62-jährigen David Malpass für den Spitzenposten in der Weltbank-Gruppe nominieren werde.

Malpass ist in Washington ein bekanntes Gesicht. Bevor er im August 2017 seinen aktuellen Posten als Chefdiplomat des Finanzministeriums antrat, wo er auch für Handelsfragen zuständig ist, war er in den 1980er- und 1990er-Jahren in ähnlichen Rollen für die beiden republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George H. W. Bush tätig gewesen. Auch an der Wall Street hat sich Malpass einen Namen gemacht, als Chefökonom der 2008 untergegangenen Investmentbank Bear Stearns und als Besitzer des Wirtschaftsberatungsunternehmens Encima Global.

Weggefährten bezeichnen ihn gemeinhin als kompetenten Bürokraten, der konservative Positionen vertrete und seine Bodenhaftung nie verloren habe. Der studierte Physiker stammt aus einer Unternehmerfamilie aus der Provinz in Michigan; in seinem offiziellen Lebenslauf verweist Malpass darauf, dass er in seiner Jugend als Elektriker, als «Frühstückskoch» in einem McDonald’s und als IT-Spezialist tätig gewesen sei. Er spricht mehrere Fremdsprachen und verbrachte in den Siebzigerjahren einige Monate an einer Universität in Moskau.

Es kursieren allerdings in der amerikanischen Hauptstadt auch weniger schmeichelhafte Einschätzungen über Malpass. Im persönlichen Umgang sei er arrogant, heisst es. Auch habe er wenig Interesse an abweichenden Meinungen. Beobachter weisen zudem darauf hin, dass er multilaterale Organisationen wie die Bretton-Woods-Institutionen immer mal wieder scharf kritisiert habe. So störte er sich daran, dass die Weltbank immer noch Milliarden von Dollars an China ausleiht, obwohl es das Land mittlerweile zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat. Als Malpass im vorigen Jahr mithalf, die Details einer Kapitalerhöhung der Weltbank-Gruppe zu verhandeln, setzte er sich als Vertreter der amerikanischen Regierung – des grössten Geldgebers der Bretton-Woods-Institutionen – für ein Ende dieser Transaktionen ein.

Seine Beförderung verdankt Malpass aber in erster Linie seiner Loyalität zum Präsidenten. Im Wahlkampf 2016, als die Wall Street den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump auf Distanz hielt, wurde er Mitglied eines wirtschaftspolitischen Teams von anfänglich 13 Personen – das durch dick und dünn zum Kandidaten hielt. Seine eigene politische Karriere verlief übrigens weniger erfolgreich. 2010 bemühte sich Malpass um die Nomination zum republikanischen Senatskandidaten in New York, scheiterte aber bereits in der Vorwahl. Die Anmeldefrist für Kandidaten für das Weltbank-Präsidium läuft am 14. März ab. Anschliessend wird das Exekutivdirektorium seine Wahl treffen. Bis anhin besassen alle Präsidenten der Entwicklungshilfeorganisation die amerikanische Staatsbürgerschaft.

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