DAVOS: Frauen haben gute Karten

Der technologische Wandel wird alle Berufstätigen massiv herausfordern. Dass vom Umbruch über die Jahre gerade Frauen profitieren können, ist eine interessante Erkenntnis am Weltwirtschaftsforum WEF.

Thorsten Fischer
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Zuhörerinnen während einer Pause zwischen den WEF-Podiumsdiskussionen in Davos. (Bild: Christian Clavadetscher/World Economic Forum)

Zuhörerinnen während einer Pause zwischen den WEF-Podiumsdiskussionen in Davos. (Bild: Christian Clavadetscher/World Economic Forum)

Thorsten Fischer

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Dass die Digitalisierung langfristig Stellen kosten wird, haben schon unzählige Studien gezeigt. Bislang hat man allerdings einen Aspekt aussen vor gelassen: die Auswirkung auf das jeweilige Geschlecht. Eine neue Studie hat dies nun nachgeholt.

Jede neue Stelle, die von der Digitalisierung geschaffen wird, lässt drei herkömmliche Arbeitsplätze von Männern verschwinden. Bei Tätigkeiten, die mehrheitlich von Frauen ausgeführt werden, verschwinden pro neue Stelle sogar fünf Arbeitsplätze. Statistisch gesehen ist der Fall somit klar: Für Frauen sieht es in der neuen Arbeitswelt unfreundlicher als für Männer aus. Doch diese Erkenntnis aus einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) ist natürlich nur die eine Seite der Medaille, wie eine Diskussion am Forum in Davos klarmachte. Die Digitalisierung und die Industrie 4.0 werden die Karten neu mischen, viele Berufsbilder ändern und damit neue Chancen schaffen – gerade auch für Frauen.

Mehr Offenheit bei Frauen

Mary C. Boyce von der amerikanischen Columbia University wagte im Panel – der wie viele Diskussionen im Internet übertragen wurde – einen betont positiven Ausblick. Die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt könne mit den neuen Technologien sogar beschleunigt werden. Gerade die Ingenieurswissenschaften, von denen Aussenstehende oft ein stereotypes Bild hätten, stiessen dank Digitalisierung in weitere Aspekte des menschlichen Lebens vor. Und würden damit für Frauen, aber natürlich auch für Männer, attraktiver.

Ob gerade Frauen in Japan diese Entwicklung bereits ahnen? Hakubun Shimomura, japanischer Politiker der Liberaldemokratischen Partei, stellte in der Diskussion am Weltwirtschaftsforum fest, dass Frauen laut einer japanischen Umfrage eine Spur positiver als Männer gestimmt seien, was die kommende Arbeitswelt betrifft. Zugleich zeigten sie sich auch etwas anpassungsfreudiger. Shimomura geht davon aus, dass der Einsatz von Software und künstlicher Intelligenz die Hälfte aller Jobs ändern wird.

Alleine diesen Wandel gesellschaftlich über die Jahre zu managen, die Menschen dabei zu begleiten, fordere viele neue Kompetenzen, sagte der Politiker. Hier dürften vermehrt auch Frauen gefragt sein. Boyce legte indessen Wert darauf, dass Frauen auch im Herz der technologischen Entwicklung tätig sind – und neue Technologien direkt mitentwickeln. Dafür brauche es schulisch schon früh eine Aufwertung von Fächern wie Mathematik und Wissenschaft. Teilweise helfe hier die technologische Entwicklung. Fächer wie Hauswirtschaft mit Nähen, Kochen und Organisation werden durch 3-D-Drucker umgekrempelt, zeigte sie sich überzeugt. Schülerinnen würden damit schon früh Erfahrung mit computergestütztem Design sammeln.