DAVOS: Sonderschichten für das WEF

Kein Hotel in Davos ist so eng mit der Geschichte des Weltwirtschaftsforums verbunden wie das Steigenberger Grandhotel Belvédere. Und in keinem finden mehr Anlässe statt. Das hat seinen Preis.

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Hoteldirektor Thomas Kleber freut sich auf illustre Gäste im Grandhotel Belvédère. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hoteldirektor Thomas Kleber freut sich auf illustre Gäste im Grandhotel Belvédère. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Dominik Buholzer

Sein eigenes Zimmer hat er schon längst geräumt. Während des Weltwirtschaftsforums in Davos (WEF) muss auch der Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédere, dem einzigen 5-Sterne-Haus am Platz, mit dem Personalhaus vorlieb nehmen. «An solch einem Grossanlass hat es keinen Platz für Sonderwünsche des Personals. Da muss auch ich bereit sein, mein Zimmer den Gästen zur Verfügung zu stellen», sagt Thomas Kleber. Der 49-Jährige, der in Aachen zur Welt kam, in München aufwuchs und einen belgischen Pass besitzt, führte noch bis vor wenigen Wochen die Astoria-Gruppe in Luzern. Anfang Dezember übernahm er den Job in Davos. Seither eilt er von einem Grossanlass zum anderen: internationaler Ärztekongress Anfang Dezember, dann der Spengler-Cup zwischen Weihnachten/Neujahr.

300 Events in fünf Tagen

Doch keiner verlangt von ihm so viel ab wie das Weltwirtschaftsforum. Im Steigenberger Belvédere finden innerhalb von fünf Tagen 300 Events statt so viele wie wohl nirgends in Davos, täglich zählt das Haus bis zu 2000 Gäste und Besucher, mit 250 Kellnern, Zimmermädchen, Köchen usw. steht doppelt so viel Personal im Einsatz als sonst, und zu mehr als vier Stunden Schlaf kommt Kleber nicht. Kaum ist das WEF zu Ende, beginnt auch schon wieder die Planung für das nächste.

Das Steigenberger Grandhotel Belvédere und das WEF verbindet sehr viel. Es heisst, bei einem Kaminfeuergespräch Ende der 1960er-Jahre in dem altehrwürdigen Haus sei die Idee für den Anlass entstanden. 1971 fand dann das erste «European Management Symposium» statt. WEF-Gründer Klaus Schwaab lud 444 Führungskräfte westeuropäischer Firmen nach Davos zum Debattieren ein.

Verschwiegenheit ist Trumpf

Seither zieht das WEF jährlich immer mehr Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness an. Für die 45. Auflage, die heute Mittwoch beginnt, werden 2500 Teilnehmer aus 140 Ländern erwartet so viele wie noch nie. Davos beschert dies laut den Organisatoren Einnahmen von 45 Millionen Franken. Wie viel dies dem Steigenberger Grandhotel Belvédere in die Kassen spült, will Thomas Kleber nicht sagen. «Nur so viel», holt er aus: «Wenn es kein gutes Geschäft wäre, würden wir es nicht machen.» Verschwiegenheit ist am WEF alles. Auch was die Gästeliste anbelangt. Welcher Prominente wo logiert, erfahren selbst die betroffenen Hotels erst im allerletzten Augenblick. Problematisch sei dies nicht, sagt Thomas Kleber. «Wissen Sie, die meisten Prominenten sind in der Regel sehr viel anspruchsloser, als man von aussen den Eindruck hat», wendet er ein.

Von Hillary Clinton bis Ray Charles

Thomas Kleber muss es wissen. In seiner 32-jährigen Karriere im Hotelgewerbe machte er schon mit mancher Berühmtheit die Bekanntschaft. Von Königin Silvia über Hillary Clinton bis zu Ray Charles, vielen ist er schon begegnet. Aber nicht immer ging der Besuch gleich einfach über die Bühne. Als Kleber vor Jahren in New York in einem Hotel als Rezeptionist arbeitete, stand eines Tages Mister Eastwood vor ihm. «Eastwood und wie noch?», fragte Kleber unbedarft. «Clint», antwortete dieser leicht säuerlich. «Erst da dämmerte mir, dass ich ja Oscarpreisträger Clint Eastwood vor mir hatte», sagt Thomas Kleber lachend. Das war ihm eine Lehre. Ein solcher Lapsus ist ihm seither nicht mehr unterlaufen. Und schon gar nicht am Weltwirtschaftsforum in Davos.

Bis 16 000 Franken für eine Woche

Ferienwohnung bu. Das Weltwirtschaftsforum ist ein Geschäft. Nicht nur für die Hotels, auch für die Besitzer von Ferienwohnungen. Viele Unterkünfte sind oft schon ein Jahr im Voraus vergeben. Und verlangt werden kann so ziemlich jeder Preis. 16 000 Franken für eine Zweizimmerwohnung in einer Woche ist dabei längst nicht die Spitze des Eisbergs. Wer es kostengünstiger haben will, kann es wie diese Zeitung machen: Unsere Reporter vor Ort hausen auf einem Bauernhof in einem Wohnmobil.