Debitkarte
Neue Bezahlgewohnheiten wegen Corona: Darum wird jetzt das Gipfeli teurer – und auch andere Produkte

Weil immer mehr Kunden mit Debitkarten bezahlen, steigen die Gebühren für Kioske oder Bäcker an. Einige geben dies nun weiter. Doch die Wettbewerbshüter könnten bald eingreifen.

Pascal Michel 15 Kommentare
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Bequem für Kunden, teils teuer für den Händler: neue Debitkarte.

Bequem für Kunden, teils teuer für den Händler: neue Debitkarte.

Bild: Matthias Jurt/ Luzerner Zeitung

Wer sein Gipfeli beim Beck für 1.50 Franken mit der Karte bezahlt, muss kein Münz aus dem Portemonnaie klauben und kann seinen Einkauf bequem abwickeln. Doch die Händler kommt das Plastikgeld teuer zu stehen: Sie müssen eine stolze Gebühr an die Kartenterminal-Firma abliefern – bestehend aus einem Fixbetrag und einem variablen Anteil. Im Fall des besagten Gipfelis wären das nebst einem Fixbetrag von 10 Rappen sowie 0,735 Rappen variable Gebühr bei einer Mastercard-Debitkarte.

Die Bäckerei muss also knapp 11 Rappen abgeben. Für die Händler sind diese Abgaben auf Transaktionen mit Kleinstbeträgen ein zunehmendes Ärgernis. Und das, obwohl sich die Situation eigentlich verbessert hatte. Denn neu müssen sie nicht mehr einen Sockelbetrag von bis zu 28 Rappen auf Kleinstbeträge abliefern wie zuvor bei Einkäufen mit der Maestro-Karte, sondern nur noch 10 Rappen sowie einen Prozentbetrag auf den umgesetzten Preis. Doch der vermeintliche Fortschritt für Bäcker, Kioske und Co. wurde durch den zunehmenden Einsatz von Debitkarten zunichtegemacht.

«Die Zahl der Karten-Transaktionen hat sich in der Pandemie verdoppelt», sagt Silvan Hotz, Präsident des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands. An gewissen Standorten bezahlten mittlerweile zwei Drittel der Kundinnen und Kunden per Karte. Auch deshalb klettern die Gipfeli-Preise nach oben.

Debitkarte löst Barzahlung ab

Der zunehmende Ärger bei den Händlern hat viel mit dem Siegeszug der Debitkarte zu tun. Laut dem Swiss Payment Monitor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften werden bereits 34 Prozent der Kartenzahlungen mit einer Debitkarte abgewickelt – Tendenz steigend. Diese Karten drängen die Banken den Kunden seit einigen Monaten regelrecht auf.

«Insgesamt mag die zunehmende Verbreitung der neuen Karten mit etwas höheren Gebühren zu einem leichten Anstieg der Gebührenbelastung für Händler resultieren», bestätigt eine Sprecherin der Firma Worldline, die Kartenterminals anbietet. Sie betont, dass kleine Transaktionen im Vergleich zu früher günstiger geworden seien, höhere Beträge dagegen teurer als mit Maestro-Karten.

Preisüberwacher ist eingeschritten

Im August konnte der Preisüberwacher einen Kostendeckel für die sogenannte Händlerkommission durchsetzen. Denn für Händler, die teure Produkte verkaufen, wären massive Gebühren fällig geworden. Nun darf Worldline bei Visa-Debitkarten maximal 3.50 Franken und bei Mastercard-Debitkarten höchstens 2 Franken verlangen. Auf Anfrage sagt Rudolf Lanz, Sprecher des Preisüberwachers, die Gebühren könnten heute als vertretbar bezeichnet werden.

Worldline betont, man müsse die Gebühren generell «im Gesamtkontext des Kundenerlebnisses» sehen: «Die Akzeptanz von Kartenzahlungen entspricht auch einem Konsumentenbedürfnis und kann nachweislich die Kaufbereitschaft und damit die Umsätze erhöhen.»

Aber warum führt der Einsatz der neuen Debitkarten, über alle Branchen hinweg gesehen, nun zu höheren Gebühren für die Händler? Dies liegt an der sogenannten Interchange-Gebühr, die es bisher bei Maestro-Karten nicht gab und die nun umso mehr ins Gewicht fällt.

Wer in diesem Gebühren-Dickicht verdient, ist auf den ersten Blick schwer durchschaubar. Einen Teil schöpfen die sogenannten «Akquirer» respektive Terminallieferanten mit der Händlerkommission ab, wobei Wordline bei den kleinen Transaktionen eher noch drauflegt. Hauptsächlich profitieren die börsenkotierten Konzerne Visa und Mastercard.

Der Händler, etwa der Dorfbeck, liefert die gesamte Gebühr, die auch die Interchange-Fee beinhaltet, an Worldline ab, der die Zahlterminals bereitstellt. Dieser muss die Interchange-Fee an den Kartenherausgeber, etwa die UBS, bezahlen. Indirekt fliesst sie nun an Mastercard oder Visa, die den Banken ihre Lizenzen verkaufen. Die Kartenmultis haben deshalb ein Interesse daran, die Interchange-Fee möglichst hochzuhalten.

Banken konnten investieren – aber jetzt ist genug, findet ein Verband

Ursprünglich war die neue Interchange-Fee für Debitkarten 2017 von der Wettbewerbskommission (Weko) gebilligt worden, um den Banken als Kartenherausgeberinnen die finanziellen Mittel zu geben, in die neuen Debitkarten-Technologie zu investieren. Sobald die Karten einen Marktanteil von 15 Prozent hätten, erklärte die Behörde damals, werde sie prüfen, ob diese Gebühr noch erhoben werden darf – denn eigentlich verstösst sie gegen das Kartellrecht.

«Es ist absehbar, dass der Marktanteil im Verlauf des laufenden Jahres überschritten wird», heisst es auf Anfrage bei der Weko. Aus der Branche ist zu hören, dass die Behörde womöglich schon im Sommer die Gebühr regulieren wird – und eventuell senken wird.

Daraufhin arbeitet Severin Pflüger, Geschäftsführer des Verbands Elektronischer Zahlungsverkehr: «Die Banken sowie Visa und Mastercard konnten in den letzten fünf Jahren die Infrastruktur für Debitkarten aufbauen. Es leuchtet nicht ein, weshalb sie weiterhin zu Lasten der Händler und Konsumenten dafür eine hohe Interchange-Fee abschöpfen sollen.»

Kaum Zusatznutzen für Händler

Seine Forderung untermauert der Verband mit einer neuen Studie von Swiss Economics. Darin kommen die Ökonomen zum Schluss, dass eine angemessene Interchange-Gebühr bei maximal 0,1 Prozent des umgesetzten Betrags liegen sollte. Alles darüber würde demnach ohne volkswirtschaftlichen Nutzen von Banken sowie Visa und Mastercard abgeschöpft. Der Verband fordert deshalb nun, dass die Gebühren auf diesen Betrag gedeckelt werden.

Den Wert von 0,1 Prozent Interchange-Fee für Debitkarten haben die Experten durch einen Vergleich mit einer Bargeld-Transaktion errechnet. «Der Händler soll im Falle einer Kartenzahlung nicht schlechter gestellt werden als bei einer Bargeldzahlung.» Das heisst: Der Händler hat aktuell kaum einen Zusatznutzen aus der Kartenzahlung und bezahlt zu viel Interchange-Gebühr.

Die gebeutelten Branchen dürfen also hoffen, dass Kartenzahlungen für sie bald wieder etwas günstiger werden. Und die Konsumentinnen und Konsumenten auf preiswertere Gipfeli.

15 Kommentare
René Wigger

Da gibt es eine einfache Lösung. Keine Zahlung per Karte für Beträge unter Fr. 19.99 entgegen nehmen. Oder einen Betrag von 50 Rappen bei Kartenzahlung unter Fr. 19.99 erheben. Wer meint er müsse, das Gipfeli, den Café crème oder das Einerli Weissen mit Karte, der soll auch die Kosten übernehmen. Mittlerweile weiss man auch, dass Coronaviren kaum mit Bargeld übertragen werden. Es kann nicht sein, dass es für jedermann einen Preisaufschlag gibt.

Hans Jörg Rettig

Leider falsch gedacht. Es handelt sich hier, trotz Namen wie Visa und Mastercard, nicht um Kredit- sondern um sog. Debitkarten. Diese lösen die jetzigen EC Maestrokarten ab. Und man kann nichts dagegen machen. Ausser Verzicht auf die Karte und künftig wieder barzahlen. Die Bank schickt einfach eine neue Karte, selbst wenn die alte noch lange gültig gewesen wäre. Vogel friss oder stirb!