DEBITKARTEN: Lichtblick im Daten-Chaos

1,2 Millionen Kunden und 150 Banken sind von der Datenpanne betroffen. Zahlreiche Institute haben die Fehlbuchungen bereits wieder korrigiert.

Hans-Peter Hoeren
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Schaden schnell korrigiert: 1,2 Millionen Kunden wurde ihr Geld zurückgebucht. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Schaden schnell korrigiert: 1,2 Millionen Kunden wurde ihr Geld zurückgebucht. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die gewaltige Panne bei der Verarbeitung von Zahlungen mit Debitkarten bewegt die Schweiz (wir berichteten in unserer gestrigen Ausgabe). 1,2 Millionen Kunden in der Schweiz waren betroffen. 1,38 Millionen Transaktionen wurden doppelt verbucht, wie die für den Zahlungsverkehr in der Schweiz zuständige Six Group gestern bestätigte. Es geht um ein Umsatzvolumen von gesamthaft 120 Millionen Franken. «Von der Panne sind rund 150 Banken mit völlig unterschiedlichen Systemen betroffen. Ein Grossteil der Banken hat die Fehlbuchung bereits rückgängig gemacht», erklärte Alain Bichsel, der Sprecher der Six Group, gestern auf Anfrage. Und zwar valutagerecht. Darunter ist auch die Luzerner und die Nidwaldner Kantonalbank und die Grossbanken UBS und Credit Suisse. Die Aufräumarbeiten laufen bereits auf Hochtouren.

LUKB: 20 000 Buchungen betroffen

Bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB) waren 20 000 Buchungen betroffen, bei der Nidwaldner Kantonalbank rund 2500. Das Gros der angefragten Banken konnte zu der genauen Zahl an fehlerhaften Transaktionen aber keine genauen Angaben machen.

«Nach einem Testlauf haben wir die Korrekturbuchungen bereits automatisch und valutagerecht vornehmen können», erklärte gestern Daniel von Arx, Sprecher der Luzerner Kantonalbank (LUKB). Die betroffenen Kunden werden in ihrem Monatsauszug drei Zeilen finden. Die richtige Buchung, die falsche Buchung und die Korrektur der Fehlbuchung, erklärte von Arx. «Wir bitten die Kunden, zur Sicherheit den Kontoauszug des Monats Januar genau zu prüfen und bei Unklarheiten mit der Bank Kontakt aufzunehmen», sagte von Arx.

Ähnlich tönte es bei der Nidwaldner Kantonalbank.«Die Doppelbelastungen in Schweizer Franken wurden bereits zurückgebucht», sagte Mediensprecherin Nicole Blättler. Bei den Transaktionen in fremder Währung liefen noch Kontrollen und Nachbuchungen aufgrund von Währungsdifferenzen. Die Zuger Kantonalbank informierte auf ihrer Homepage, die Rückbuchungen würden valutagerecht ausgeführt. Noch nicht ganz so weit war man gestern bei der Raiffeisen-Gruppe. «Bis spätestens Montag sollen die Buchungen korrigiert sein», gab Raiffeisen-Sprecher Franz Würth Auskunft. Angaben zur Zahl der betroffenen Kunden konnte er ebenso wenig nennen wie Urs Petermann, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Luzern.

Nicht nur Dienstagskäufe betroffen

Die Six Group verarbeitet über ihre Tochter Six Interbank Clearing (SIC) jeden Tag 3,5 Millionen Transaktionen – darunter auch eine Vielzahl mit Debitkarten. Gemäss SRF News Online sind nicht nur die gesamten Debitkarten-Einkäufe vom Dienstag doppelt verbucht worden. Wurden Einkäufe beispielsweise über Geräte getätigt, die nicht der Six-Gruppe direkt gehören, kommt es zu einer entsprechenden Verzögerung der Zahlung. Bekannt ist das Beispiel eines Drogerie-Einkaufs am vergangenen Freitag, der erst am Dienstag verbucht wurde.

Genaue Ursache ist weiter unklar

Generell gilt aber wohl, dass die Dienstagsumsätze in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gemäss Six Group korrekt verbucht wurden. «In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden sie aber nochmals verarbeitet», erklärt Six-Group-Sprecher Alain Bichsel. Diese zweite Transaktion wurde aber nicht ausgelöst. «Das heisst, das Geld wurde zwar einem Konto doppelt belastet, bei der zweiten Buchung ist das Geld aber nicht beim Empfänger angekommen», sagt Bichsel. Wo diese Panne passiert sei und warum, das habe man aktuell in die «zweite Priorität» gestellt. Zentral sei es, eine Lösung für den Kunden zu finden. Wie hoch die Kosten für die Aufräumarbeiten sind und wer dafür zahlen muss, ist offenbar noch unklar.

Kunden konnten nicht mehr zahlen

Für reichlich Verwirrung hat die Panne aber ohnehin gesorgt. «Einige Kunden konnten am Donnerstag keine Zahlungen mehr machen, weil sie durch die Fehlbuchung zu wenig Geld auf dem Konto verfügbar hatten», erzählt LUKB-Sprecher Daniel von Arx.

Ein Teil dieser Kunden hatte am Donnerstag die LUKB auf die Panne bei der Six Group aufmerksam gemacht.