Denkmalschutz
Denkmalschutz statt Parkplätze

Die kantonale Denkmalpflege zeigt, dass Restaurierungen auch Geld einbringen können.

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Denkmal

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

Es war ein Aufsehen erregender Gerichtsfall: Um die Jahrtausendwende legte die Gemeinde Hölstein Beschwerde gegen die Unterschutzstellung der Rösslischeune ein. Anstelle der denkmalgeschützten Scheune plante sie Parkplätze. Die Gemeinde unterlag: Das Kantonsgericht stützte den Entscheid des Regierungsrats.

Erst heute kann die kantonale Denkmalpflege richtig aufatmen. Ein neues Dach stoppt den weiteren Zerfall, und ein Betonkorsett stützt die Bruchsteinmauern. Der Wiederaufbau kostet eine halbe Million Franken, wovon der Kanton 85 000 übernimmt. Langfristig plant die Denkmalpflege, das ganze Gebäude zu restaurieren. Dazu reicht das Geld noch nicht. «Es eilt aber nicht: Wichtig ist, dass die Scheune nicht weiter zerfällt», betont Denkmalpfleger Walter Niederberger.

Tag des Denkmals

Der Kanton Baselland organisiert am europäischen Tag des Denkmals vom 12. und 13. September ein vielfältiges Programm zum Motto «am Wasser». Gleich drei Veranstaltungen finden in Münchenstein statt: In einer Wanderung wird die Wirtschaftsgeschichte rund um den St. Alban-Teich erzählt. Hier führt ein Theaterensemble die Leute zudem zu zwei Mühlen. Die Denkmalschützer gehen auch in die Badi: Das 1954 erstellte Gartenbad St. Jakob gilt als das grösste und meistbeachtete seiner Zeit in der Schweiz. In Binningen führt ein Spaziergang zu den unterirdischen Quellen, während in Bottmingen das Wasserschloss und in Grellingen die Wappenfelsen besichtigt werden. In Ormalingen findet der letzte Waschtag im Buchihus statt. Zum letzten Mal vor dem Umbau wird die traditionelle Art mit Buchenasche zu waschen vorgeführt. Das Programm: www.hereinspaziert.ch (öpf)

Für den Denkmalschützer ist die Rösslischeune eine Zeitzeugin des Passverkehrs, einst die wichtigste Einnahmequelle des Tals. In der Scheune brachten die Kutscher ihre Pferde während der Rast unter. Mit dem Ende dieser Ära verlor auch die Scheune ihre Bedeutung. Wahrscheinlich ein Windstoss liess das Dach vor zwölf Jahren einstürzen. Nun zieht die Kindertagesstätte in die Scheune ein.

Geld verdienen mit Restaurierung

Schräg gegenüber der Rösslischeune steht ein Gebäude mit ähnlicher Geschichte. Das Biedermeierhaus an der Hauptstrasse 20 wollte die Gemeinde ebenfalls abreissen, um Parkplätze zu erstellen. Dies konnte ein Privater verhindern: Er kaufte das Haus dem Kanton ab und restaurierte es. Es steht nicht unter Denkmalschutz. Trotzdem ist die kantonale Denkmalpflege hoch erfreut, dass damit das alte Dorfbild erhalten bleibt. An ihrem Medienanlass präsentiert sie dies als Beispiel für eine Restaurierung, mit der sich sogar Geld verdienen lässt.

Abbruchreife historische Gebäude sind meist günstig zu erwerben: Der Käufer zahlt nur den Landpreis minus Abbruchkosten. Etwa zwei Drittel der Bausumme könnten zudem als Unterhaltskosten deklariert und so von den Steuern abgezogen werden. Für Altbauten an spezieller Lage liessen sich in der Regel zahlungskräftige Mieter finden. Ein Neubau im gleichen Umfang wäre oft gar nicht erlaubt: Das Haus an der Hölsteiner Hauptstrasse steht nach heutigen Vorschriften zu nah an Bach und Bahn. Restauriert werden darf es trotzdem.