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Nach der UBS nun auch bei GAM:
Generalversammlung verweigert Entlastung

Auch die Aktionäre des Fondshauses GAM haben der Firmenspitze einen Dämpfer versetzt. Auf der Generalversammlung verweigerten die Eigner der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat die Entlastung.
Daniel Zulauf
Das GAM Global Asset Management hat seine Büros im Prime Tower in Zürich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 13. März 2017)

Das GAM Global Asset Management hat seine Büros im Prime Tower in Zürich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 13. März 2017)

Nur eine Woche nachdem die UBS-Aktionäre ihrem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Entlastung verweigert haben, ereilt die mit der Geschäftsführung des Zürcher Investmentmanagers GAM betrauten Personen dasselbe Schicksal. An der gestrigen Generalversammlung stellten die Eigentümer sicher, dass ihre Gesellschaft weiterhin Haftungsansprüche gegen die verantwortlichen Organe stellen kann.

Während im Fall der Grossbank UBS der Schaden aus einem laufenden Rechtsstreit in Frankreich über mutmassliche Beihilfen zum Steuerbetrug von den Gerichten festzulegen sein wird, was noch Jahre in Anspruch nehmen könnte, ist er im Fall von GAM bereits eingetreten. Im Sommer des vergangenen Jahres war der britische Fondsmanager Tim Haywood unvermittelt entlassen worden, nachdem er sich gemäss einer inzwischen abgeschlossenen internen Untersuchung von GAM verschiedene Kompetenzüberschreitungen zuschulden hatte kommen lassen. Die Entlassung versetzte die GAM-Kunden in Panik und führte zu einem beispiellosen Abzug von Anlagegeldern.

Managementgebühren von 180 Millionen verloren

Obwohl die Liquidation des von Haywood verwalteten Fonds nach Angaben von GAM voraussichtlich ohne Schaden für die ­Investoren definitiv liquidiert werden kann, hat das Unternehmen schwer gelitten. Allein durch die Liquidierung des Haywood-Fonds sind ihm verwaltete Vermögen im Umfang von rund 11 Milliarden Franken verlustig gegangen. Damit verliert die Gesellschaft Managementgebühren von jährlich rund 70 Millionen Franken. Doch damit nicht genug: Die Angst der Kunden, dass die Gesellschaft einen für die Anlageperformance fatalen Exodus weiterer Investmentspezialisten erleben könnte, führte zum Rückzug weiterer Gelder in anderen Fonds im Umfang von über 17 Milliarden Franken. Insgesamt dürfte GAM durch die Haywood-Affäre gegen 180 Millionen Franken an jährlichen Gebührenerträgen verloren haben.

Die Folgen dieser Schrumpfkur machten eine Korrektur des Unternehmenswertes (Goodwill) nötig. Das schlug sich in der Erfolgsrechnung 2018 mit einem Aufwand von 883 Millionen Franken nieder und bescherte dem Unternehmen mit seinen rund 900 Angestellten unter dem Strich einen Verlust von 929 Millionen Franken. Der Aktienkurs von derzeit 4,27 Franken erreicht nur noch etwa ein Drittel des Wertes, den er im Oktober 2009 beim Börsengang hatte.

Dass sich die Aktionäre die Möglichkeit offenhalten, das Management für diesen Schaden haftbar zu machen, ist somit keine Überraschung. Erstaunlich ist dabei eher, dass nur gut 49 Prozent der Aktienstimmen die Décharge verweigerten und wie bei der UBS die vielen Stimmenthaltungen (9 Prozent) den Ausschlag gaben. Immerhin sind die meisten GAM-Aktionäre selber Investmentgesellschaften, die ­ihrerseits für allfällige Haftungsansprüche ihrer Kunden geradestehen müssen. Doch möglicherweise sehen manche Investoren allfällige Schadenersatzklagen der Gesellschaft gegenüber den Leitungsorganen als kontraproduktiv an. Schliesslich soll es just in diesen Kreisen Bestrebungen geben, GAM zu verkaufen. Zurzeit sucht GAM nach einem neuen CEO.

Haywood musste draussen bleiben

Derweil versucht der interimistische Chef David Jacob, Kosten und Erträge wieder ins Lot zu bringen. Er hat im Februar einen grossen Personalabbau angekündigt. Auch Haywood begehrte gestern in Zürich Einlass an die Generalversammlung – allerdings vergeblich. Seine Aktien seien nicht im Aktienregister eingetragen, erklärte ein GAM-Sprecher dessen Aussperrung. Vor der Tür sagte Haywood zu Journalisten, er hätte dem Management die Décharge ebenfalls verweigert, denn seine Entlassung sei falsch gewesen und die von der Gesellschaft angeführten Begründungen entsprächen nicht der Wahrheit. Zu befürchten ist, dass Haywood tatsächlich mit besonderen Privilegien ausgestattet war, die er eigentlich gar nie hätte erhalten dürfen. Der Manager spielte in den ersten Jahren von GAM nach der Börseneinführung eine zentrale Rolle bei der Akquise dringend benötigter Neukunden und Neugelder.

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