Lattesso
Denner-Erben steigen mit Lattesso ins Kaffeegeschäft ein

Mit der Lancierung des kalten Kaffee-Getränks Lattesso machen die Nachkommen von Denner-Gründer Karl Schweri Emmi Konkurrenz.

Marc Fischer
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In den letzten Jahren hat vor allem Philippe Gaydoul als Nachkomme von Denner-Gründer Karl Schweri für Schlagzeilen gesorgt.

Mit der Lancierung des kalten Kaffeegetränks Lattesso sind im letzten Monat nun zwei weitere Enkel des Denner-Gründers aufs internationale Wirtschaftsparkett getreten: Am Luzerner Unternehmen Innoprax, das Lattesso vermarktet, sind die Schweri-Enkel Sacha Borzatta und dessen Bruder Fabio beteiligt.

«Wir haben im vergangenen Jahr Lattesso zusammen mit dem ehemaligen Emmi-Manager Erich Kienle entwickelt und das Getränk nun auf den Markt gebracht», sagt Borzatta gegenüber der «Nordwestschweiz».

Als Managing-Partner ist der gebürtige Zürcher auch im operativen Geschäft von Innoprax tätig, wogegen sein Bruder sich im Hintergrund hält. «Ich bin täglich unterwegs für unser neues Produkt», so der 43-jährige Kaffee-Manager.

Bei einem Betrieb von sechs Vollzeitmitarbeitern müsse man an allen Fronten anpacken. «Das geht von Meetings mit unseren Partnern, die das Getränk abfüllen, bis hin zu Gesprächen mit dem Verkaufspersonal an der Front», so Borzatta.

Innovationslabor für Getränke

Die treibende Kraft von Lattesso ist allerdings der ehemalige Emmi-Manager Erich Kienle. Er hat das im luzernischen Meggen domizilierte Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von innovativen Getränken spezialisiert hat, 2007 mitgegründet.

Nach dem Milch-Shake der Marke Shakeria, der mittlerweile bis nach China vertrieben wird, ist Lattesso das zweite Produkt von Innoprax.

Zuvor hat Kienle als Entwickler von Emmis Verkaufsschlager Caffè Latte die Schweizer Konsumlandschaft prägend verändert. So hat der Luzerner Milchproduzent im letzten Jahr gemäss eigenen Angaben 35 Millionen Becher des kalten Kaffees in der Schweiz verkauft (siehe Box).

Kalter Kaffee: Wachstumsmarkt

Der Markt für kalte Kaffeegetränke zeichnet sich durch hohe Wachstumsraten aus. Vor neun Jahren betrug der Umsatz in Europa rund 40 Millionen Franken, heute liegt er bei schätzungsweise 500 Millionen Franken. Gemäss Brancheninsidern dürfte die Milliarden-Grenze in fünf bis neun Jahren fallen. Das entspricht jährlichen Wachstumsraten von 8 bis 15 Prozent. In der Schweiz wurden 2012 schätzungsweise 50 Millionen Becher verkauft. Marktführerin der Schweiz ist Emmi mit Caffè Latte und einem Marktanteil von 70 Prozent. Seit kurzem mischt auch der US-Kaffeeröster Starbucks mit. Trotz der hohen Wachstumsraten der Vergangenheit sind Marktbeobachter wie René Weber von der Bank Vontobel der Meinung, dass weiteres Potenzial drinliegt: «Das hohe zweistellige Wachstum wird zwar langsam auslaufen, gesättigt sind die Märkte aber noch nicht», so der Analyst gegenüber der «Nordwestschweiz». (FHM)

«Unser Produkt unterscheidet sich von Caffè Latte erheblich», sagt Borzatta. Das bei der Walliser Milchgruppe Valait abgefüllte Convenience-Getränk bestehe nur aus natürlichen Inhaltsstoffen: Frisch gebrühtem Kaffee aus Honduras und pasteurisierter Milch sowie Zucker aus der Schweiz.

«Wir verwenden keine chemischen Zusatzstoffe, keine Stabilisatoren, Emulgatoren oder Bindemittel», so Borzatta. Trotzdem ist Lattesso 38 Tage haltbar. Dafür sorge ein patentiertes Verfahren, das ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis sei.

Eine ganz unbekannte Grösse ist Borzatta im Getränkemarkt nicht mehr. Als ehemaliger Partner beim Handelsunternehmen Trivarga hat er in der Schweiz bereits den Grüntee der Marke Arizona lanciert, der mittlerweile an vielen Orten zu kaufen ist.

Diese Bande hat der Innoprax-Manager aber mittlerweile gekappt: «Ich bin froh, dass ich heute der Miteigentümer einer eigenen Marke bin und nicht mehr von einem externen Markeneigentümer abhängig bin.»

Verschärfte Konkurrenzsituation

Nach der Entwicklungs- und Lancierungsphase ist die Arbeit mit Lattesso noch lange nicht erledigt. Im Gegenteil. Denn die hohen Wachstumsraten haben in den vergangenen Jahren viele Nachahmerprodukte entstehen lassen:

«Entsprechend hat sich die Konkurrenzsituation in Europa verschärft», sagt Branchenanalyst René Weber von der Bank Vontobel. Entscheidend für den Erfolg eines neuen Produkts sei vor allem der Zugang zu einem guten Absatzkanal.

Insofern steht Lattesso nicht mit den schlechtesten Karten am Start. «Mit Coop, Coop Pronto, Volg, Manor, Valora-Kiosken und dem Tankstellen-Belieferer Lekkerland sind wir in der Schweiz gestartet, und jetzt kommen laufend neue Absatzkanäle dazu», sagt Borzatta.

Im Mai soll dann auch der Startschuss für den Verkauf im Ausland fallen. «In Deutschland werden wir bei Aral, Shell, Total, Esso, Eni Agip und OMV in 2500 Tankstellenshop vertreten sein», so Borzatta.

In Belgien soll der Vertrieb über Tankstellen von Total laufen und in Österreich über den Tankstellenbetreiber OMV und BP. Mit weiteren Vertriebskanälen laufen die Verhandlungen noch. Das Ziel sei, im ersten Jahr sechs Millionen Becher zu verkaufen.

Und Denner? «Der Vertrieb über Discounter wird mittelfristig nicht forciert», so der Schweri-Enkel.