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Tabakindustrie: Der abenteuerliche Marlboro-Mann wird ängstlich

Bis vor kurzem schien die Tabakindustrie unverletzlich, die Aktien boomten. Doch nun stösst die Branche an ihre Grenzen.
Daniel Zulauf
Damals schien es noch, als könnte nichts und niemand der Tabakindustrie schaden: eine Marlborowerbung in Los Angeles aus dem Jahr 1997. (Bild: Gilles Mingasson/Getty)

Damals schien es noch, als könnte nichts und niemand der Tabakindustrie schaden: eine Marlborowerbung in Los Angeles aus dem Jahr 1997. (Bild: Gilles Mingasson/Getty)

Bis vor zwei Jahren schien es, als könnte nichts den Tabakgiganten dieser Welt etwas anhaben. Dabei wurden besonders in den USA auf rechtlicher Ebene sehr ernsthafte Anstrengungen unternommen, die Zigarettenhersteller in ihrem Expansionsdrang zurückzubinden.

Nach etlichen Fehlversuchen, die Branche für die immensen gesellschaftlichen Kosten des Rauchens in die Verantwortung zu nehmen, wurde sie 1998 durch Schadenersatzklagen von 40 amerikanischen Bundesstaaten doch noch in die Knie gezwungen. Zigarettenhersteller wie Philip Morris oder R. J. Reynolds mussten 206 Milliarden Dollar zur Deckung der verursachten Kosten im Gesundheitssystem zahlen. Es ist bis heute der teuerste Vergleich in der amerikanischen Justizgeschichte.

Doch für die Firmen war selbst diese Riesenrechnung kein ernsthaftes Problem. Von 1989 bis 2017 stieg der Wert der Aktien der im amerikanischen Börsenindex S&P 500 enthaltenen Tabakunternehmen im Durchschnitt um 1500 Prozent. Gleichzeitig sind die Kurse aller amerikanischen S&P-Firmen im Mittel um lediglich 500 Prozent gestiegen. Eine Studie der Deutschen Bank von 2017 nahm die eklatante Überperformance der Tabakaktien zum Anlass, die Wirksamkeit nachhaltiger Anlagestrategien infrage zu stellen.

Nachhaltige Anlagestrategien zielen darauf ab, schädliche Investitionen für Mensch und Umwelt einzudämmen. Vertreter dieses Investmentansatzes stellen sich auch auf den Standpunkt, dass die Rendite ethisch überlegener Investitionen mindestens so gut ausfällt wie jene von Anlagen, die keiner ethischen Selektion unterliegen. Die auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Zürcher Vermögensverwaltungsgesellschaft Forma Futura zum Beispiel schliesst alle Unternehmen aus ihrem Anlageuniversum aus, die mehr als 5 Prozent des Umsatzes mit Tabakprodukten generieren. «Der Trend auch bei institutionellen Anlegern geht in Richtung Nachhaltigkeit, und Tabakaktien werden von immer mehr Anlegern gemieden», sagt Balthasar Bänninger von Forma Futura.

Das grosse Dilemma der Investoren

Doch mindestens was die Tabakwirtschaft anbelangt, mussten Investoren ihre ethische Orientierung mit einem substanziellen Verzicht auf Rendite bezahlen. In der Studie der Deuschen Bank ist von einem «Dilemma» die Rede. Es bringt die Geldverwalter von Pensionskassen, Lebensversicherungen oder staatlichen Institutionen in den Konflikt, einerseits möglichst gute Anlageerfolge zu erwirtschaften und anderseits die damit verbundenen Kosten nicht auszublenden. Das Dilemma wird umso grösser, je mehr Tabakaktien an der Börse boomen.

Kursschwäche der Tabakaktien

Jetzt aber kämpft die Branche auch auf den Finanzmärkten mit Gegenwind. Diese Woche haben Philip Morris und der Marlboro-Produzent Altria Verhandlungen über eine Fusion per Aktientausch bestätigt. Beide haben schon bessere Zeiten gesehen: Seit September 2017 haben die Philip-Morris-Titel ein Drittel ihres Wertes verloren. Altria liegt ebenfalls mit 26 Prozent im Minus. Das zeigt, dass auch diese Industrie nun an ihre Grenzen stösst. Die Anzahl Raucher ist in den Industrieländern weiter rückläufig, die Auflagen werden weiter verschärft und lauter wird auch die Kritik an den E-Zigaretten, die Altria und Philip Morris gemeinsam verkaufen wollen. Mit der Kursschwäche der Tabakaktien dürfte es nun auch den Geldverwaltern leichter fallen, Tabak aus ihrem Anlageuniversum auszuschliessen. Für den Marlboro-Mann sind das keine guten Aussichten.

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