Frankenstärke
Der Autokauf von Schweizern im deutschen Grenzgebieten boomt

In Konstanz ist der Kaufrausch ausgebrochen: «Wir kommen kaum mehr nach. Unsere Telefone zeigen ständig die 0041 an», also die Schweizer Ländervorwahl, sagt Anett Schmidt vom Autohändler Gohm und Graf Hardenberg in Konstanz.

Claudia Rindt, Konstanz
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Wer beim Autokauf vom schwachen Euro profitieren will, fährt am besten nach Süddeutschland. Key

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Schweizer Konsumenten wollen von der Frankenstärke profitieren. An den deutschen Grenzübergängen im Raum Konstanz seien die Ausfuhren von Neuwagen in die Schweiz aktuell um 100 bis 200 Prozent gestiegen, sagt Robert Helfrich, Sprecher des Hauptzollamts Singen.

Bis zu 30 Prozent sparen

Hansjörg Blender vom gleichnamigen Renaulthändler in Konstanz und Radolfzell spricht von 15 bis 30 Prozent, die Schweizer derzeit durch den günstigen Wechselkurs einsparen könnten, obwohl sich die Autopreise in Deutschland und der Schweiz in den vergangenen drei Jahren angeglichen hätten. Seine Schweizer Kunden bevorzugten höherwertige Modelle. Oftmals investierten sie Ersparnisse gleich wieder in eine bessere Ausstattung wie Ledersitze, Metalliclackierung oder Navigationshilfen.

Marco Maier vom Autohaus Landmann und Maier in Singen hat sich auf den Import in die Schweiz spezialisiert und auf Autos, die er zuvor besonders günstig aus Dänemark eingeführt hat. Dieser Parallelimport soll den Kunden eine doppelte Preisersparnis sichern. Er gebe Währungsvorteile weiter und den Preisunterschied. Derzeit könnten sich die Nachlässe auf bis 15000 Franken summieren im Vergleich zum Listenpreis in der Schweiz. Kunden aus dem Grenzraum habe er schon immer gehabt, sagt Maier. Neu seien seit ein bis zwei Monaten die aus der Innerschweiz.

Wie andere Händler auch übernimmt Maier in Komplettpaketen die Formalien an der Grenze. «Innerhalb von 24 Stunden ist das Auto bereit zur Übergabe.» Der Schweizer Konsument muss die deutsche Mehrwertsteuer bei den Autohändlern gar nicht erst bezahlen. Die bei Kleineinkäufen übliche Verbuchung auf den grünen Zetteln und der Gang zum Zoll entfallen.

Parallelimporteure sind günstig

Dabei muss der Schweizer noch nicht einmal das Land verlassen, um kräftige Wechselkursvorteile mitzunehmen. Parallelimporteure wie Auto Kunz in Wohlen AG fahnden im Ausland nach den für den Schweizer günstigsten Kursschwankungen und Autopreisen. Diese unterscheiden sich oft erheblich von denen in der Schweiz. «Unsere Stärke liegt in der Marktbeobachtung», sagt Geschäftsleiter Roger Kunz. Wer zum richtigen Zeitpunkt zuschlage, könne bis zu 40 Prozent Preisnachlass im Vergleich zum Schweizer Listenpreis für ein Auto herausholen.

Dennoch: Schweizer Händler befürchten einen Vermögensverlust. Laut Max Nötzli, Präsident der Schweizer Vereinigung der Autoimporteure, ist die Zunahme der Direkt- und Parallelimporte bereits zu spüren. Ihr Anteil am Neuwagenkauf dürfte sich von 3 auf 6 Prozent verdoppelt haben. Nötzli hofft deshalb, dass der Euro bald nicht mehr so schwächelt. Die Schweizer Preise dem Niveau im Ausland anzupassen, sei nicht so einfach möglich. Denn mit einer Preissenkung würden mit einem Schlag auch Gebrauchtfahrzeuge an Wert verlieren, ebenso Autos, die Händler vorhalten. Dies wäre ein «Millionenverlust an Volksvermögen».

Generell dürfen die Autohändler aber kaum klagen: Die Zahl der Neuwagenverkäufe in der Schweiz ist bis Ende Juli um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bis Ende Juli wurden 184000 Neuwagen verkauft, gut 10000 mehr.