Banken
Der CS-Umbau gefällt nicht allen

Die Credit Suisse setzt immer stärker auf ultrareiche Kunden. Dabei geht sie auch Risiken ein.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam muss zum dritten Mal einen Verlust ausweisen.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam muss zum dritten Mal einen Verlust ausweisen.

KEYSTONE

Spannend werden Marathonläufe typischerweise erst auf dem letzten Streckendrittel. Das ist der Moment, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. An dieser Wegmarke ist auch CreditSuisse-Chef Tidjane Thiam angelangt. Mit seiner Strategie, die er sich im Herbst 2015 vom Verwaltungsrat genehmigen liess, lief der 56-Jährige lange Zeit einem Rückstand nach. Inzwischen scheinen ihm die Investoren den Erfolg aber zuzutrauen. Mit den gestern vorgelegten Jahreszahlen überraschte die Bank die Börse zum wiederholten Mal positiv. Der Aktienkurs notierte zeitweise fast 4 Prozent höher.

Der Marktwert des Finanzkonzerns hat sich inzwischen auf deutlich mehr als 40 Milliarden Franken etabliert. Verglichen mit der Zeit, als Thiam in das Rennen gestartet war, ist das zwar noch kein Fortschritt. Immerhin signalisiert der Markt, dass er in Zukunft keine Vernichtung des Aktionärswerts mehr erwartet.

Kapital verteilen

Thiam war nach Zürich gekommen, um die Bank in «die richtigen Märkte» und in «die richtigen Geschäftsfelder» zu führen und das vorhandene Kapital entsprechend zu verteilen. Dazu zählt der Chef die wachstumsträchtigsten Länder Asiens, Osteuropas, des Nahen Ostens, Lateinamerikas und Afrikas. Insbesondere bei ultrareichen Unternehmer-Kunden will sich die CS ins Geschäft bringen. Auch im lukrativen Schweizer Heimmarkt geniesst diese Klientel einen besonders hohen Stellenwert.

So schnell, wie die Bank auf diesem Weg ursprünglich voranzukommen hoffte, geht es aber offensichtlich nicht. Dies zeigt der vorliegende Geschäftsabschluss auch auf der Grundlage der bereinigten Zahlen. Aus diesen sind ausserordentliche Verlustquellen wie etwa die Wertberichtigung von 2,3 Milliarden Franken auf US-Steuerguthaben herausgerechnet. Der von der Bank selber ausgewiesene «bereinigte» Vorsteuergewinn von 2,8 Milliarden Franken liegt zwar weit über dem vergleichbaren Vorjahresergebnis von 615 Millionen Franken. Doch die diesem Wert zugrunde liegende Methode hat etwas Realitätsfernes. So werden der Aufwand für Restrukturierungen und die Kosten für juristische Streitfälle ausgeklammert, obwohl diese bei allen Grossbanken seit Jahren zum Alltag gehören.

Urteil aus Genf als Warnung

Aussagekräftiger ist die Ertragsentwicklung, die im Berichtsjahr leicht positiv war. Wachstum verzeichnete die Bank insbesondere im Vermögensverwaltungsgeschäft, wo beträchtliche Neugelder angezogen werden konnten. Doch in diesem Geschäft lauern beträchtliche Risiken, wie ein spektakuläres Gerichtsurteil vergangene Woche in Erinnerung ruft. Ein Genfer Gericht verurteilte einen ehemaligen CS-Vermögensverwalter und Betreuer ultrareicher Kunden aus Russland und Osteuropa zu fünf Jahren Haft. Der Banker hatte dem Kunden zur Vertuschung eigener Fehler hohe Verluste von insgesamt 140 Millionen Franken aufgebürdet. Dem Mitarbeiter gelang es, mit betrügerischen Methoden die Kontrollen der Bank zu umgehen. Darauf kann sich das Institut juristisch zwar beziehen, doch der Ruf nimmt dennoch erheblichen Schaden.

Der Fall legt die Risiken forcierter Wachstumsstrategien in der Vermögensverwaltung offen. Er sollte für das CS-Management wie auch für deren Aktionäre eine Mahnung sein, dass sich Marathonläufe mit Zwischensprints nicht gewinnen lassen.

Bescheidene Dividende

Auch im Schweizer Geschäft gewinnt die Credit Suisse mit ihrer Strategie nicht nur Freunde. Die starke Fokussierung auf das hochrentable Geschäft mit ultrareichen Kunden zwingt die Bank, ihre inländischen Aktivitäten mit kleineren Kunden so zu gestalten, dass sie im konzerninternen Vergleich nicht abfallen. Von den 1,4 Millionen Kunden, welche die Bank in der Schweiz betreut, werden inzwischen mehr als zwei Drittel von Mitarbeitern in einem Callcenter bedient. Für viele Kunden ist diese Behandlung mindestens noch stark gewöhnungsbedürftig.

Folgenlos dürfte dies für die Credit Suisse nur dann bleiben, wenn der Service zum Standard in der Branche wird. Wenig Freude dürften die kleinen Aktionäre auch an der Dividende haben, die sich mit 25 Rappen pro Aktie ziemlich bescheiden ausnimmt. In den Vorjahren konnten die CS-Aktionäre jeweils zwischen einer Bardividende oder einer Aktiendividende wählen. Jeweils etwa ein Viertel nahm die Bardividende in Anspruch. Nun muss dieses Geld unter allen Aktionären verteilt werden, weil es keine Aktiendividende mehr gibt.