Steuerbetrug
Der Datendieb der Steuer-CD war ein CS-Mitarbeiter

Die Daten-CD von mutmasslichen Deutschen Steuersünder, die ihr Geld bei der Credit Suisse vor dem Fiskus versteckt haben sollen, warf hohe Wellen. Nun zeigt sich: Hinter dem Verkauf der Kundendaten an die deutsche Justiz steckt ein CS-Mitarbeiter.

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Keystone

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen kaufte die CD im vergangenen Februar für 2,5 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf eröffnete daraufhin Ermittlungsverfahren gegen über 1000 mutmassliche Steuersünder. Auch die CS, respektive ihre Mitarbeiter in Deutschland, gerieten ins Visier der deutschen Behörden.

Das Versicherungs-Mäntelchen

Letzten Sommer durchsuchten Fahnder tagelang sämtliche CS-Filialen auf Bundesgebiet. Dabei wurden umfangreiche Aktenbestände und Computerdaten beschlagnahmt. Damit nicht genug: Es hab auch Razzien bei zwei deutschen CS-Mitarbeitern zu Hause. Der Verdacht der Behörden: Die Schweizer Bank habe deutschen Kunden systematisch bei der Steuerhinterziehung geholfen.

Insbesondere soll unversteuertes Geld von CS-Kunden laut «Tages-Anzeiger» in speziellen Lebensversicherungen auf den Bermudas versteckt worden sein. Diese Finanzvehikel sind so konstruiert, dass der wahre Eigentümer des Vermögens verborgen bleibt. Daher auch die englische Bezeichnung «Insurance Wrapper» (Versicherungs-Mäntelchen).

Panne bei Deutschen Behörden

Ermittelt wurde auch auf Schweizer Seite. Die Bundesanwaltschaft hat im Februar 2010 eine Strafuntersuchung eröffnet, unter anderem wegen Verdachts auf Wirtschaftsspionage. In Deutschland wurde um Rechtshilfe ersucht, und es wurden mehrere Rechtshilfebegehren an deutsche Bundesländer gerichtet. Offenbar ohne Erfolg.

Dass die Schweizer Fahnder trotzdem zu einem Erfolg kamen, hat auch mit einer Informationspanne der deutschen Ermittler zu tun. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft fertigte ein Dossier des Informanten an, das mit den Credit-Suisse-Akten an die Anwälte der mutmasslichen Steuersünder verteilt wurde. Im Dossier fand sich auch eine Beschreibung des Datenverkäufers. Diese landete bei den Schweizer Behörden. Die Beschreibung passte auf Wolfgang U.

Der 42-jährige Grafiker aus Österreich ist weder Banker noch Computerexperte und war wohl ein Strohmann des CS-Mitarbeiters. U. ist in einer Vorarlberger Bank aufgefallen, weil er eine grössere Geldsumme überweisen wollte. Die Bank erstattete Anzeige wegen Verdachts auf Geldwäscherei. Offenbar erfuhr die Bundesanwaltschaft von den Ermittlungen, und hat den Mann letzten Herbst verhaftet.Wenige Tage später erhängte sich der Verdächtige in seiner Zelle im Regionalgefängnis Bern mit einem Fernsehkabel. «Der Mann war Mitte September von der Bundesanwaltschaft unter anderem wegen Verdachts auf wirtschaftlichen Nachrichtendienst verhaftet worden», sagt Balmer. Den Fall des eigentlichen Datendiebs, des CS-Mitarbeiters, der noch in Haft sitzt, will die Bundesanwaltschaft aus ermittlungstechnischen Gründen nicht kommentieren.