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«Der Durchbruch wird erst 2019 kommen»

Ferdinand Dudenhöffer (65) ist Professor für Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen. Früher arbeitete er bei Porsche, Opel, Peugeot und Citroën.
Bild: pd

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Die Zahlen der Elektroauto-Neuzulassungen in der Schweiz stagnieren. Wie erklären Sie sich das?

Die Zahlen gehen aktuell zurück, das war zu erwarten. Denn die Elektroautos, die man heute kaufen kann, sind für Private noch nicht interessant. Das Hauptproblem sind die fehlenden Reichweiten. Das liegt an den Autobauern. Dazu fehlt die Ladeinfrastruktur, also «Tanksäulen». Hier sind die öffentlichen Gemeinden in der Pflicht. In grösseren Städten wie Zürich ist es zum Beispiel ein Problem, da die meisten keinen eigenen Parkplatz haben, wo sie ihr Auto aufladen können. Und zuletzt sind im Moment die Anreize für Käufer zu klein, weil Benzin und Diesel relativ günstig sind.

Widerspiegeln die neuesten Zahlen lediglich eine Momentaufnahme oder sehen Sie einen Trend?

Es ist eine Momentaufnahme. 2017 wird für die Elektroauto-Industrie zwar kein schönes, aber auch kein entscheidendes Jahr. Grundsätzlich ist es so: Die Elektromobilität hat in den letzten Jahren weltweit zwei grosse Befürworter gehabt: China, und dort wird es auch weitergehen, wenn auch mit etwas weniger Schwung. Und der zweite Befürworter war Obama, der nun wegfällt. In den USA bleibt nur noch Kalifornien, wo es weiter vorwärts gehen wird.

Wie geht es denn weiter in naher Zukunft?

Für 2018 gibt es viele Modell-Ankündigungen der grossen Autobauer. Der grosse Durchbruch wird aber erst 2019 kommen. Dann wird es eine richtige Auswahl geben, dann werden alle grossen Hersteller wie BMW, Mercedes oder VW Modelle auf dem Markt haben, die genug Kilometer schaffen und die auch aussehen wie «normale» Autos. Dass Elektroautos aussehen wie «Marsfahrzeuge», das ist vorbei.

Und wo sehen Sie den Markt respektive die Verkäufe in zehn Jahren?

2027 werden zwischen 15 und 20 Prozent aller Neuzulassungen Elektroautos sein. Mit diesen Zahlen planen übrigens auch die Autobauer.

Welche Hersteller dürften sich denn durchsetzen?

Das ist schwierig abzuschätzen. Klar ist: Die Chinesen werden kommen. Aber auch die europäischen Hersteller brauchen das Elektroauto, denn 2021 kommt in der EU für verkaufte Neuwagen eine neue, strengere Abgaslimite. Denjenigen Autobauern, die diese nicht einhalten, drohen hohe Millionenstrafen.

Was sagen Sie zur Kritik, Elektroautos seien ökologisch gar nicht sauberer als kraftstoffbetriebene? Etwa, wenn Strom aus Kohlekraftwerken bezogen wird, um damit dann das Auto zu betreiben?

Das ist eines der langweiligsten Argumente, das ich immer wieder höre. Bei den Elektroautos sind wir bei Stunde null. Beim Verbrennungsmotoren sind wir etwa im Jahre 150. Berichte, die behaupten, Elektroautos belasteten die Umwelt gleich stark wie benzin- oder dieselbetriebene Autos, sind für mich nahe an «Fake News». Wenn jemand ein Elektroauto fährt, dann tut er das ziemlich sicher mit grünem Strom. Denn ein solcher Fahrer ist informiert und kümmert sich um die Umwelt. Das sind nicht alles Ökofreaks, doch es sind Leute, die ein Herz haben für den Eisbären, dem die Eisscholle wegschmilzt. (lb)

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