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Kolumne

Der Eurokurs und das Cannabis-Rauchen

Was hat die Geldpolitik der Nationalbank mit Kiffen zu tun?
Marco Passardi
Marco Passardi

Marco Passardi

Wer die vergangenen Sommerferien im Euro-Ausland verbracht hat, der dürfte sich kürzlich etwas geärgert haben. So bewegte sich der Eurowechselkurs im Juli, der klassischen Schulferienzeit, um rund 1.17 Franken pro Euro. Mittlerweile ist der Euro aber deutlich günstiger zu haben: Der Kurs ist spürbar gesunken; nur gerade 1.12 Franken sind aktuell nötig, um einen Euro zu kaufen. Das entspricht einem Verlust von rund 4 Prozent innerhalb weniger Wochen. Wären jetzt also Sommerferien, so wäre für uns Schweizer im Euroraum alles 4 Prozent billiger zu haben – Hotel, Essen, Souvenirs oder der Mietwagen.

Wie kann sich der Wert des Euros überhaupt (so stark) verändern? Grundsätzlich erklären die Wirtschaftswissenschaften die Entstehung von Preisen mit der Funktionalität von Angebot und Nachfrage: Je mehr Euro nachgefragt werden, um diese gegen Schweizer Franken zu tauschen, desto höher sollte der Kurs des Euro steigen (und umgekehrt).

Ein Blick auf die existierende Menge an Euros dürfte klarmachen, dass kaum die Schweizer Ferientouristen für die Wertsteigerung des Frankens beziehungsweise den Verlust des Euros verantwortlich sein dürften. Die Summe aller von der in Frankfurt domizilierten Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegebenen Euronoten und Münzen beträgt aktuell rund 1,1 Billionen Euro.

«Es wird diskutiert, ob es das Ziel einer Notenbank sein kann, Wechselkurse zu steuern oder ob nicht vielmehr das Vermeiden von Inflation zu den primären Zielen gehören sollte.»

Wer «bewegt» nun durch sein Angebot respektive seine Nachfrage effektiv den Wechselkurs zwischen Euro und Schweizer Franken? – Ein wesentlicher Akteur hier ist die Schweizerische Nationalbank (SNB). Deren Tätigkeit basiert unter anderem auf dem Nationalbankengesetz (NBG) sowie den dazugehörigen «Richtlinien über das geldpolitische Instrumentarium». Fachlich wird zuweilen sehr kontrovers diskutiert, ob es das Ziel einer Notenbank sein kann oder soll, Wechselkurse zu steuern oder ob nicht vielmehr das Vermeiden von Inflation zu den primären Zielen gehören sollte. Während die Schweizer Nationalbank zwischen September 2011 und Januar 2015 einen «Mindestkurs» von 1.20 Franken pro Euro garantierte, schwankt seither der Wert des Euros (wie im Übrigen auch vor 2011) mehr oder weniger frei.

Was passiert nun, wenn die Nationalbank interveniert, um den Euro zu stärken beziehungsweise den Schweizer Franken zu schwächen? Die Zusammenhänge sind zuweilen komplex, aber im Wesentlichen erhält die SNB durch ihre Interventionen einen (mittlerweile gewaltigen) Betrag an Devisen: Per Ende Juni 2018 lag deren Wert bei 748,52 Milliarden Franken. Diese Devisen investiert die Nationalbank nun so, wie dies auch ein «gewöhnlicher» Anleger tun würde.

Das heisst, sie kauft unter anderem Aktien von Unternehmen, um auf den investierten Geldern eine bestimmte Rendite zu erzielen. Letztere wiederum fliesst dann teilweise als Gewinnausschüttung an die Kantone und damit an uns alle zurück. Die Öffentlichkeit kann sich darüber informieren, wie die SNB ihre Investments tätigt: Die Grundsätze der Anlagepolitik, die verwendeten Anlageinstrumente sowie der Anlage- und Risikokontrollprozess sind in Richtlinien detailliert beschrieben und öffentlich einsehbar.

Der Kauf bestimmter Aktien führte nun in der Öffentlichkeit zu polemischen Kommentaren. So wurde unlängst bekannt, dass die Schweizerische Nationalbank knapp 300 000 Aktien der «First Cannabis Company», welche in Nordamerika beheimatet ist, erworben hat. Der aktuelle Wert der Titel beträgt rund 16 Millionen Dollar.

Dieses kanadische Unternehmen verfolgt das (selbsterklärte) Ziel, «Medical Cannabis»-Produkten zu verhelfen, «affordable for patients» zu sein, das heisst im Kern, Cannabis für medizinische Zwecke verfügbar zu machen. Ebenso Bestandteil dieser Strategie ist es, das Recht jedes Patienten zu betonen, Cannabis zu Hause züchten und als Unternehmen deshalb auch Cannabissamen verkaufen zu dürfen.

Wie sich der Euro-Franken-Kurs weiterentwickelt ist offen – das exakte Prognostizieren von Wechselkursen ist kaum möglich und von sehr vielen weiteren Faktoren abhängig. Wer also für die kommenden Herbstferien Devisen benötigt, kann kaum im Voraus zuverlässig abschätzen, wie der Kurs dannzumal sein wird. Wer Ferien in den (Zentralschweizer) Alpen macht, ist von solchen Überlegungen aber sowieso ausgenommen.

Marco Passardi ist Professor, Dozent und Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

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