Peter Spuhler
Der Kanton Aargau feiert die ABB

Die SBB braucht für den Zürcher Nahverkehr 50 neue Züge – die ABB in Turgi stellt das Antriebssystem her.

Drucken
Teilen

Vasilije Mustur

Der neue ABB-Umrichter

Der neue Antriebsstromrichter für die Zürcher S-Bahn versorgt den Motor mit Strom und treibt die Züge damit an. Das ganze elektrische Paket erbringt eine Leistung von 750 Kilowatt und kostet pro Gerät 800 000 Franken. (muv)

«Die S6 nach Baden, Abfahrt 16:02 , trifft mit einer Verspätung von vier Minuten ein. Für die Verzögerung bitten wir Sie um Entschuldigung». An diese Durchsage der SBB haben sich Zürcher Pendler schon fast gewöhnt. Doch das soll sich jetzt ändern - mit Know-how aus dem Kanton Aargau.

Um das völlig ausgelastete Schienennetz des Zürcher Nahverkehrs zu entlasten, haben die SBB letztes Jahr Stadler Rail beauftragt, 50 neue Doppelstock-Triebzüge zu bauen. Auftragsvolumen: Rund eine Milliarde Franken. «Stadler Rail konnte - auch dank des Auftrags der SBB - in den letzten Monaten die Zahl der Mitarbeiter von 1800 auf 2300 Mitarbeiter aufstocken», sagt Stadler-Rail-Chef und SVP-Nationalrat Peter Spuhler.

ABB kriegt 90 Millionen

Damit nicht genug: Von der achtjährigen Partnerschaft zwischen der Firma von Peter Spuhler und der ABB, konnte der Technologiekonzern profitieren. Zwar wurden keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, doch der Auftrag spülte zusammen mit zwei weiteren Aufträgen insgesamt 90 Millionen Franken in die ABB-Kasse.

Die Ingenieure entwickelten nach Auftragseingang innert zehn Monaten in Turgi das neue elektronische Antriebssystem, auch Umrichter genannt, für die neuen S-Bahnen (siehe Box). Dabei konnten die Ingenieure mit modernster Technik 20 Prozent Platz und Gewicht sparen. Die Folge: Es enstand mehr Raum für Sitz- und Stehplätze. «Das ist der modernste Stromrichter, den es derzeit auf dem Markt gibt», sagt Remo Lütolf, Leiter des weltweiten Geschäftsbereichs Leistungselektronik und Mittelspannungsantriebe.

Selbst der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann liess seiner Freude über das ABB-Werk und dessen Innovation freien Lauf. Darüber hinaus ist er der Ansicht: «Ohne Hightech aus dem ABB-Werk in Turgi, würden die Zürcher S-Bahnen still stehen».

Staiblin: Schluss mit Babypause

Nebst der neuesten Erfindung der ABB und Stadler Rail, war eine Frau der Star der Veranstaltung. Für ABB Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin war es nämlich nach ihrer 16-wöchigen Babypause der erste öffentliche Auftritt. Auf die Frage, wie sie auf den Rummel um ihre Person und die Diskussion um die Vereinbarkeit von Mutter und Firmenchefin empfunden habe, reagierte die frisch gebackene Mutter mit einem charmanten Lächeln, antwortete jedoch bestimmt: «Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu diesem Thema keine Aussage machen möchte».