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Kolumne

Der Konzern, das Wasser und der Profit

Wasser ist ein besonderes Gut, das man nicht einfach so privatisieren kann. Konzerne wie Nestlé machen damit aber gross Kasse.
Monika Roth
Monika Roth (Bild: Pius Amrein)

Monika Roth (Bild: Pius Amrein)

Bald, nämlich Anfang März beginnt die Fastenzeit, die nicht nur in Bezug auf die Ess- und Trinkgewohnheiten Einfluss hat für denjenigen, der sie befolgt. Nicht wenige nutzen diese Wochen, um ganz bewusst auf Wein und andere Alkoholika zu verzichten und essen keine Süssigkeiten. Sie trinken mehrheitlich Wasser.

Wasser. Nicht erst seit der Dürre des letzten Sommers sollte jedermann klar sein, dass es ein besonderes Gut ist, eine Ressource, die man nicht einfach privatisieren kann. Nestlé hat sich (auch) in Kalifornien Ärger eingehandelt. Nestlé ist weltweit der grösste Produzent von in Flaschen abgefülltem Trinkwasser. Den maximalen diesbezüglichen Image-Crash verursachte das Unternehmen sich selbst. In einem Interview hatte 2012 der damalige Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck gesagt, dass Wasser kein öffentliches Gut und der Zugang zu Wasser kein Menschenrecht sei, sondern dass Wasser einen Marktwert habe. Im Dezember 2017 hatte sich der «Stern» mit der Angelegenheit in Kalifornien befasst und ein Jahr später berichtet die «Süddeutsche Zeitung» am 8. Dezember 2018 unter dem Titel «Aufruhr an der Quelle» über die gleiche Angelegenheit. Diese zeichnet sich zunächst dadurch aus, dass der Konzern gar nichts zahlt für das bezogene Wasser. Lediglich eine Verwaltungsgebühr von lächerlichen 2000 Dollar ist geschuldet. Die Ware ist gratis, die Gewinnmarge gewaltig. Es gibt dort eine heftige Kontroverse darüber, wem Wasser denn überhaupt gehören soll. Dem Wald, dem Berg sagen die einen und warten nur noch darauf, dass der Konzern demnächst saubere Luft verpackt; die anderen sehen Wasser als Lebensmittel wie ein anderes (wobei: die sind ja eigentlich nie kostenlos).

Eine Initiative mit dem Namen «The Economics of Ecosystems and Biodiversity (TEEB)» unternimmt den Versuch, «Ökosystemdienst­leistungen» zu bewerten; dazu zählen sauberes Wasser, Luft und Nahrung. Biodiversität muss global bewahrt und angegangen werden; darum sind entsprechende Initiativen richtig und wichtig. So wird seit langem gefordert, dass die Ozeane, welche die Hälfte der Erdoberfläche ausmachen, ebenfalls anders gemanagt werden müssen. Es wird unter anderem die Forderung nach mehr Schutzgebieten ausgesprochen und nach einer aktiven Rolle der UNO. Wenig davon ist vorhanden – ein Mangel nicht nur bezüglich der Ozeane. Als Allmende (im englischen «Commons») werden gemeinschaftlich genutzte und bewirtschaftete Güter benannt – also im ursprünglichen Sinn des Wortes «Gemeinplätze». Ein Beispiel bildet das Grundwasser, das von vielen verwendet wird. Der Anspruch des einzelnen Nutzers, Ressourcen ohne Rücksicht auf andere für sich so viel und so billig wie möglich zu verwenden und dies ungeachtet der Tatsache, dass damit allenfalls die Ressource zerstört wird, ist nie legitim. Diese Zerstörung wurde als «the tragedy of the commons» bezeichnet.

Die Frage, wie mit Umwelt-«Gütern» umzugehen ist, damit sie nicht durch die Nutzung zerstört werden, ist seit 1968 ein Thema in der Wissenschaft. Die US-Professorin Elinor Ostrom war eine Pionierin. Als erste und bis anhin einzige Frau wurde sie 2009 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Die Begründung für die Preisvergabe bezog sich auf ihre Analyse des ökonomischen Handelns im Bereich der Gemeinschaftsgüter. Ihre Arbeiten sind für die Nachhaltigkeitsdebatte zentral. Nestlé nutzt Wasserquellen weltweit, nicht nur im ausgetrockneten Kalifornien, und muss sich damit auseinandersetzen, ob diese Nutzenmaximierung noch verantwortbar ist. Wer, wenn nicht Nestlé, muss die Wasserdiskussion in neue Kanäle lenken. Nestlé wirbt für Nespresso mit George Clooney und «What else?». Cool wäre es, der Weltkonzern würde bezüglich Wasser sagen: «Who else» und Vorreiterin in der Debatte werden.

Monika Roth ist Rechtsanwältin und Professorin an der Hochschule Luzern.

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