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Der «Krypto-Winter» setzt den Zuger Einhörnern zu

Die Marktbewertung der 50 grössten Schweizer Blockchain-Unternehmen hat sich innerhalb von drei Monaten mehr als halbiert. Ausserdem gibt es immer mehr Zweifel am Potenzial der Blockchain. Doch die Zahl der Unternehmen nimmt zu.
Maurizio Minetti
Mathias Ruch, Chef der Zuger Blockchain-Beteiligungsgesellschaft CV VC. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Zug, 20. September 2018)

Mathias Ruch, Chef der Zuger Blockchain-Beteiligungsgesellschaft CV VC. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Zug, 20. September 2018)

Nach einem lange andauernden Hype sind 2018 die meisten Kryptowährungen ins Bodenlose abgestürzt. Analog dazu mussten in den letzten Monaten einige Krypto-Unternehmen wie zum Beispiel die Zuger Wechselstube Shapeshift oder der ebenfalls in Zug ansässige Krypto-Schürfer Bitmain Stellen streichen oder ihre Strategien anpassen. Diese allgemeine Ernüchterung wird in der Branche «Krypto-Winter» genannt.

Der Einbruch der Kryptowährungen drückt auch auf die Bewertung dieser Start-ups, die sich mit Kryptowährungen finanzieren. Ein am Donnerstag veröffentlichter Report des Beratungsunternehmens PwC in Zusammenarbeit mit der Zuger Blockchain-Beteiligungsgesellschaft CV VC und dem Zuger IT-Dienstleister Inacta zeigt, dass die Marktbewertung der 50 grössten Schweizer und Liechtensteiner Blockchain-Unternehmen vom dritten zum vierten Quartal 2018 von 44 auf 20 Milliarden US-Dollar gesunken ist. Über die Hälfte dieser Unternehmen hat ihren Sitz im Kanton Zug, wo in den letzten Jahren das Crypto Valley entstanden ist.

Noch im Herbst zählte das Crypto Valley mit Xapo, Bitmain, Cardano, Dfinity und Ethereum fünf Unternehmen oder Projekte, die eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar erreicht hatten. Solche hoch bewerteten Start-ups nennt man «Einhörner», weil sie so selten sind wie der Legende nach die Fabelwesen. Gemäss der neusten Analyse gehört der Zahlungsdienstleister Xapo nun aber nicht mehr zu diesem illustren Kreis.

Blockchain zu komplex und gar nicht nötig?

Obschon die Bewertungen der Firmen aus dem Crypto Valley massiv eingebrochen sind, hat sich die Anzahl der Schweizer Unternehmen, die mit der Blockchain-Technologie arbeiten, im gleichen Zeitraum von 629 auf 750 erhöht. Das entspricht einem Wachstum von fast 20 Prozent gegenüber der letzten Erhebung per Ende September 2018. Insgesamt beschäftigt die Branche in der Schweiz und in Liechtenstein rund 3300 Mitarbeitende. Die Daten stammen aus CV Maps, einem von CV VC unterhaltenen Online-Verzeichnis der Blockchain-Firmen in der Schweiz und in Liechtenstein.

«Der Report zeigt, dass sich Unternehmen, die Blockchain-basierte Anwendungen und Infrastrukturlösungen entwickeln, halten konnten. Und dass es eine beeindruckende Anzahl neuer Start-ups mit innovativen Anwendungsfällen an die Spitze geschafft haben», lässt sich der Chef von CV VC, Mathias Ruch, in einer Mitteilung zitieren. Ralf Glabischnig von Inacta beobachtet zudem «verstärkte Aktivitäten der Grossunternehmen, die mit eigenen Projekten oder Start-up-Investments in den Blockchain-Markt einsteigen.»

Allerdings gab es in den letzten Monaten auch Anzeichen, dass Blockchain-Projekte nicht immer die erhoffte Effizienzsteigerung bringen. Für Aufsehen sorgt dieser Tage eine McKinsey-Studie, die aufgezeigt hat, dass die Blockchain zu komplex und für viele Anwendungen gar nicht erforderlich ist. Kurz davor war die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (Usaid) nach der Analyse von 43 Blockchain-Projekten zum Schluss gekommen, dass es keinerlei Beweise für den Erfolg auch nur einer der Lösungen gibt.

Xapo verlegt Teile des Krypto-Geschäfts nach Zug

Das auf die Verwahrung von Kryptowährungen spezialisierte Unternehmen Xapo verlegt Teile seiner Geschäftsaktivitäten schrittweise von Hongkong nach Zug. Als Grund nennt die Firma regulatorische Rahmenbedingungen. Betroffen seien insbesondere die Vermögenswerte von institutionellen Kunden. Die Verlagerung ins Zuger Crypto Valley, wo Xapo neben den Standorten in Hongkong und Palo Alto bereits aktiv ist, sei «Schritt für Schritt» vorgesehen: «Es handelt sich hauptsächlich um Vermögenswerte von institutionellen Kunden», sagte ein Sprecher des Schweizer Ablegers. Genaue Volumen nannte er nicht.

Zwar seien die meisten Kunden von Xapo Privatpersonen, der grösste Teil des verwalteten Vermögens werde aber von institutionellen Investoren gehalten, sagte der Sprecher und betonte gleichzeitig, dass die Verschiebung von Aktivitäten nicht die Einstellung aller Aktivitäten in der ehemaligen britischen Kolonie bedeute. Vielmehr gehe es um eine «allmähliche Migration», die bereits im vergangenen Herbst begann, nachdem das Unternehmen einer Selbstregulierungsorganisation (SRO) beigetreten war. Eine solche Zugehörigkeit gilt als Mindestanforderungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) als Voraussetzung für die Zulassung als Vermögensverwalter.

Regulationsrahmen besser

Als Grund der Übung gab Xapo-Präsident Ted Rogers in einem Interview mit Swissinfo am Rande des World Web Forum vom vergangenen Wochenende an, dass Hongkong zwar einst als sehr Krypto-freundlich galt, die Regulierung aber zunehmend undurchsichtiger geworden sei. Zeitgleich nannte Rogers die Schweizer Regulierungsbehörden intelligent, interessiert und anspruchsvoll, was den Kryptomarkt angehe.

Xapo gilt als einer der wichtigsten Akteure im Bereich der Speicherung von digitalen Vermögenswerten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzte das Volumen der von Xapo im letzten Frühjahr verwalteten Bitcoins auf 10 Milliarden Dollar. Dies entspräche rund 7 Prozent des gesamthaft zirkulierenden Volumens der «Krypto-Leitwährung». (sda)

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