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Interview

«Der Kunde zahlt dann dreifach»

Die Regulierung des zeitversetzten Fernsehens, Replay-TV, stösst auf Widerstand. Cécile Thomi, Leiterin Recht bei der Stiftung für Konsumentenschutz, befürchtet massive Mehrbelastungen für Endkunden.
Interview: Stefan Borkert
Replay-TV ermöglicht es live und zeitversetzt Sendungen anzuschauen. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Replay-TV ermöglicht es live und zeitversetzt Sendungen anzuschauen. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Cécile Thomi, warum sind die Konsumenten eher für die Replay-Funktion?

Zeitversetztes Fernsehen gehört seit Jahren zum standardmässigen TV-Konsumverhalten. Es ermöglicht ein zeitunabhängiges Konsumieren des TV-Programms. Die Funktion ist bei den Konsumenten sehr beliebt und diese sind deshalb auch bereit, dafür entsprechende Abonnementspreise zu bezahlen.

Muss man als Konsument nicht auch an die Einnahmenseite der TV-Sender denken? Wobei die Berechnungsgrundlagen der Sender für Einnahmenausfall nicht sehr transparent sind.

Der Konsument ist sich bewusst, dass TV-Programme nicht aus dem Nichts entstehen. An der Finanzierung beteiligen sich die Konsumenten heute ausreichend und zwar indem sie auf privaten Sendern stundenlange Werbeeinspielungen über sich ergehen lassen. Vielfalt und Qualität des SRG-Programms dürften zudem in erster Linie durch die Gebührengelder, deren Weiterbestand ja gesichert ist, garantiert sein.

Tragen TV-Anstalten ihren Streit um Werbeanteile auf dem Rücken der Konsumenten aus?

Streitereien um die Aufteilung des Werbekuchens im TV-Bereich dürfen nicht auf dem Buckel des Konsumenten ausgetragen werden. Sollte Replay-TV in der heutigen Form tatsächlich zu einer unfairen Verteilung der Werbegelder führen, dann ist es Sache der Sendeanstalten und TV-Verbreiter beziehungsweise Replay-Anbieter sich zu verständigen.

Drohen jetzt höhere Kosten beim Fernsehen?

Nicht akzeptieren können wir eine Regelung, welche einmal mehr Mehrkosten zu Lasten der Konsumenten verursacht. Genau dies könnte bei Umsetzung der geplanten Regulierung geschehen. Replay-Anbieter müssten sich das Recht, zeitversetztes Fernsehen anbieten zu dürfen, erkaufen. Diese Aufwände werden die Replay-Anbieter mit Sicherheit über den Abonnementspreis auf den Konsumenten überwälzen.

Entgehen den TV-Sendern vielleicht gar keine Gelder?

Na, ja, aus den statistischen Zahlen ist nicht viel davon zu sehen, dass TV-Sender tatsächlich mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen zu kämpfen hätten.

Anbieter von Replay-Funktionen bezahlen schon an die Sender. Das sollte doch die jetzt so beklagten «Ausfälle» eigentlich kompensieren, oder nicht?

Genau. Das zeitversetzte Fernsehen ist im Gemeinsamen Tarif 12 (GT 12) zwischen den fünf Urheberrechtsverwertungsgesellschaften Pro Litteris, SSA, Suisa, Suissimage und Swissperform sowie den Nutzerverbänden beziehungsweise Diensteanbietern geregelt. Diese Kosten werden auf den Endkonsumentenpreis geschlagen.

Also wird der Kunde mit der neuen Regelung gleich mehrfach zur Kasse gebeten?

Bei Umsetzung der nun vorgeschlagenen Regelung würde der Konsument Replay-TV doppelt bezahlen: Einmal über den GT 12 und über die neuen Kosten, die durch die Deals zwischen TV-Sendern und Anbietern entstehen, welche diese Mehrkosten dann auf den Konsumenten überwälzen werden. Eigentlich kann man sogar sagen, dass der Konsument dreifach zur Kasse gebeten wird. Denn in erster Linie bezahlt er die Möglichkeit für zeitversetztes Fernsehen ja schon über den Abonnementspreis an den Replay-TV Anbieter.

Ist das Fernmeldegesetz (FMG)überhaupt der richtige Ort für eine Änderung der Bedingungen für Replay-TV?

Das ist eine gesetzgebungstechnische Frage, die nicht in unserer Kompetenz liegt.

Sollte die Replay-Funktion noch erweitert werden? Oder wäre ein Kompromiss, also zwei oder drei Tage statt einer Woche, ein Weg?

Eine derartige Forderung oder ein solcher Kompromissvorschlag steht zurzeit nicht im Raum. Aus Sicht des Konsumenten stellt die Replay-Funktion ein Fernmeldedienstangebot dar wie viele andere auch. Je nach Bedingungen und Ausgestaltung ist der Kunde bereit, dafür einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Was er ja heute bereits tut.

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