Der Luzerner Stahlkocher Swiss Steel bekennt sich zur Schweiz – aber die künftige Strategie bleibt noch unklar

Aus der Schmolz+Bickenbach AG soll die Swiss Steel Group AG werden. Dahinter steckt mehr als eine blosse Namensänderung. Was Firmenkenner von den Plänen halten.

Maurizio Minetti
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Am Hauptsitz des Stahlherstellers Schmolz+Bickenbach in Luzern macht man sich schon seit geraumer Zeit Gedanken darüber, den sperrigen Firmennamen loszuwerden. Am 21. September soll es nun so weit sein. An einer ausserordentlichen Generalversammlung soll die Schmolz+Bickenbach AG in Swiss Steel Group AG umbenannt werden.

Der Sitz von Swiss Steel in Emmenbrücke LU.

Der Sitz von Swiss Steel in Emmenbrücke LU.

Dominik Wunderli (29. Juni 2020)

Die Marke eines Unternehmens sei ein Spiegelbild seiner Identität, heisst es in einer Einladung an die Aktionäre: «Ein neuer Name signalisiert einen Neuanfang und eine klare, zukunftsgerichtete Positionierung sowie die Ziele und den Beitrag an die Gesellschaft als starkes Unternehmen mit Sitz und Börsenkotierung in der Schweiz», heisst es da.

Damit geht der Stahlkonzern mit Werk in Emmenbrücke zurück zu seinen Wurzeln. Die deutsche Stahlhandelsfirma Schmolz+Bickenbach hatte 2003 die Aktienmehrheit der Swiss Steel übernommen, später änderte sich auch der Gruppenname. Der heutige Hauptaktionär Martin Haefner hat die Erben der Familien Schmolz und Bickenbach aber unlängst ausbezahlt und die Kontrolle übernommen.

Banken wollen einen klaren Businessplan

Das Unternehmen befindet sich allerdings seit Monaten im Krisenmodus. Kaum hatten Amag-Erbe Haefner und die dem russischen Investor Viktor Vekselberg nahestehende Gesellschaft Liwet das Unternehmen per Anfang dieses Jahres gerettet, folgte die Coronakrise. Nun braucht das verlustreiche Unternehmen erneut frisches Kapital. Am 21. September soll deshalb zunächst eine Kapitalherabsetzung beschlossen werden, um letztlich eine Kapitalerhöhung zu ermöglichen.

Während die Finanzierung einmal mehr unsicher ist, rückt mit der geplanten Namensänderung die Strategie wieder in den Fokus. Eine Person, die mit den Vorgängen beim Stahlkocher vertraut ist, sagt: «Die Banken drängen schon lange auf einen konkreten Businessplan. Bis heute ist nicht klar, in welche Richtung das Unternehmen steuern will.»

Einerseits sei da die geografische Abdeckung. Ähnlich wie andere Stahlkonzerne habe Schmolz+Bickenbach in den letzten Jahren weltweit expandiert, etwa nach Frankreich und in die USA. «Vor allem die Übernahme der französischen Ascometal erwies sich aber als Schlag ins Wasser», sagt der Firmenkenner. Er schliesst nicht aus, dass sich Schmolz+Bickenbach von diesen Aktivitäten wieder trennen könnte. In der Vergangenheit hatten Mitbewerber aus Italien und Österreich Interesse an Firmenteilen von Schmolz+Bickenbach signalisiert. «Allerdings wäre eine solche Desinvestition nur eine kurzfristige Lösung, um an Geld zu kommen. Langfristig braucht es eine klarere Strategie», sagt er.

Unternehmen prüft alle Optionen

Zwei ehemalige Chefs des Luzerner Stahlherstellers interpretieren die geplante Namensänderung derweil als gutes Zeichen und als Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz. André von Moos war von 1986 bis Ende 1996 in verschiedenen Funktionen im Unternehmen tätig, zuletzt als CEO. Der 70-Jährige hatte vor einem Jahr gemutmasst, Grossaktionär Haefner sei womöglich langfristig daran interessiert, die riesige Fläche in Emmenbrücke umzunutzen. Haefner selbst hatte daraufhin entgegnet, eine mögliche Umnutzung des Areals spiele «zum jetzigen Zeitpunkt für mich überhaupt keine Rolle».

Heute sieht von Moos den Produktionsstandort Emmenbrücke wieder besser positioniert. Hingegen müsse sich das Unternehmen fragen, «ob es wirklich weltweit tätig sein will und ob es vom hochwertigen Werkzeugstahl bis zum einfachen Maschinenbaustahl tatsächlich alles produzieren muss.» Von Moos glaubt, dass sich die zukünftige Swiss Steel Group auf Segmente konzentrieren wird, mit denen sie langfristig Geld verdient. Das wäre in erster Linie der Spezialstahl, der in Emmenbrücke hergestellt wird.

Auch Marcel Imhof, von 1997 bis 2005 CEO von Swiss Steel, begrüsst die geplante Namensänderung. «Der Name Schmolz+Bickenbach ist lang und sperrig. Er lässt sich in anderen Sprachen schwierig aussprechen. Dazu kommt, dass Schmolz+Bickenbach ursprünglich ein Händler und kein Stahlproduzent war, was teilweise zu Verwechslungen mit einer nicht zum Konzern gehörenden Handelsfirma in St. Gallen führte.» Imhof glaubt aber nicht, dass die Swiss Steel Group zukünftig weniger international tätig sein wird als bisher. Es sei jedoch klar, dass einige Länderniederlassungen restrukturiert werden müssen.

Auf Anfrage erklärt das Unternehmen, im aktuellen Prozess sei das Management verpflichtet, «alle Optionen zu prüfen». In diesem Rahmen werde selbstverständlich hinterfragt, ob man Einheiten verkaufen könnte und zu welchen Konditionen. «Derzeit ist sicherlich kein günstiges Umfeld für Unternehmensverkäufe», sagt Firmensprecherin Andrea Geile.

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