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Der neue Implenia-CEO ist ein Mann fürs Grobe

Der neue Implenia-Chef kommt zwar nicht aus der Baubranche, sondern von Novartis, der Pharmabranche. Doch für den Aargauer André Wyss ist Arbeit unter widrigen Bedingungen keine neue Erfahrung.
Daniel Zulauf
André Wyss kann zupacken. Das hat der Topmanager schon mehrfach bewiesen. (Bild: Keystone)

André Wyss kann zupacken. Das hat der Topmanager schon mehrfach bewiesen. (Bild: Keystone)

Kann ein Mann, der sein ganzes Berufsleben in der Pharmaindustrie absolvierte, von heute auf morgen die grösste Schweizer Baufirma leiten? Die fast 10 000 Implenia-Angestellten und die ungezählten Aktionäre werden sich mit der Antwort noch längere Zeit gedulden müssen.

Anfang Oktober übernimmt der frühere Novartis-Manager André Wyss die Schlüssel zu Anton Affentrangers Chefbüro. Dieser hatte vor sieben Jahren seine Funktion als Präsident des Verwaltungsrates gegen die Rolle des operativen Leiters eingetauscht. Es galt, die Lücke aufzufüllen, die der damalige CEO Hanspeter Fässler nach einem Intermezzo von nur gerade 13 Monaten hinterlassen hatte.

Viele Manager sind mit Affen­trangers strengem Ton, seiner Ungeduld und seiner schwer fassbaren Persönlichkeit nicht zurechtgekommen und haben schnell das Weite gesucht. Wer sich mit ihm anlegte, zog den Kürzeren. Die windigen Vertreter des britischen Hedge Fond Laxey lernten die Lektion vor zehn Jahren ebenso wie 2016 der frühere Verwaltungsratspräsident Hubert Achermann.

Zurück geblieben ist nach zahlreichen unsanften Austritten eine Geschäftsleitung, in der sich Affentranger eines harten, loyalen Kerns sicher sein kann. In diesem Kreis werden die Vor­züge des Chefs genauso eifrig betont, wie die Aussteiger dessen Fehler anprangern.

Intern stand niemand als Nachfolger bereit

«Affentranger polarisiert», sagt Implenia-Hauptaktionär Max Rössler. Der Investor weiss, wovon er spricht. Er besitzt direkt und indirekt über 16 Prozent aller Aktien des Unternehmens, und die Beteiligung reicht Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück. Gerne hätte der CEO einen seiner treuen Weggefährten zum Nachfolger gemacht, weiss der 78-Jährige. 13 Jahre nach der Fusion von Zschokke und Batigroup wäre eine interne Nachfolge so etwas wie die Vollendung von Affentrangers Implenia gewesen. Doch wenig überraschend war im kleinen Kandidatenkreis keiner bereit, plötzlich den Chef über seine langjährigen Kollegen zu geben.

So blieb dem Verwaltungsrat keine andere Wahl, als eine externe Suche einzuleiten. Der Zufall wollte es, dass sich auch André Wyss fast zeitgleich nach einer neuen Aufgabe umsah. Für den 51-jährigen Aargauer gab es unter dem neuen Novartis-Chef Vasant Narasimhan keine Zukunft mehr in der Konzernleitung.

Ein Pharmamanager in Gummistiefeln und Bauhelm? Schräg wirkt das Bild nur dann, wenn man sich Pharma als eine geschlossene Welt von Wissenschaft und kleinsten Molekülen vorstellt. Doch da kommt Wyss nicht her.

Als Chemikantenlehrling bei Sandoz machte er 1984 Bekanntschaft mit einer Industrie, in deren Produktionswerken noch viel körperliche und bisweilen auch schwere Handarbeit nötig war. Es waren die letzten Jahre vor der grossen Restrukturierungswelle, die das Bild der Basler Chemie nachhaltig verändern sollte. Rekrutierte die Industrie bis in die späten 1980er-Jahre noch Heerschaaren von Arbeitskräften aus fremden Brachen, um sie für die besser bezahlten Tätigkeiten in der Fabrik anzulernen, nahmen bald darauf automatisierte Prozesse überhand. Als ausgebildeter Produktionsmitarbeiter mit Meisterprüfung hat Wyss diesen Prozess aus nächster Nähe vorangetrieben.

Trotz späterem Betriebswirtschaftsstudium und neuen Führungserfahrungen ist Wyss bei Novartis der Mann für den Strukturwandel geblieben. Narasimhans Vorgänger Joseph Jimenez entdeckte dessen Stärken für gröbere Aufgaben und entsandte ihn 2010 als Pharmachef in die USA, wo es unter anderem 1400 Jobs zu eliminieren beziehungsweise in Tieflohnländer zu verschieben gab. 2014 erhielt Wyss die Verantwortung für die gesamte Produktion und die zentralen Dienste – verbunden mit dem Auftrag, eine Milliarde Dollar einzusparen.

Wyss weiss, was er will und was er wert ist

In der zyklischen und notorisch renditeschwachen Bauindustrie gibt es kaum Spielraum für Sentimentalitäten, erst recht nicht in Zeiten eines konjunkturellen Abschwungs, der vielleicht gar nicht mehr in allzu weiter Ferne ist. So gesehen muss der Branchenwechsel für Wyss kein Nachteil sein. Doch wie steht es mit dem Risiko, dass er in der kargen Baubranche finanzielle Anpassungsschwierigkeiten bekommen könnte? «Er weiss, was er will und was er wert ist», sagt Rössler nach einem ersten Treffen mit dem künftigen Implenia-Chef.

Rössler glaubt, dass Implenia nach dem starken Wachstumsschub der vergangenen Jahre die Statur haben könnte, um in einer nächsten Krise die serbelnde Konkurrenz aufzusammeln.

Diese Rolle spielten in der Schweiz in der Vergangenheit fast immer ausländische Firmen. Marazzi und Losinger landeten vor über zehn Jahren im Rachen der französischen Bouygues. Auch die österreichischen Konkurrenten Porr und Strabag konnten in den vergangenen Rezessionen immer wieder namhafte Schweizer Konkurrenten einsammeln.

Implenia hat dieses Muster umgedreht und sich unter anderem mit dem Kauf von wesentlichen Geschäftsteilen des Bilfinger-Konzerns ein starkes Standbein im deutschen und in anderen ausländischen Märkten aufgebaut. Die Expansion hat zwar auch Substanz gekostet und die Eigenmitteldecke abschmelzen lassen. Doch mindestens im Urteil der Banken scheint die Lage immer noch ausreichend komfortabel zu sein. Erst vor wenigen Tagen haben 18 Banken einen Konsortialkredit auf 800 Millionen Franken aufgestockt und dessen Laufzeit zu verbesserten Bedingungen um weitere fünf Jahre verlängert. «Ich freue mich sehr darauf, als CEO das Potenzial von Implenia bald weiterentwickeln zu können, zusammen mit Verwaltungsrat, Management-Team und Mitarbeitenden», liess sich Wyss in der Medienmitteilung zitieren. Doch Wyss tut gut daran, sich darauf einzustellen, dass nicht alle aus Affentrangers Management diesen Weg mitgehen wollen.

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