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Der türkische Megaflughafen hat Verspätung

Der gigantische neue Istanbuler Flughafen, ein Prestigeprojekt des Präsidenten Erdogan, kämpft mit technischen Mängeln und logistischen Problemen. Das verzögert den Umzug des alten Airports.
Gerd Höhler
Flugbegleiterinnen und Reinigungskräfte am neuen Istanbuler Flughafen an dessen Eröffnungstag. (Bild: Burak Kara/Getty (29. Oktober 2018))

Flugbegleiterinnen und Reinigungskräfte am neuen Istanbuler Flughafen an dessen Eröffnungstag. (Bild: Burak Kara/Getty (29. Oktober 2018))

Endloses Anstehen an der Passkontrolle, überfüllte Warteräume, verspätete Starts: Daran wird sich für Flugreisende in Istanbul auch 2019 vorerst nichts ändern. Denn der zum Jahreswechsel ­geplante Umzug der Fluggesellschaften vom hoffnungslos überlasteten Atatürk Airport zum neuen Grossflughafen nordwestlich der Metropole am Bosporus ­verzögert sich. Der neue Airport kämpft mit Problemen.

Es sollte ein «Big Bang» werden: Innerhalb von 48 Stunden wollte man an Silvester und Neujahr den kompletten Flugbetrieb vom Flughafen Atatürk zum neuen Istanbul International Airport an der Schwarzmeerküste verlegen. Doch in der Branche war es seit Wochen ein offenes Geheimnis: Der Termin ist nicht zu halten. Ilker Ayci, Chef der staatlich kontrollierten Fluggesellschaft Turkish Airlines, die in Istanbul ihr Drehkreuz betreibt, gestand schon im November, der Umzug bereite ihm «Kopfschmerzen».

Symbolischer Betrieb mit ein paar Dutzend Flügen

Lange hüllten sich die offiziellen Stellen in Schweigen. Erst jetzt bestätigte das türkische Verkehrsministerium in einer vage formulierten Mitteilung, der Umzug werde «allmählich» umgesetzt. Turkish Airlines spricht davon, die Verlagerung des Flugverkehrs an den neuen Airport werde «auf ein späteres Datum verschoben», nennt aber keinen Termin. Die Nachrichtenagentur DHA meldet, man plane den Umzug nun für kommenden März.

Die Verzögerung ist ein Politikum. Der neue Istanbuler Flughafen ist ein Prestigeprojekt des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. In gerade einmal 42 Monaten Bauzeit hatten 35000 Arbeiter den Airport aus dem Boden gestampft. Er soll im Endausbau für jährlich 200 Millionen Passagiere ausgelegt sein – fast doppelt so viele, wie der heute weltgrösste Flughafen von Atlanta in den USA abfertigt. Eigentlich sollte der Betrieb bereits am 29. Oktober beginnen, dem türkischen Nationalfeiertag. Erdogan hielt an dem Eröffnungstermin fest und weihte den Mega-Airport vor Tausenden ­Ehrengästen ein. Weil aber vieles noch unfertig war, nahm Turkish Airlines zunächst nur eine Art symbolischen Betrieb mit einem Dutzend Flügen pro Tag auf.

Noch immer sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Als es diesen Monat heftig regnete, standen Teile des Flughafenparkplatzes meterhoch unter Wasser. Erhebliche Probleme gibt es, so berichten Insider, auch mit der Datenverarbeitungstechnik und der Planung der logistischen Abläufe. Die Inbetriebnahme könne deshalb nur schrittweise über einen längeren Zeitraum erfolgen. Über dem geplanten Umzug im März schwebt deshalb ein grosses Fragezeichen. Möglicherweise müssen beide Flughäfen noch lange parallel betrieben werden.

Tödliche Arbeitsunfälle, Festnahmen, Anklagen

Erdogans Flughafenprojekt ist von politischen Kontroversen begleitet. Während der Bauarbeiten kamen durch Arbeitsunfälle 52 Arbeiter ums Leben. Als Tausende Beschäftigte im September gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und katastrophale Hygienebedingungen in den Unterkünften auf der Grossbaustelle demonstrierten, setzte die Regierung die Polizei in Marsch. Über 500 Streikende wurden festgenommen, 31 kamen in Untersuchungshaft. Auf sie wartet jetzt ein Prozess wegen «Umsturzversuchs».

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