Automobil
Der Mirai braucht nur noch Wasserstoff

Das erste in Serie produzierte Brennstoffzellenauto verkauft sich besser als erwartet.

Felix Lill
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Seit Jahren werben Hersteller von Elektroautos mit ihrer Umweltfreundlichkeit, aber sie verkaufen sich bis jetzt nicht wie erhofft. Jetzt hat der japanische Autobauer Toyota seit einem halben Jahr den ersten in Serie produzierten Wasserstoffwagen auf dem Markt – und kommt mit der Produktion nicht hinterher. Für den «Mirai», japanisch für «Zukunft», gingen in Japan innerhalb eines Monats 1500 Bestellungen ein. Für das ganze erste Jahr hatte Toyota nur mit 400 Einheiten kalkuliert.

Der Hersteller ist überrascht, sieht sich aber bestätigt. Schliesslich bezeichnet Toyota das Auto als den Beginn «einer neuen Ära der Mobilität.» Ein Auto eben, das ohne fossile Brennstoffe fährt, also nicht mehr die Umwelt verschmutzt. «Wir müssen in die nächsten 100 Jahre denken», sagt Toyotas Chefingenieur Yoshikazu Tanaka, «und dabei hilft uns dieser Wagen.»

Schon Mercedes experimentierte

Das allererste Wasserstoffauto ist der Mirai nicht. Schon in den 1990er-Jahren experimentierte Mercedes-Benz mit Brennstoffzellen, ebenso taten dies unter anderem Fiat, Peugeot und Chrysler. Nissan arbeitet an einem Brennstoffzellenantrieb, genauso Ford und Mercedes, General Motors und Hyundai. Zwischen 2016 und 2017 wollen einige Hersteller ihre eigenen Modelle auf den Markt bringen. Mit seiner schon angelaufenen Serienproduktion ist Toyota aber einen Schritt voraus.

Der Elektromotor des Mirai funktioniert nun eben mit einer Brennstoffzelle. Durch den genutzten Wasserstoff wird kein CO2 ausgestossen, im Zusammenspiel mit Sauerstoff erzeugt sich Strom, der den Motor antreibt. Den Mirai soll der Tank immerhin 500 Kilometer weit tragen, das Volltanken dauert laut Hersteller drei Minuten, wodurch der Wagen mit herkömmlichen Modellen durchaus mithalten kann. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 178 Stundenkilometern ist respektabel.

Mitte Dezember 2014 kam der Mirai in Japan auf den Markt, Europa soll das Auto im September 2015 erreichen. Der für Deutschland geplante Kaufpreis von rund 78 540 Euro ist beträchtlich. Dass sich der Mirai dennoch gut verkauft, ist für Toyota ein grosser Erfolg. Denn bisher besteht für Mirai-Fahrer in Japan wie überall sonst das Problem, dass es kaum Zapfsäulen mit Wasserstoff gibt. In Deutschland sollen es derzeit rund 20 Stück sein, bis 2016 soll die Zahl auf rund 50 ansteigen und sich danach weiter vervielfachen.

Warum setzt sich das Auto trotzdem ab? Knapp zwei Drittel aller Anfragen nach dem Mirai kommen bisher aus dem öffentlichen Sektor oder der Privatwirtschaft als Dienstwagen. Bei fast 40 Prozent handelt es sich aber um Privatkunden, von denen die meisten laut Toyota über 65 Jahre sind – damit also jener Gruppe der japanischen Gesellschaft angehören, die mehr Vermögen angehäuft hat als jede andere Generation. Zudem dürfte es sich häufig um Leute handeln, die schon länger Toyota-Kunden sind.

Aus erneuerbarer Energie

Für sie ist der Wagen bisher eher ein Ausdruck bewussten Konsums und eine Investition in die Zukunft, wenn das Tanken einfacher werden soll. Inwiefern der Mirai aber tatsächlich umweltfreundlich ist, hat Toyota nicht allein in der Hand. Denn nicht bloss die Abwesenheit von CO2-Ausstössen beim Fahren ist entscheidend. Es geht auch darum, wie der Wasserstoff, der ins Auto kommt, hergestellt wurde. Kommt das explosive Gemisch nicht aus erneuerbaren Energien, ist die schadstofffreie Fahrt nur noch halb so viel wert. Andererseits wirbt Toyota mit einem weiteren Highlight: «Der Mirai kann auch als Hochleistungsnotstromaggregat eingesetzt werden», wie es in Broschüren und auf der Website heisst. Über einen Stecker im Kofferraum kann mit bis zu 60 Kilowattstunden Strom sogar ein Haus versorgt werden. Gerade in einem erdbebengefährdeten Land wie Japan kann so eine Fähigkeit ähnlich wichtig sein wie Umweltfreundlichkeit.