Der nächste Grosse baut ab – warum Landis+Gyr weltweit 700 Stellen streicht

Der Stromzählerhersteller Landis+Gyr kündigt ein globales Sparprogramm an. Auch Zug ist wohl betroffen.

Gregory Remez
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Das Sparprogramm von Landis+Gyr soll noch in diesem Geschäftsjahr über die Bühne gehen.

Das Sparprogramm von Landis+Gyr soll noch in diesem Geschäftsjahr über die Bühne gehen.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zug, 2. Oktober 2017)

Die grosse Welle komme erst noch, mahnen derzeit Fachleute, wenn sie über Entlassungen sprechen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ende August läuft die unbürokratische Bewilligung von Kurzarbeit für Unternehmen aus. Danach wird das Bewilligungsprozedere wieder deutlich länger dauern, was besonders von der Coronakrise betroffene Firmen in Liquiditätsengpässe bringen und einen Abbau von Stellen in gewissen Fällen unausweichlich machen könnte.

Nach dem Ebikoner Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat mit Landis+Gyr nun ein weiterer grosser Arbeitgeber aus der Zentralschweiz ein Sparprogramm angekündigt. Der in Zug domizilierte Hersteller von intelligenten Stromzählern will nach eigenen Angaben knapp 700 seiner weltweit 5800 Stellen streichen.

Die Restrukturierung soll noch im laufenden Geschäftsjahr, also spätestens bis Ende März 2021, umgesetzt werden. Das Ziel sei, die Marktposition des Unternehmens für die Zukunft zu sichern, sagte CEO Werner Lieberherr, der sein Amt erst im April – mitten in der Pandemie – angetreten hatte.

Sparprogramm weckt unschöne Erinnerungen

Konzernchef Lieberherr drückt damit aufs Tempo. Bereits Anfang Juni hatte er von einem möglichen Sparprogramm gesprochen. Nun sah man sich in Zug offenbar dazu gezwungen, dieses noch vor der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse Ende Oktober zu kommunizieren – auch wenn die Details noch vage sind.

Auf Nachfrage, wie viele der rund 250 Mitarbeitenden am Zuger Hauptsitz vom Abbau betroffen sein werden, gibt sich eine Unternehmenssprecherin bedeckt. Es handle sich um ein globales Programm. Deshalb würden alle Bereiche des Unternehmens überprüft, sagt sie. Jedoch könne man sich aufgrund der regional unterschiedlichen Anforderungen und Gesetzgebungen noch nicht zu den Auswirkungen auf einzelne Standorte äussern. Zusätzliche Informationen werde man im Oktober bekanntgeben.

Unter den Angestellten in Zug dürfte das unschöne Erinnerungen wecken. In den letzten fünf Jahren wurden von dort insgesamt knapp 100 Stellen ins Ausland verlegt. Seither wird am Hauptsitz nicht mehr produziert. Geblieben sind die Verwaltung, ein Teil des Verkaufs sowie eine Forschungsabteilung mit über 70 Mitarbeitern. Zumindest Letztere dürften vom aktuellen Sparprogramm nicht betroffen sein.

«Der Bereich Forschung und Entwicklung ist das Rückgrat eines Unternehmens. Hier sparen wir sicher nicht»,

bekundete Lieberherr noch im Mai dieses Jahres. Daran habe sich nichts geändert, legte die Sprecherin nun nach. Man werde die Abteilung «auf hohem Niveau weiterführen».

Magere Aussichten für die nächsten Monate

Rund ein Drittel der Belegschaft in Zug befand sich zwischenzeitlich in Kurzarbeit. Ursprünglich sei diese für sechs Monate genehmigt worden, jedoch habe man nur die Periode von Mitte April bis Ende Juni in Anspruch genommen, so die Sprecherin. Die Coronakrise sei denn auch nicht der Hauptgrund für die nun beschlossene Restrukturierung. Diese sei eher als generelle Neuorganisation im Zuge des kürzlich vollzogenen CEO-Wechsels zu verstehen. Auch gebe es keine Kostenschieflage, betont Unternehmenschef Lieberherr. «Unsere solide Bilanz ist eine unserer grossen Stärken», sagt er. Erfreulich sei zudem, dass Landis+Gyr bisher keine Projektabbrüche zu verzeichnen hatte.

Doch auch wenn das Unternehmen zurzeit ein gutes finanzielles Polster aufweist, dürften die kommenden Monate für die Zuger schwierig werden. So ist die Zahl der Neuinstallationen von Stromzählern in den letzten Monaten stark zurückgegangen. Hauptgrund sind Verzögerungen bei der regulatorischen Zulassung für die Installationen, allen voran in den USA, wo eine Besserung derzeit nicht in Sicht ist.

Hinzu kommt, dass bei Landis+Gyr schon vor dem Ausbruch der Pandemie nicht alles rundlief. Der Auftragseingang sackte im letzten Jahr um einen Drittel ab, der Konzernumsatz ging um 2 Prozent zurück. Laut Analysten dürfte dieser im laufenden Jahr noch mehr sinken. Denn das Wachstum der Zuger hängt von Grossaufträgen ab, die momentan entweder aufgeschoben werden müssen oder ganz ausbleiben. Das aktuelle Sparprogramm dürfte auch eine Folge dieser wenig erbaulichen Aussichten sein.

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