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Der neue Trend: Eine eigene Insel kaufen

Die Finanzkrise hat nicht nur vielerorts die Immobilienpreise gesenkt, sondern auch die Inselpreise. Wer sich mit einem kleinen, einfachen Objekt zufrieden gibt, kann heute ein Eiland zwischen 150000 und 200000 Franken erwerben.

Sabina Sturzenegger
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Kürzlich hat Milliarden-Erbin Athina Onassis ihre Insel Skorpios veräussert. Die Enkelin des griechischen Grossreeders Aristoteles Onassis hat im italienischen Modedesigner Giorgio Armani einen Abnehmer für das knapp einen Quadratkilometer grosse Eiland im Ionischen Meer gefunden. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates und mehrere reiche arabische Scheichs sollen sich für Skorpios interessiert haben.

Für wie viel Geld die Insel schliesslich die Hand gewechselt hat, wurde nicht bekannt. Doch die Liste der Interessenten macht klar: Wer sich eine Insel leisten kann, gehört zu den Privilegierten und Superreichen.

Inseln bereits für 150000 Franken

Dass das nicht länger so sein muss, schreibt jetzt die «Financial Times» («FT»). Gemäss dem englischen Wirtschaftsblatt hat die Finanzkrise nicht nur die Immobilienpreise sinken lassen, sondern auch die Preise für Inseln. So ist vor der Küste Neuschottlands (Kanada) oder Skandinaviens ein privates Eiland bereits ab umgerechnet 150000 Franken zu haben. Auch Inseln auf Seen oder in Flüssen in Frankreich und Grossbritannien liegen in diesem Preissegment, verrät Inselmakler Farhad Vladi.

Inseln sind also erschwinglich geworden wie Einfamilienhäuser oder Autos – oder wie sich der Inselmakler zitieren lässt: «Wer sich ein tolles Auto mit Unterhalt leisten kann, kann sich künftig auch eine Insel leisten.»

Ein Blick in die Homepage von Farhad Vladi zeigt: Im europäischen Raum sind tatsächlich Inseln zu kaufen, die weniger oder gleich viel kosten wie eine Ferienwohnung oder ein Oberklassewagen. Mit den erwähnten 100000 Pfund zu den günstigsten Objekten gehört zurzeit Hook Island. Die Insel hat 78000 Quadratmeter und ist in der Mitte des Flusses Ouse im Osten Englands gelegen. Sie ist unbebaut, im Kaufpreis inbegriffen sind auch Jagdrechte.

Oder die Loire-Insel Kerguelen: Sie ist für umgerechnet rund 240000 Franken zu haben. Auf dem 250000 Quadratmeter grossen verkäuflichen Inselteil befindet sich laut Homepage «ein 60 Quadratmeter grosses Haus aus dem 18. Jahrhundert mit einem Kamin, ein Vorratshaus mit Keller, zwei kleine Hütten und ein Stall». Das alles sei «renovationsbedürftig», eine Stromleitung und Wasser – keine Selbstverständlichkeit auf kleinen Inseln – seien ebenfalls vorhanden.

Mehrere Millionen für «Trauminsel»

In einem anderen Preissegment bewegen sich hingegen die «Trauminseln», wie man sie sich vorstellt, mit Sandstrand und Villa. Für Santa Cristina vor der Küste Venedigs will der Makler über 30 Millionen Franken. Dafür gibt es eine vierstöckige Residenz mit Swimmingpool, Weinkeller und eigenen Rebbergen. Für die 1,7 Quadratkilometer grosse Isola Budelli vor Sardinien, die mit «kristallklarem Wasser, rosa Sand und einer Reihe von Buchten» aufwartet, muss man immerhin noch knapp 6 Millionen Franken aufwerfen können. Und eine Insel im Ionischen Meer, die mit über 4,7 Quadratkilometern wesentlich grösser ist als diejenige von Athina Onassis, kostet rund 60 Millionen Franken,

Solche Inseln gehören «in die Trophäensammlung der Superreichen wie die Jacht oder die Luxuskarossen», wie es ein Finanzberater gegenüber der «FT» formuliert. Derweil sind die kleinen Fluss- und Seeinseln sowie diejenigen in klimatisch weniger günstigen Lagen in Skandinavien oder Neuschottland etwas für «Abenteurer», die an der Natur interessiert sind und auch die Einsamkeit geniessen können.

Meistens bar auf die Hand

Ähnlich wie beim Hauskauf kann auch eine Insel mit einer Hypothek erworben werden. So haben sich insbesondere englische Finanzierungs- und Immobiliengesellschaften auf den Inselkauf spezialisiert. Dennoch wird die Mehrheit der Inseln immer noch in bar bezahlt.

www.vladi-private-islands.de

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