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Der Private-Debt-Markt boomt: So beschaffen sich Unternehmen Kapital

Weil Banken bei der Vergabe von Krediten restriktiver geworden sind, suchen Betriebe andere Finanzierungsmöglichkeiten. In die Bresche springen vermehrt Private-Debt-Funds. Viele davon haben sich in Zug angesiedelt.
Livio Brandenberg
Der Private-Debt-Anbieter Tavis Capital unterstützte unter anderem auch die «Das Zelt AG» mit einer Wachstumsfinanzierung. (Bild: Claudia Below/PD)

Der Private-Debt-Anbieter Tavis Capital unterstützte unter anderem auch die «Das Zelt AG» mit einer Wachstumsfinanzierung. (Bild: Claudia Below/PD)

Braucht ein kleines oder mittleres Unternehmen Geld, dann geht es zu seiner Bank und beantragt einen Kredit. So die gängige Vorstellung. Und auf diese Art nehmen Firmen – nicht nur KMU – in der Schweiz oft noch immer Fremdkapital auf. Doch die herkömmlichen Bankdarlehen sind seit der Finanzkrise vor zehn Jahren rückläufig. Dies, weil Banken wegen der zunehmenden Regulierung und höheren Eigenkapitalanforderungen unter Basel III bei ihren Kreditvergaben restriktiver geworden sind – gerade mittelgrosse Unternehmen und solche ohne Investment-Grade-Rating bekamen und bekommen dies zu spüren. Diese Unternehmen halten seit einigen Jahren zunehmend nach anderen Finanzierungsquellen Ausschau. Hier kommt die Finanzierungsform Private Debt ins Spiel.

Unter Private Debt («private, nicht-gehandelte Schuld») versteht man – vereinfacht gesagt – Fremdkapital, welches nicht von einer Bank zur Verfügung gestellt oder per Obligation aufgenommen wurde. Ein Merkmal ist also, dass es keinen liquiden Sekundärmarkt gibt, die Schulden können nicht gehandelt werden. Die Kredite werden von Nicht-Banken wie Fonds, Pensionskassen, Versicherern oder Family Offices vergeben. Üblicherweise haben die Kredite eine Laufzeit von bis zu sieben Jahren. Typisch für Private Debt ist auch die variable Verzinsung.

Deutlich höhere Renditen

In den USA und in Grossbritannien macht diese Art von Kreditvergabe längst einen wichtigen Teil des Markts aus. In Kontinentaleuropa hingegen fristet diese Finanzierungs- und auch Anlageform noch immer eher ein Schattendasein, es gibt grosses Aufholpotenzial. Dies hat auch die in Baar ansässige Vicenda Group ­erkannt. Die «Investment-Boutique», wie sie sich selbst nennt, wurde vor rund sechs Jahren von Felix Zulauf, seinem Sohn Roman Zulauf und Micha Blattmann gegründet. Heute beschäftigt Vicenda rund 20 Angestellte.

Felix Zulauf ist in der Finanzindustrie eine bekannte Grösse, er war Anlagechef der UBS und führt heute sein eigenes Family Office in Baar. Felix Zulauf übergab das Verwaltungsratspräsidium im letzten Jahr an Walter Berchtold, den früheren Private-Banking-Chef der Credit Suisse, der bei Vicenda als Executive Chairman einstieg.

Das Geschäft laufe erfreulich, sagt Roman Zulauf, «wir haben einerseits eine gute, steigende Nachfrage nach alternativen Fremdfinanzierungslösungen von Unternehmen. Andererseits notieren wir auch steigendes Interesse von Investoren, die in Zeiten von negativen Zinsen nach Alternativen im Fixed-Income-Bereich suchen.» Diese tragen mit den kreditnehmenden Firmen auf der anderen Seite zum Aufstieg des Private-Debt-Geschäfts bei. Denn die Funds bieten Investoren, etwa institutionellen Anlegern wie Pensionskassen, Versicherungen oder Family Offices, aber auch wohlhabenden Einzelpersonen, aufgrund des fehlenden Handels und der meist höheren Komplexität der Kredite eine deutlich attraktivere Rendite als herkömmliche Anleihen oder Aktien: Typischerweise von 3 bis zu 9 Prozent reichen die ­Returns. Geld für die Kredite ist also genug vorhanden.

Für den Schweizer Markt gibt es derzeit (noch) keine Zahlen. Ohnehin ist das Kreditgeschäft international geprägt, Grenzen spielen eine untergeordnete Rolle. Es lässt sich jedoch eingrenzen, welche Region ein Anbieter im Auge hat und wo die Kredite vergeben werden. Einen guten Anhaltspunkt, um die Entwicklung des Private-Debt-Markts einzuschätzen, liefert deshalb die Entwicklung der Europa-fokussierten Gelder der letzten Jahre sowie die Anzahl der Private-Debt-Funds, die in den jeweiligen Regionen tätig sind (siehe Grafik): Der Markt wächst, und zwar rapide; die auf Europa fokussierten Private-Debt-Gelder haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als versechsfacht.

Der grösste Anbieter in der Schweiz ist mit 18 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen in Private Debt der Baarer Finanzspezialist Partners Group. Zu den grösseren Private-Debt-Funds gehören weiter Patrimonium (Finanzierungsvolumen von über 750 Millionen Euro) mit Büros in Zürich, in der Romandie und ebenfalls in Baar sowie Tavis Capital oder Ruvercap aus Zürich.

Maschinenpark als Sicherheit

Ähnlich unbekannt wie die meisten Namen der Anbieter sind jene der Unternehmen, welche die Kredite beziehen. Dies, da einerseits eben KMU zu den Hauptmandanten gehören. Andererseits nennen die Funds die Namen der Kunden nicht in jedem Fall. Ein bekannteres Beispiel ist die Wachstumsfinanzierung der «Das Zelt AG» durch Tavis Capital. Und eine Transaktion von ­Vicenda liess die Finanzbranche vorletztes Jahr aufhorchen: Die Baarer unterstützten die deutsche Immobiliengesellschaft Core­state Capital beim Kauf der Helvetic Financial Services in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags. Vicenda strukturierte und verbriefte dabei einen Finanzierungskredit, der unter vermögenden Privatkunden platziert wurde. Es wurden also quasi Anleihen geschaffen, die aber nicht gehandelt werden.

Dies sei der Vorteil der Branche, sagt Roman Zulauf: Banken hätten typischerweise strikte Raster, nach welchen Kreditanfragen bearbeitet werden. «Private-Debt-Anbieter zeichnen sich durch höhere Flexibilität aus bei der Ausgestaltung des Kredits und der Auswahl der Sicherheiten. Zudem sind sie in der Regel sehr schnell bei der Beurteilung einer Kreditanfrage und falls diese positiv ausfällt auch mit der Ausgestaltung der Finanzierungsstruktur.» Banken vergeben vor allem ungesicherte Kredite, wollen aber bei einem Konkurs zuerst bedient werden. Private-Debt-Funds hingegen verlangen meistens pfandrechtliche Sicherheiten, also etwa ein Aktienpaket des Eigentümers oder das Recht auf den Maschinenpark. Man sehe sich aus diesen Gründen nicht als Konkurrenz der Banken, sondern als Ergänzung, sagt Zulauf weiter. «Wenn eine Bank einen Kredit vergeben will, dann macht sie das immer noch zu sehr kompetitiven Konditionen.»

Geld verdienen Private-Debt-Anbieter über Management-Gebühren, die sich in der Gegend von 1 bis 2 Prozent bewegen. Grundsätzlich gilt auch für solche Kreditanbieter die Regulierungspflicht, doch laut der Finanzmarktaufsicht Finma gibt es, was das Aufsichtsrecht angeht, keine spezifische «Private-Debt-Regulierung» oder «-Aufsicht». Für Versicherer ist Private Debt als Anlageklasse Finma-reguliert.

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